Musik zu âSemiramisâ (K. 315e)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Semiramis (K. 315e) ist ein verlorenes, unvollendet gebliebenes BĂŒhnenwerk, das in zeitgenössischen Quellen als âDuodramaâ bezeichnet wird und Ende 1778 in Mannheim begonnen wurde. Auch wenn nur bruchstĂŒckhafte Hinweise ĂŒberliefert sind, eröffnet das Projekt einen aufschlussreichen Blick darauf, wie der 22-jĂ€hrige Komponist eine neue, dramatische, vom gesprochenen Wort getragene musikalische Schreibweise erprobte.
Hintergrund und Kontext
1778 bewegte sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) in Mannheim in Kreisen, in denen theatrales Experiment und literarischer Anspruch ebenso wichtig waren wie virtuoses Musizieren. Am 3. Dezember 1778 schrieb er an seinen Vater Leopold, er arbeite âmeinetwegen und des Herrn von Gemmingen wegenâ am Entwurf âdes ersten Akts der Oper im deklamatorischen Stilâ und fĂŒgte hinzu: âdas Duodrama heiĂt Semiramis.â[2]
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Der von Mozart genannte âDichterâ ist Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg (1755â1836), ein Mannheimer Literat.[2] Das Vorhaben gehört in Mozarts weitere Mannheimer Zeit â eine auĂerordentlich prĂ€gende Phase, in der er die berĂŒhmte BlĂ€serfarbenpracht des Orchesters und den Geschmack der Stadt fĂŒr ausdrucksvolle, rhetorisch zugespitzte dramatische Musik in sich aufnahm. Das Köchel-Verzeichnis fĂŒhrt das Werk als authentisch, aber âverlorenâ, und datiert es auf Mannheim, November 1778.[1]
Was erhalten ist
Ein nutzbarer musikalischer Text ist nicht ĂŒberliefert: Das Werk ist als Fragment verzeichnet, die âĂberlieferungâ lautet âverlorenâ, und zur Besetzung findet sich lediglich der allgemeine Hinweis Orchester.[1] Damit besteht das greifbarste âschriftlicheâ Zeugnis in Mozarts eigener Charakterisierung seiner Methode â âdeklamatorischer Stilâ â, was nachdrĂŒcklich auf ein Verfahren nahe der Melodramatik (gesprochener Text, durch Musik geformt) oder auf eine gesteigerte, an Rezitativ-NĂ€he orientierte Vortragsweise statt einer Nummernoper hindeutet.[2]
Wissenschaftlicher Kontext
Mozarts Brief lĂ€sst erkennen, dass zumindest ein Entwurf zum ersten Akt existierte und dass er beabsichtigte, âes mitzunehmen und dann zu Hause auszuarbeitenâ â ein Plan, der, wie die Anmerkung zum Brief festhĂ€lt, nie verwirklicht wurde.[2] So bleibt ein Werk, das weniger zu Mozarts vollendeten Opern gehört als zu seinen gelegentlichen dramatischen Versuchen: ein Mannheimer Experiment im Kleinen ĂŒber Textdeklamation und theatrales Timing, unternommen in dem Moment, als er jene dramatischen Instinkte schĂ€rfte, die in seinen reifen BĂŒhnenwerken bald mit wesentlich gröĂerer dokumentarischer Klarheit hervortreten sollten.
[1] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): KV 315e âSemiramisâ â status, dating, and transmission.
[2] Mozart to Leopold Mozart, Mannheim, 3 December 1778 â mentions âSemiramis,â âduodrama,â and âdeclamatory style.â




