K. 430

Lo sposo deluso (K. 430) — Mozarts unvollendetes Fragment einer Opera buffa

von Wolfgang Amadeus Mozart

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Lo sposo deluso, ossia La rivalitĂ  di tre donne per un solo amante (K. 430) ist eine unvollendete italienische komische Oper, die 1783 entstand, als Wolfgang Amadeus Mozart 27 Jahre alt war und zwischen Salzburg und Wien pendelte. Erhalten geblieben ist ein kleiner, aber Ă€ußerst lebendiger Komplex von Nummern aus dem 1. Akt – genug, um zu zeigen, wie Mozart im Ensemble bereits ausgesprochen theatralisch denkt, auch wenn er das Projekt bald wieder beiseitelegte.

Hintergrund und Kontext

1783 war Mozart nach dem Bruch mit dem Salzburger Hof in Wien gerade erst angekommen, blieb jedoch durch Familie und unerledigte Verpflichtungen weiterhin zeitweise an Salzburg gebunden. In dieser unruhigen Übergangsphase begann er Lo sposo deluso – eine opera buffa, deren vollstĂ€ndiger Titel („der betrogene BrĂ€utigam oder die RivalitĂ€t dreier Frauen um einen einzigen Liebhaber“) auf einen vertrauten komischen Motor hinweist: verfehlte Verlobungen und konkurrierendes Begehren.[1]

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FĂŒr das Werk scheint es keinen festen AuffĂŒhrungsauftrag gegeben zu haben, und die ĂŒberlieferte Musik deutet auf ein Komponieren in Etappen hin: Mozart entwarf mehrere Nummern, doch nur eine ist in seiner Handschrift vollstĂ€ndig instrumentiert erhalten.[1] Der Librettist ist nicht eindeutig gesichert (auch die Libretto-Materialien der Digital Mozart Edition spiegeln eher eine editorische Aufbereitung dessen, was sich aus der TextĂŒberlieferung rekonstruieren lĂ€sst, als eine feststehende Zuschreibung an einen Autor).[2]

Was erhalten ist

Erhalten sind nur wenige Nummern aus dem ersten Akt, die heute meist als fĂŒnf eigenstĂ€ndige StĂŒcke prĂ€sentiert werden: eine OuvertĂŒre, ein Eröffnungsquartett, zwei Arien (beide in Mozarts Instrumentation unvollstĂ€ndig) sowie ein Trio.[1] Der von der Digital Mozart Edition bewahrte Librettoauszug bestĂ€tigt mindestens zwei dieser ĂŒberlieferten Nummern und ihre Platzierung als eigenstĂ€ndige dramatische Momente – eine Arie fĂŒr Eugenia (Nr. 2) und ein Andantino-Trio (Nr. 4) fĂŒr Bocconio, Don Asdrubale und Eugenia.[2]

Musikalisch zeigt sich das Fragment am charakteristischsten in der Ensemblekunst. Das Eröffnungsquartett (oft nach seinem Refrain „Ah, ah
 che ridere!“ benannt) macht das Lachen zu einem rhythmischen, unterbrechenden Mittel – komisches Timing wird zur musikalischen Struktur, mit schnellen Wortwechseln und sich ĂŒberlagernden Reaktionen, die die kunstvolleren, gesprĂ€chsartigen Ensembles von Mozarts spĂ€teren Wiener Opern vorwegnehmen.[3]

Die beiden Arien dagegen sind in deutlich skizzenhafterem Zustand ĂŒberliefert: Mozart legte Vokallinie und Bass an, vollendete jedoch im Autograf keine vollstĂ€ndige Orchestrierung, sodass spĂ€tere Herausgeber und Arrangeure bei AuffĂŒhrungen fehlende Textur ergĂ€nzen mussten.[1]

Wissenschaftlicher Kontext

Lo sposo deluso gehört zur selben Schaffensphase wie Mozarts anderes aufgegebenes italienisches Komödienprojekt von 1783, L’oca del Cairo (K. 422), und zeigt ihn dabei, wie er erprobt, wie weit sich die Charakterzeichnung der opera buffa ĂŒber Ensembles statt ĂŒber in sich geschlossene Bravourarien vorantreiben lĂ€sst.[1] Die Rezeptionsgeschichte des Fragments zielte daher weniger darauf, „eine Oper wiederzubeleben“, als vielmehr darauf, einzelne Nummern fĂŒr den Konzertgebrauch verantwortungsvoll zu prĂ€sentieren – und wo nötig zu ergĂ€nzen. Moderne AuffĂŒhrungen stĂŒtzen sich hĂ€ufig auf editorische Rekonstruktion, um aus Mozarts partieller Instrumentation stimmige AuffĂŒhrungsmaterialien zu gewinnen, dabei jedoch zu bewahren, was das Manuskript tatsĂ€chlich ĂŒberliefert.[1]

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[1] Boston Baroque resource note summarizing the surviving numbers, their state of orchestration, and later performance history.

[2] Digital Mozart Edition (Stiftung Mozarteum Salzburg), Libretto Edition PDF for *Lo sposo deluso* KV 430 (424a), showing the sung text for surviving numbers (including No. 2 aria and No. 4 trio).

[3] Hungarian State Opera article describing the overture and quartet from *Lo sposo deluso* and characterizing the quartet’s laughter motif.