K. 293e

„Cara, la dolce fiamma“ (nach J. C. Bach), K. 293e

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Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts „Cara, la dolce fiamma“ (K. 293e) ist weniger eine eigenstĂ€ndige Konzertarie als vielmehr ein Satz ausgeschriebener vokaler Verzierungen zu einer Arie von Johann Christian Bach, im Umkreis Mozarts abgeschrieben und mit seiner Mannheimer Zeit 1778 verbunden. Die Seiten bewahren Mozarts praktischen, auf SĂ€ngerinnen und SĂ€nger ausgerichteten Zugang zur Ornamentik – indem sie eine bereits existierende Opernnummer in ein Labor fĂŒr Stil, Geschmack und expressiven Feinsinn verwandeln.

Hintergrund und Kontext

1778 verbrachte Mozart (22-jĂ€hrig) mehrere Monate in Mannheim, wo er eine berĂŒhmte Orchester- und Theaterkultur in sich aufnahm, zugleich nach Anstellung suchte und Kontakte unter SĂ€ngerinnen/SĂ€ngern sowie Instrumentalistinnen/Instrumentalisten knĂŒpfte. In diesem Umfeld ist Cara, la dolce fiamma als ergĂ€nzendes StĂŒck „nach J. C. Bach“ ĂŒberliefert: keine neue Vertonung des Textes, sondern Musterverzierungen zu Bachs Arie aus der Oper Adriano in Siria (London, 1765) [1]. Die Quellenlage deutet eher auf ein Arbeitsdokument als auf ein fĂŒr den Druck vorbereitetes Werk; ein kritischer Bericht der Mozart-Forschung beschreibt ein Blatt mit Notierungen von Verzierungen zur Arie, teils von Mozart, teils von seiner Schwester Maria Anna („Nannerl“) geschrieben und spĂ€ter zusammen mit verwandtem Material eingebunden [1].

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Musikalischer Charakter

Was in K. 293e „auf dem Papier steht“, ist im Wesentlichen eine ausgeschmĂŒckte Vokallinie: ausgeschriebene Auszierungen (Ornamente/Verzierungen), wie sie eine geschulte SĂ€ngerin oder ein geschulter SĂ€nger sonst möglicherweise improvisiert hĂ€tte, angewandt auf Bachs cantabile Arie. Statt die Nummer umzuarbeiten, liefert Mozart punktgenaue Ausdrucksdetails – DoppelschlĂ€ge, Triller und verbindende Figuren –, die den Affekt steigern und dabei das melodische Profil nachvollziehbar halten [2].

In diesem Sinn steht das StĂŒck Mozarts weiterem Umgang mit opernpraktischer AuffĂŒhrungstradition sehr nahe: Es zeigt ihn als jemanden, der wie ein Stimmbildner denkt und die Klarheit der Linie mit dem Bedarf nach rhetorischer Zuspitzung an Kadenzen und bei emotional aufgeladenen Worten ins Gleichgewicht bringt. Auch als kleines Dokument bietet K. 293e einen unmittelbaren Einblick, wie Mozart – ĂŒber J. C. Bach – lernte, italienische Lyrik durch geschmackvoll kontrollierte VirtuositĂ€t zu steigern [2].

[1] Mozarteum (DME) PDF critical report describing the bound leaf containing Mozart/Nannerl embellishments to J. C. Bach’s aria “Cara, la dolce fiamma” from Adriano in Siria.

[2] Cambridge Opera Journal article “Mozart’s Operatic Embellishments” (discussion includes Mozart’s embellishments for J. C. Bach’s “Cara, la dolce fiamma”).