K. 654

Offertorium „O supremum coeli Numen“ (zweifelhaft), K. 654 (C-Dur)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Das Offertorium O supremum coeli Numen (K. 654) ist ein kurzes geistliches Stück in C-Dur, das—mit Vorbehalt—dem 15-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart (um 1771) zugeschrieben worden ist. Die überlieferte Dokumentation ist spärlich, und moderne Nachschlagewerke behandeln sowohl die Zuschreibung als auch sogar die grundlegende Einordnung des Werks mit Vorsicht.

Hintergrund und Kontext

K. 654 kursiert unter dem lateinischen Incipit O supremum coeli Numen und wird mitunter als Offertorium bezeichnet—also als Musik für den Offertorium-Teil der Messe—doch ist seine Überlieferung so unklar, dass die moderne Katalogisierung seine Identität bzw. seinen Bestimmungszweck bislang nicht endgültig festgelegt hat. Der Online-Köchel-Katalog der Internationalen Stiftung Mozarteum führt das Werk unter diesem Titel und dieser Nummer, jedoch ohne auf der öffentlich zugänglichen Eintragsseite ohne Weiteres einsehbare Quellenangaben; dies verstärkt den Eindruck, dass das Stück auf einer dünnen dokumentarischen Grundlage beruht.[1]

Als Entstehungsjahr für K. 654 wird gewöhnlich 1771 genannt—eine Zeit, in der Mozart 15 Jahre alt war und zwischen Salzburg und Norditalien unterwegs war, im Anschluss an seine erste Italienreise (Ende 1769 bis Anfang 1771) und noch vor der dritten Italienreise später im Jahr 1772. In dieser Jugendphase schrieb Mozart sowohl liturgische Musik (für die kirchlichen Institutionen Salzburgs) als auch eine große Menge funktionaler Instrumentalmusik; die Uneindeutigkeit um K. 654—geistliche Bezeichnung einerseits, in einigen Datenbanken aber auch instrumentale Einordnungen vom Typ „Serenade“ andererseits—passt zumindest oberflächlich zu dem praktischen, anlassbezogenen Charakter seiner Produktion in diesem Alter.

Musikalischer Charakter

Da die maßgeblichen Quellen, Besetzung und der Notentext von K. 654 in modernen Ausgaben nicht breit verfügbar sind und in gängigen, leicht überprüfbaren Referenzdarstellungen nicht im Detail beschrieben werden, würde jede Darstellung von Instrumentation oder formaler Anlage Gefahr laufen, mehr zu behaupten, als die Belege hergeben. Sicher sagen lässt sich im Wesentlichen nur, dass das Werk üblicherweise als Offertorium in C-Dur geführt wird und innerhalb des Mozart-Korpus als zweifelhafte Zuschreibung gilt.[1]

Für das praktische Hören empfiehlt sich K. 654 daher eher als ein vorsichtig zu wertendes Zeugnis von Mozarts frühem Stil denn als fest verankertes Dokument seiner Salzburger Kirchenpraxis: Sollte das Stück echt sein, würde man die klare Periodik und die diatonische Helligkeit erwarten, die für seine frühen repräsentativen C-Dur-Stücke typisch sind; ist es hingegen unecht, liegt sein Wert darin zu zeigen, wie leicht geistliche „Gelegenheits“-Idiome des späten 18. Jahrhunderts für Mozart gehalten werden konnten—ein Irrtum, der eine Reihe von Werken betroffen hat, die traditionell unter seinem Namen verbreitet wurden.[2]

[1] International Mozarteum Foundation (Köchel Verzeichnis): work entry for “O supremum coeli Numen” (K. 654).

[2] Wikipedia: overview article on Mozart works of spurious or doubtful authenticity (context for doubtful attributions in the Mozart tradition).