Se al labbro mio non credi (Tenor-Arie), K. 295 — Mozart in Mannheim
de Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Se al labbro mio non credi (K. 295) ist eine konzertante Tenor-Szene in B-Dur, komponiert in Mannheim am 27. Februar 1778, als der Komponist 22 Jahre alt war. Für den gefeierten Tenor Anton Raaff geschrieben, bündelt sie Mozarts Mannheimer Erfahrung — Virtuosen unter den Sängern, orchestrale Raffinesse und ein Faible für expressives cantabile — zu einer kompakten dramatischen Miniatur.
Hintergrund und Kontext
Anfang 1778 hielt sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Mannheim auf — auf jener letztlich erfolglosen Reise zur Stellensuche, die ihn bald nach Paris führen sollte. Mannheim — Heimat von Europas bewundertstem Orchester — bot Mozart nicht nur orchestrale Eleganz, sondern auch einen Kreis von vokalen Stars. Se al labbro mio non credi (K. 295) gehört genau in diesen Moment: eine Tenor-Szene, am 27. Februar 1778 komponiert und ausdrücklich mit dem berühmten Hof-Tenor Anton Raaff (1714–1797) verknüpft. Mozart erwähnt, er habe die Worte „Se al labbro…“ „für Raaff“ genommen — ein aufschlussreicher Hinweis darauf, dass das Stück als maßgeschneidertes Paradestück für einen bewunderten Spezialisten gedacht war und nicht als Nummer in einer von Mozarts eigenen Opern.[1]
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
Die Arie steht zudem im Zusammenhang mit der Praxis der insertion arias des 18. Jahrhunderts — neu komponierten Stücken, die für einen bestimmten Sänger in eine bereits existierende Oper eingeschoben wurden. Spätere Kommentare und discografische Hinweise beschreiben K. 295 regelmäßig als für die Einlage in Johann Adolf Hasses Artaserse vorgesehen (ein Werk, das eng mit virtuoser vokaler Schaustellung verbunden ist).[2] In diesem Licht wird K. 295 zu einer Momentaufnahme von Mozart, der lernt, in einem konkurrenzgeprägten Theatermarkt Aufmerksamkeit zu gewinnen: nicht durch große szenische Architektur, sondern durch konzentrierte melodische Überzeugungskraft und meisterhaft gesetzte rhetorische Wendungen.
Text und Komposition
Der Text beginnt „Se al labbro mio non credi, nemica mia“ („Wenn du meinen Lippen nicht glaubst, meine Feindin…“) und versetzt den Sänger in eine vertraute opernhafte Haltung — bittend, verletzt und zugleich streitbar. Mozarts Zeugnis in einem Brief macht deutlich, dass er diese Worte mit Raaff im Sinn auswählte,[1] und die Katalogangaben verankern das Werk eindeutig in Mannheim 1778.[3]
Die überlieferten Quellen sind für ein solches Gelegenheitsstück ungewöhnlich konkret. Das Vorwort der Neuen Mozart-Ausgabe (Neue Mozart-Ausgabe) zum betreffenden Band nennt das Autograph (Blatt 1r) in der Staatsbibliothek zu Berlin und unterstreicht damit, dass K. 295 keine schattenhafte Zuschreibung ist, sondern ein sicher überliefertes Werk.[4]
Musikalischer Charakter
K. 295 wird häufig als „Arie für Tenor und Orchester“ bezeichnet, und seine Anlage rechtfertigt den Begriff „Szene“: Die Musik stellt nicht bloß eine Melodie vor, sie inszeniert Überzeugungsarbeit. Das eröffnende Adagio (wie es in vielen Aufführungsmaterialien überliefert ist) lädt den Tenor zu getragenem, sprechnahem Gestalten ein, bevor das Tempo in einen fließenderen, öffentlichkeitswirksameren Modus umschlägt — ein Wechsel, der wirken kann wie ein Gedanke, der mitten im Streit die Strategie ändert.[2]
Was die Arie innerhalb von Mozarts Schaffen des Jahres 1778 auszeichnet, ist ihre Mannheimer „Oberfläche“: weiträumig atmendes cantabile, getragen von einem Orchester, das nicht bloß begleitet. Auch ohne den Ruhm späterer Konzertarien zeigt K. 295 Mozart dabei, jenes Gleichgewicht zu erproben, das bald seinen reifen Opernstil prägen sollte — die Stimme als Figur, das Orchester als zweiter Erzähler. Kurz: Das Stück verdient Aufmerksamkeit, weil Mozart hier im Kleinen Denkweisen der Idomeneo-Zeit einübt: für einen konkreten Sänger, in einer konkreten Theaterökonomie, und mit einem feinen Gespür dafür, wie instrumentale Farbe einen dramatischen Anspruch zuspitzen kann.
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
[1] Project Gutenberg — The Letters of Wolfgang Amadeus Mozart (mentions taking the words “Se al labbro” for Raaff).
[2] eClassical booklet PDF — notes describing “Se al labbro mio non credi” KV 295 as intended for insertion in Hasse’s opera Artaserse; includes tempo outline.
[3] Wikipedia — Köchel catalogue entry listing K. 295 as a tenor aria with date (27 February 1778) and place (Mannheim).
[4] Digital Mozart Edition (Mozarteum) — New Mozart Edition preface (II/7/2) referencing the autograph leaf for “Se al labbro mio non credi” KV 295 in the Berlin State Library.








