Sinfonia concertante für vier Bläser in Es-Dur, K. 297b (Paris, 1778)
de Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Sinfonia concertante für vier Bläser (K. 297b), die mit Paris im Jahr 1778 in Verbindung gebracht wird, als er 22 war, lässt sich am besten als verlorenes Original verstehen, das vor allem durch zeitgenössische Korrespondenz und spätere Berichte bekannt ist.[1] Sie ist daher zu unterscheiden von der unechten, erhaltenen Concertante, die häufig unter derselben Köchel-Nummer (Anh. C 14.01) aufgeführt wird, anonym überliefert ist und als falsch zugewiesen gilt.[2]
Hintergrund und Kontext
Im Frühjahr 1778 hielt sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Paris auf – eine ehrgeizige, beruflich schwierige Station in seiner langen Suche nach einer festen Anstellung –, blieb dabei jedoch aufmerksam für das Verlangen der Stadt nach modischer orchestraler Brillanz.[1] In einem Brief vom April an seinen Vater beschreibt er eine neue sinfonia concertante für das Concert Spirituel und nennt die vier hervorgehobenen Solisten: Flöte (Johan Wendling), Oboe (Friedrich Ramm), Horn (Giovanni Punto) und Fagott (Georg Wenzl Ritter).[1] Dieses verlorene Pariser Werk – das für genau diese Musiker gedacht war – steht als historischer Gegenstand im Zentrum von K. 297b, auch wenn es sich heute nicht mehr im Detail rekonstruieren lässt.
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Das vertraute „K. 297b“, das in vielen modernen Aufführungen zu hören ist, ist eine andere Angelegenheit: eine erhaltene, anonyme Sinfonia concertante in Es-Dur für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott (Anh. C 14.01), deren Authentizität der Mozarteum-Katalog ausdrücklich als „incorrectly assigned“ kennzeichnet.[2] Redaktionell ist es entscheidend, diese überlieferte Partitur nicht mit Mozarts verlorener Pariser Komposition zu verwechseln.
Musikalischer Charakter
Da Mozarts ursprüngliches Pariser Werk verloren ist, lassen sich weder Satzfolge noch Solosatz oder orchestrale Details anhand eines primären Notentextes beschreiben. Was sich jedoch sagen lässt: Schon die Wahl der Solisten (Flöte–Oboe–Horn–Fagott) verweist auf den Pariser Geschmack an glänzender, dialogischer Concertante-Schreibweise – wechselnde Virtuosität, paarweise Dialoge (besonders innerhalb der Bläser) und Tuttis, die die Solistengruppe eher rahmen als ihr in strenger Konzertkonkurrenz gegenüberzutreten.[1]
Demgegenüber ist die unechte, erhaltene Concertante (Anh. C 14.01) als vollständiges dreisätziges Werk überliefert und ist für Solo-Oboe, -Klarinette, -Horn und -Fagott gesetzt.[2] Ihre fortdauernde Präsenz im Repertoire kann als Einblick in den Stil der symphonie concertante des späten 18. Jahrhunderts nützlich sein; sie sollte jedoch nicht als belastbarer Beleg für die musikalische Substanz von Mozarts verlorenem Werk von 1778 herangezogen werden.
Stellung im Werkverzeichnis
Unabhängig von ihrem genauen musikalischen Gehalt gehört die verlorene K. 297b zu Mozarts Pariser Zeit, liegt nahe bei der „Pariser“ Sinfonie, K. 297/300a, und spiegelt seine fortgesetzte Auseinandersetzung mit öffentlichen, virtuosen Orchestergattungen für die französische Hauptstadt.[3]) In diesem Sinne steht sie als reizvoll-ungewisse Entsprechung zu jener gesichert authentischen Concertante-Tradition, die Mozart später in größerem Maßstab in der Sinfonia concertante für Violine und Viola, K. 364, verwirklichte.[1]
[1] Wikipedia: overview of the lost Paris work, Mozart’s April 1778 letter naming Wendling/Ramm/Punto/Ritter, and the distinction between the lost original and later surviving version.
[2] Mozarteum (Köchel-Verzeichnis online): Anh. C 14.01 entry with status (“incorrectly assigned”), dating (Paris, 1778), key (E♭ major), and instrumentation of the extant spurious work.
[3] Wikipedia: Symphony No. 31 “Paris”, K. 297/300a—context for Mozart’s Paris stay in 1778 and the Concert Spirituel milieu.




