K. 315e

Musik zu „Semiramis“ (K. 315e)

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts Semiramis (K. 315e) ist ein verlorenes, unvollendet gebliebenes Bühnenwerk, das in zeitgenössischen Quellen als „Duodrama“ bezeichnet wird und Ende 1778 in Mannheim begonnen wurde. Auch wenn nur bruchstückhafte Hinweise überliefert sind, eröffnet das Projekt einen aufschlussreichen Blick darauf, wie der 22-jährige Komponist eine neue, dramatische, vom gesprochenen Wort getragene musikalische Schreibweise erprobte.

Hintergrund und Kontext

1778 bewegte sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Mannheim in Kreisen, in denen theatrales Experiment und literarischer Anspruch ebenso wichtig waren wie virtuoses Musizieren. Am 3. Dezember 1778 schrieb er an seinen Vater Leopold, er arbeite „meinetwegen und des Herrn von Gemmingen wegen“ am Entwurf „des ersten Akts der Oper im deklamatorischen Stil“ und fügte hinzu: „das Duodrama heißt Semiramis.“[2]

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Der von Mozart genannte „Dichter“ ist Otto Heinrich von Gemmingen-Hornberg (1755–1836), ein Mannheimer Literat.[2] Das Vorhaben gehört in Mozarts weitere Mannheimer Zeit – eine außerordentlich prägende Phase, in der er die berühmte Bläserfarbenpracht des Orchesters und den Geschmack der Stadt für ausdrucksvolle, rhetorisch zugespitzte dramatische Musik in sich aufnahm. Das Köchel-Verzeichnis führt das Werk als authentisch, aber „verloren“, und datiert es auf Mannheim, November 1778.[1]

Was erhalten ist

Ein nutzbarer musikalischer Text ist nicht überliefert: Das Werk ist als Fragment verzeichnet, die „Überlieferung“ lautet „verloren“, und zur Besetzung findet sich lediglich der allgemeine Hinweis Orchester.[1] Damit besteht das greifbarste „schriftliche“ Zeugnis in Mozarts eigener Charakterisierung seiner Methode – „deklamatorischer Stil“ –, was nachdrücklich auf ein Verfahren nahe der Melodramatik (gesprochener Text, durch Musik geformt) oder auf eine gesteigerte, an Rezitativ-Nähe orientierte Vortragsweise statt einer Nummernoper hindeutet.[2]

Wissenschaftlicher Kontext

Mozarts Brief lässt erkennen, dass zumindest ein Entwurf zum ersten Akt existierte und dass er beabsichtigte, „es mitzunehmen und dann zu Hause auszuarbeiten“ – ein Plan, der, wie die Anmerkung zum Brief festhält, nie verwirklicht wurde.[2] So bleibt ein Werk, das weniger zu Mozarts vollendeten Opern gehört als zu seinen gelegentlichen dramatischen Versuchen: ein Mannheimer Experiment im Kleinen über Textdeklamation und theatrales Timing, unternommen in dem Moment, als er jene dramatischen Instinkte schärfte, die in seinen reifen Bühnenwerken bald mit wesentlich größerer dokumentarischer Klarheit hervortreten sollten.

[1] Köchel-Verzeichnis (Mozarteum): KV 315e “Semiramis” — status, dating, and transmission.

[2] Mozart to Leopold Mozart, Mannheim, 3 December 1778 — mentions “Semiramis,” “duodrama,” and “declamatory style.”