Melodische Notation in F (Fragment), K. 691 (F-Dur)
de Wolfgang Amadeus Mozart

Melodische Notation in F (Fragment), K. 691, ist eine winzige erhaltene Klavierskizze in F-Dur, in Wien niedergeschrieben und gewöhnlich in die Mitte der 1780er Jahre datiert – in eine Zeit, als Mozart etwa 28 war und sich auf dem Höhepunkt seiner freiberuflichen Laufbahn als Pianist-Komponist befand [1]. Es handelt sich weniger um ein fertiges Klavierstück als um einen Arbeitsgedanken – eine Skizze, die zur Fortführung oder zur Übertragung in einen ausgearbeiteteren Entwurf gedacht war.
Was bekannt ist
Das Köchel-Verzeichnis führt die Melodische Notation in F (K. 691) als authentisches, erhaltenes, jedoch unvollendetes Werk in F-Dur, verbunden mit Mozarts Wiener Jahren [1]. Die dort angegebene Datierung (Wien, 1784–1787) deutet eher auf einen größeren Zeitraum als auf einen eindeutig gesicherten Tag hin und passt zu Mozarts außerordentlich produktiver Phase als komponierender Interpret in der Stadt [1].
Das Fragment ist mit einem erhaltenen Skizzenblatt-Komplex (Skb 1785b) verknüpft; dessen Beschreibung weist auf ein autographes Blatt mit zwei beschriebenen Seiten und mehreren kurzen, klavierbezogenen Skizzen hin [2]. Mit anderen Worten: K. 691 gehört zur praktischen, privaten Welt von Mozarts Kompositionswerkstatt – kurze melodische oder harmonische „Notizen“, rasch festgehalten, ohne jene dichteren Texturen (Bass, Begleitfiguration, formale Übergänge), die für eine Aufführung erforderlich wären.
Musikalischer Inhalt
Erhalten ist offenbar vor allem melodische Notation – ein kurzer Einfall in der Oberstimme, der zwar einen Klavierkontext nahelegt, sich jedoch nicht zu einer abgeschlossenen Miniatur ausformt (mit fest gefügtem Kadenzplan, ausgewogenen Phrasen und einer ausgearbeiteten linken Hand) [1]. Dennoch ist die Wahl von F-Dur aufschlussreich: In Mozarts Wiener Klaviersatz trägt diese Tonart häufig zu einem heiteren, offenen Klang bei und lädt zu einer klaren, sanglichen Linie ein – genau die Art „mitnehmbarer“ Themenidee, die man sich für später notiert. In diesem Sinn lässt sich K. 691 weniger als verlorenes Stück denn als ein Blick auf Mozart beim Komponieren im Eiltempo hören: Zunächst wird das melodische Profil isoliert, im Vertrauen darauf, dass sich der Rest – Begleitung, Modulationsweg, letzte Ausarbeitung – bei Bedarf später ergänzen ließe.
[1] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for KV 691 (“Melodic notation in F”, fragment): authenticity/status, key, dating window, work relations.
[2] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for Skb 1785b (“Sketch sheet 1785b”): sketch-sheet context and source description (autograph leaf).