K. 293

Oboenkonzert in F-Dur (unvollendet), K. 293

di Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts unvollendetes Oboenkonzert in F-Dur, K. 293 (1778) ist nur als fragmentarischer Torso eines einzigen Satzes erhalten – und bietet doch einen verlockenden Einblick in sein konzertantes Denken im Alter von 22 Jahren. Die ĂŒberlieferten Seiten deuten auf eine ambitionierte Anlage fĂŒr Solist und Streicher hin, die spĂ€tere Herausgeber vorsichtig – um sie auffĂŒhrbar zu machen – zu ergĂ€nzen versucht haben.

Hintergrund und Kontext

Mozart (1756–1791) hat den erhaltenen Fragmententwurf eines Oboenkonzerts in F-Dur nach allgemeiner Auffassung im Herbst 1778 skizziert – in den unruhigen Monaten nach seiner RĂŒckkehr aus Paris, als er sich zeitweise in Wien und insgesamt im weiteren Habsburger Umfeld aufhielt.[1] Wie auch immer: Die ĂŒberlieferte Partitur ist unvollstĂ€ndig und dokumentiert kein vollstĂ€ndiges, im ĂŒblichen Sinne auffĂŒhrbares dreisĂ€tziges Konzert.[2]

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Moderne Einspielungen und AuffĂŒhrungen stĂŒtzen sich hĂ€ufig auf editorische VervollstĂ€ndigungen (de facto Rekonstruktionen) dessen, was als erster Satz erscheint – was unterstreicht, dass K. 293 eher als erhalten gebliebener kompositorischer Entwurf zu verstehen ist denn als ausgearbeiteter Auftrag.[3]

Musikalischer Charakter

Das Erhaltene wird gewöhnlich als eröffnendes Allegro in F-Dur bezeichnet, komponiert fĂŒr Solooboe mit Streichorchester (also den ĂŒblichen konzertanten Dialog des Solisten gegen das Tutti).[2] Selbst in fragmentarischer Gestalt weist die Satztechnik auf Mozarts zunehmend vokal gedachte Behandlung von HolzblĂ€sersolisten: Die Oboenstimme ist in weit ausschwingenden, atemlangen Phrasen geformt, die einen opernhaften Linien-sinn erkennen lassen, wĂ€hrend der Streichersatz das klare Ritornell-GerĂŒst andeutet, das man in einem Konzertsatz der spĂ€ten 1770er Jahre erwartet.

Da das ĂŒberlieferte Material abbricht, bleiben viele Fragen der Großform – wie Mozart solistische Brillanz und orchestrale Ritornelle ausbalanciert hĂ€tte oder wo er eine Verdichtung im Mollbereich vorgesehen hat – eher Sache der Herausgeber als sicher beschreibbar. Dennoch gehört das Idiom des Fragments unverkennbar in jene Phase, in der Mozart die Verbindung von öffentlicher Brillanz und lyrischer IntimitĂ€t verfeinerte, die bald in seinen reifen Wiener Konzerten aufblĂŒhen sollte.

Stellung im Werkverzeichnis

K. 293 ist ein kleines, aber aufschlussreiches Zeugnis fĂŒr Mozarts anhaltendes Interesse an BlĂ€servirtuositĂ€t in den spĂ€ten 1770er Jahren – neben seiner verlĂ€sslicher ĂŒberlieferten Konzertproduktion fĂŒr BlĂ€ser.[1] Seine UnvollstĂ€ndigkeit verweist zugleich auf die weitere Nachgeschichte von Mozarts Fragmenten: SpĂ€tere Musiker haben immer wieder ausgelotet, wie weit eine kenntnisreiche Rekonstruktion gehen kann – ohne einen faszinierenden Entwurf mit einem fertiggestellten Konzert zu verwechseln.

[1] Digital Mozart Edition (Mozarteum Salzburg): New Mozart Edition V/14/3 (Concertos for Flute, Oboe, Bassoon) — editorial discussion and dating evidence for K. 293/416f.

[2] IMSLP: Oboe Concerto in F major, K. 293/416f — work page with movement status, instrumentation, and edition information (NMA).

[3] BBC Music Magazine (Classical Music): review noting K. 293 as an unfinished 1778 concerto movement often encountered in completion (e.g., Odermatt).