Rezitativ und Arie für Sopran „Ma che vi fece, o stelle“ – „Sperai vicino il lido“ (K. 368)
ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Mozarts Rezitativ und Arie für Sopran „Ma che vi fece, o stelle“ – „Sperai vicino il lido“ (K. 368) ist eine italienische Scena in F-Dur (Arie), wahrscheinlich Anfang 1781 in München komponiert und eng mit seiner Idomeneo-Zeit verbunden.[2][1] Weit weniger berühmt als die große Konzertszene Ah, lo previdi… Ah, t’invola agl’occhi miei (K. 272), bietet sie dennoch einen konzentrierten Blick auf Mozarts sich herausbildenden opernhaften Ernst: ein dringliches Rezitativ, eine ausgewogen lyrische Arie und eine vokale Schreibweise, die wie für eine virtuose singende Schauspielerin gemacht wirkt.[2]
Hintergrund und Kontext
K. 368 gehört zu Mozarts reichem Strang der „Scena“-Kompositionen: in sich geschlossene dramatische Auszüge (typischerweise recitativo plus Arie), die in eine bestehende Oper eingefügt oder als Konzertstück aufgeführt werden konnten. Der Text stammt aus Pietro Metastasios weit verbreitetem Opernlibretto Demofoonte, einem der großen „Erfolgstexte“ des 18. Jahrhunderts, der von Dutzenden Komponisten immer wieder vertont wurde.[3][4]
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Obwohl ältere Katalogtraditionen häufig einen weiter gefassten Zeitraum „1779–80“ angaben, argumentiert der Kritische Bericht der Neuen Mozart-Ausgabe, die Scena sei wahrscheinlich 1781 in München entstanden; die Datierung stützt sich unter anderem auf einen Eintrag im Autograph, der mit Mozarts Münchner Aufenthalt Anfang 1781 verbunden ist.[2][1] Mit anderen Worten: Das Werk steht nahe an der Schwelle von Mozarts erstem vollformatigen Opernmeisterwerk, Idomeneo, re di Creta (Uraufführung 1781 in München) – in einer Phase, in der er erprobte, wie sehr sich die italienische Opera seria durch Harmonik, Tempoanlage und Charakterzeichnung zuspitzen lässt.
Das Stück hat zudem performerbezogene Hypothesen auf sich gezogen. Der NMA-Bericht verweist auf Alfred Einsteins Vermutung, das Werk – insbesondere seine brillante Koloratur – könne für die Mannheimer/Münchner Sopranistin Elisabeth Augusta Wendling gedacht gewesen sein, die kurz darauf die Elettra in Idomeneo kreieren sollte.[2] Auch wenn sich „für Wendling“ nicht zweifelsfrei beweisen lässt, setzt die Schreibweise unverkennbar einen flexiblen, beweglichen Sopran voraus, der Drama in vokale Rhetorik zu verwandeln vermag.
Text und Komposition
Metastasios Worte entwerfen eine knappe emotionale Erzählung. Im Rezitativ („Ma che vi fece, o stelle“) wendet sich die Sprecherin an die Sterne – ein opernhafter Kurzcode für das kalte Zeugnis des Schicksals –, bevor die Arie („Sperai vicino il lido“) in einen nachdenklicheren cantabile-Modus übergeht und Hoffnung wie Enttäuschung auskostet. Wie so oft in der metastasianischen Dramaturgie liegt der Schwerpunkt weniger auf äußerer Handlung als auf dem moralisch-psychologischen „Wetter“ der Figur.
Musikalisch ist die Scena zweiteilig angelegt:
- Recitativo: Allegro assai
- Arie: Andantino (F-Dur)
In der Besetzung verwendet K. 368 ein klassisches Orchester mit Holzbläsern, Blech und Streichern, das eine einzelne Sopranlinie trägt.[4] Das in der Staatsbibliothek zu Berlin verwahrte Autograph zeigt zahlreiche Korrekturen; die NMA charakterisiert das Manuskript als „in Eile“ niedergeschrieben, wobei das Rezitativ noch hastiger wirkt als die Arie – ein aufschlussreicher Blick darauf, wie Mozart unter Zeitdruck komponierte, als ginge es um eine bevorstehende Aufführung.[2]
Musikalischer Charakter
K. 368 ist nicht deshalb markant, weil es monumental wäre, sondern weil es effizient ist: Mozart verdichtet theatrale Kontraste auf wenige Minuten und schafft eine Miniatur-Bühnenszene mit klarer Dramaturgie. Das Rezitativ ist nicht bloß funktionales Bindeglied; es ist energisch vorwärts getrieben und bereitet den emotional ruhigeren Raum der Arie vor (ein typischer recitativo → Arie-„Spannungsabfall“, der bei Mozart psychologisch sprechend wird).
Der Andantino-Charakter der Arie begünstigt weit gespannte Linien und Klarheit der Artikulation, doch Mozart verzichtet keineswegs auf Virtuosität. Koloratur erscheint hier als dramatische Zuspitzung – als Steigerung des sprachähnlichen Impulses in Gesang – und nicht nur als dekorativer Effekt. Gerade dieses Gleichgewicht aus lyrischer Ruhe und dramatischer Unruhe macht das Stück innerhalb von Mozarts Bühnenwerk beachtenswert: Es deutet jene reife Operntechnik an, in der vokaler Glanz und Figurenwahrheit zur Deckung gebracht werden.
Neben späteren, umfangreicheren Konzertarien kann K. 368 wie eine Werkstatt für den Ausdruck der Idomeneo-Zeit wirken: eine Sopran-Scena, die in der Tradition der Opera seria steht und sie doch bereits in Richtung des schärfer gezeichneten Theaterprofils von Mozarts Opern der 1780er Jahre weiterstößt.
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[1] Köchel catalogue table entry summarizing K. 368 (date and place as Munich, January 1781)
[2] New Mozart Edition (NMA), Series II/7/2 critical report (English PDF): dating discussion; possible Wendling connection; autograph described as written in haste
[3] Overview noting the scena’s text source in Metastasio’s *Demofoonte* and the widespread tradition of multiple settings
[4] IMSLP work page: movements/tempi, librettist (Metastasio), and instrumentation details









