K. 315f

Konzert fĂŒr Violine, Klavier und Orchester (Fragment) in D-Dur, K. 315f

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Konzert fĂŒr Violine, Klavier und Orchester (Fragment), K. 315f, ist ein unvollendeter concertanter Entwurf in D-Dur, der 1777/78 wĂ€hrend des Mannheimer Aufenthalts entstand, als der Komponist 21 Jahre alt war. Erhalten ist im Wesentlichen der Anfang eines geplanten ersten Satzes – genug, um zu zeigen, dass Mozart hier in Kategorien eines „Doppelkonzerts“ dachte, aber nicht genug, um ein vollstĂ€ndiges, auffĂŒhrbares Werk in seiner eigenen Handschrift darzustellen.

Hintergrund und Kontext

Mozart entwarf K. 315f wĂ€hrend seines Mannheimer Aufenthalts in den spĂ€ten 1770er Jahren – einer Zeit, in der er den berĂŒhmten Orchesterstil der Stadt in sich aufnahm: glĂ€nzende BlĂ€serbehandlung, scharf konturierte Tuttipassagen und ein theatralisches Crescendo-Empfinden – und zugleich nach Möglichkeiten als Tastenvirtuose suchte. Die Grundidee des Fragments (Violine und Tasteninstrument als Paar von Solisten) passt genau zu diesem Mannheimer Moment: Mozart traf dort auf erstklassige Orchestermusiker und auf die Mode des concertante, aus der spĂ€ter Werke wie die Sinfonia concertante in Es♭, K. 364 hervorgingen. Das Autograph wird in Paris in der BibliothĂšque nationale de France aufbewahrt – ein Hinweis darauf, dass es sich bei dem Erhaltenen um eine originale QuellenĂŒberlieferung und nicht um eine spĂ€tere Bearbeitung handelt.[1]

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Musikalischer Charakter

Überliefert ist nur ein einziger Satz – und auch dieser nur teilweise: Mozart notierte ungefĂ€hr die ersten 120 Takte dessen, was offenbar der Kopfsatz ist, wobei eine vollstĂ€ndige Ausarbeitung der Besetzung nur fĂŒr den frĂŒheren Abschnitt vorliegt (hĂ€ufig werden die ersten 74 Takte genannt).[1] Dennoch deutet das Manuskript auf einen „opulenten“ Konzertbeginn in D-Dur – feierlich und auf öffentliche Wirkung angelegt –, bevor sich die Musik einem dialogischen Solospiel zuwendet.

Die in modernen Katalogisierungen aus dem erhaltenen Material erschlossene Besetzung ist fĂŒr ein Mannheimer Werk in D bemerkenswert festlich:

  • HolzblĂ€ser: 2 Flöten, 2 Oboen
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner (in D), 2 Trompeten (in D)
  • Schlagwerk: Pauken
  • Continuo/Tastenpraxis: cembalo (wie in Quellen beschrieben, die das Fragment auffĂŒhren)
  • Streicher: ĂŒbliches Orchesterstreichensemble
  • Solisten: Violine und Klavier/Tasteninstrument[2]

Diese Kombination rĂŒckt das Fragment – zumindest klanglich – in die NĂ€he von Mozarts anderer strahlender D-Dur-Konzert-Rhetorik: Trompeten und Pauken verleihen dem Beginn einen festlichen Glanz, wĂ€hrend die gepaarten Solisten ein eher gesprĂ€chsartiges, kammermusikalisches Wechselspiel versprechen, sobald die Exposition richtig in Gang kommt. Da die Partitur abbricht, bevor spĂ€tere strukturelle Wegmarken (DurchfĂŒhrung, Reprise, Platz fĂŒr eine Kadenz) bestĂ€tigt werden können, ist es am sichersten, K. 315f als Einblick in den Plan eines ersten Satzes zu hören – nicht als vollstĂ€ndig nachzeichnbare Form.

Stellung im Werkverzeichnis

Als erhaltenes Mannheimer Konzertfragment fĂŒr Violine und Tasteninstrument steht K. 315f in einer Reihe von Mozarts Experimenten der spĂ€ten 1770er Jahre mit mehrsolistischer concertante-Schreibweise – ein explorativer Seitenweg, der zwischen den Salzburger Violinkonzerten von 1775 und dem stĂ€rker integrierten, sinfonisch-konzerthaften Denken seiner reifen Wiener Jahre vermittelt.[2]

[1] Wikipedia overview of the work: fragment status, Mannheim context, extent of surviving bars, and manuscript location (BnF).

[2] IMSLP work page summarizing the fragment (single movement), key, and commonly cited instrumentation details drawn from editions/cataloging.