Les petits riens (K. 299b) — Mozarts Pariser Ballett-Pantomime
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Les petits riens (K. 299b; K.Anh. 10) ist Mozarts einaktige Ballett-Pantomime für die Pariser Opéra, uraufgeführt am 11. Juni 1778 während seines schwierigen, künstlerisch jedoch folgenreichen Paris-Aufenthalts. Entstanden, als er 22 war, zeigt das Werk, wie er im Kleinen theatral denkt: rasche Charakterstücke, eine sichere Hand für orchestrale Farben und ein Instinkt für Bühnen-Timing, der seine reifen Opern vorwegnimmt.
Hintergrund und Kontext
Als Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 1778 in Paris ankam, suchte er, was Salzburg ihm nicht bieten konnte: größere öffentliche Sichtbarkeit, lukrative Aufträge und (idealerweise) eine feste Anstellung. Die Reise – unternommen mit seiner Mutter Anna Maria – erwies sich emotional wie beruflich als belastend; zugleich brachte sie ihn in das Räderwerk einer der bedeutendsten europäischen Unterhaltungsmaschinen: die Pariser Opéra (Académie Royale de Musique) mit ihrem etablierten Appetit auf Ballett. In diesem Umfeld schuf Mozart das Werk, das oft als die einzige eigenständige Pantomimen-Ballettkomposition seiner Laufbahn beschrieben wird: Les petits riens (K. 299b). [1]
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Das Ballett der Spätzeit des 18. Jahrhunderts in Paris war keineswegs bloß schmückendes Zwischenspiel. Es gehörte zu einer reformerischen Strömung (vor allem mit dem Choreografen Jean-Georges Noverre verbunden), die Tanz durch Gestik und ausdrucksvolle Bewegung erzählerisch verständlich machen wollte – „Handlung“ ohne Worte. Auch moderne Rekonstruktionen von Les petits riens betonen weiterhin diese Prämisse: eine durch Pantomime erzählte Handlung, getragen von kurzen, scharf konturierten Musiknummern statt von symphonischer Weite. [2]
Diese Kombination – Pariser Bühnenpraxis, Noverres Ideale des dramatischen Tanzes und Mozarts Gabe zur Charakterzeichnung – erklärt, warum diese Partitur Aufmerksamkeit verdient. Es ist kein „großes“ Mozart-Werk im Sinne von Figaro oder den späten Symphonien; es ist etwas Selteneres: ein Blick darauf, wie Mozart für sich bewegende Körper schreibt und für eine Theaterinstitution mit Vorlieben, die sich deutlich von denen Salzburgs oder Wiens unterscheiden.
Komposition und Auftrag
Les petits riens war ein einaktiges Ballett in drei Tableaux von Jean-Georges Noverre und wurde am 11. Juni 1778 an der Pariser Opéra erstmals aufgeführt. [1] In zumindest einigen Darstellungen der ursprünglichen Präsentation diente das Ballett als Entr’acte-Material im Zusammenhang mit Niccolò Piccinnis Oper Le finte gemelle (wobei die Pariser Praxis, Oper und Tanz zu koppeln, zentral für die Identität der Opéra war). [2]
Eine weitere Komplikation – wichtig für das Verständnis von Ruf und Kataloggeschichte des Werks – besteht darin, dass die Ballettmusik bisweilen als Flickwerk diskutiert wurde, bei dem nicht jede Nummer zweifelsfrei von Mozart stammt. Erhaltene Drucke und Archivmaterialien zur Produktion von 1778 können Vermerke tragen, wonach bestimmte Tänze „nicht von Mozart“ seien – ein Hinweis darauf, dass Pariser Bühnenproduktionen häufig mehrere Hände einbezogen und praktische Austauschlösungen kannten. [3]
Dennoch behandeln Aufführungstradition und Köchel-Verzeichnis Les petits riens durchgängig unter der geläufigen Bezeichnung K. 299b (oft auch als K.Anh. 10/299b geführt), und die Verbindung des Werks zu Mozarts Pariser Zeit ist in den übergeordneten Chronologien seines Aufenthalts gut dokumentiert. [4]
Libretto und dramatische Struktur
Noverres Szenario – typisch für das Ballett-Pantomime-Genre – beruht auf einer Abfolge von Situationen statt auf ausgedehnter verbaler Argumentation. Entscheidend für Mozarts Beitrag ist die dramatische Ökonomie: Die Musik muss Stimmungswechsel verdeutlichen, Auf- und Abtritte signalisieren und eine stilisierte „Rede“ in Gesten tragen.
Genau hier kann Les petits riens erstaunlich mozartisch wirken. Selbst wenn eine Nummer nur ein oder zwei Minuten dauert, artikuliert die Musik meist einen einzelnen Affekt mit ungewöhnlicher Prägnanz: ein helles Anfangsstück, das sozialen „öffentlichen“ Raum etabliert; elegante Tänze, die Annäherung oder Spiel andeuten; und schnellere, rhythmisch zugespitzte Stücke, die das Bühnengeschehen beleben. Diese affektive Klarheit ist nicht bloße Zierde; sie ist Dramaturgie – Klang übernimmt die Arbeit, die in der Oper die Worte leisten würden.
Wenn das Ballett heute weniger bekannt ist, liegt das vielleicht daran, dass seine Erzählung nicht durch eine ikonische Arie oder ein Finale verankert wird. Doch gerade die Prämisse der Pantomime lädt zu einer anderen Art des Hörens ein: Man erlebt Mozart beim Einüben der Kunst der sofortigen Charakterisierung – eine Fähigkeit, die später in seinen Ensembles und Finali zentral wird, wo sich die Bühne im Handumdrehen wenden kann.
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Musikalische Anlage und Schlüsselnummern
In Aufführung und Einspielung begegnet man Les petits riens häufig als Suite: als Folge kurzer Nummern, die zur Auswahl, Umstellung oder zum Exzerpieren einladen – so, wie das Theater des 18. Jahrhunderts selbst mit solcher Musik umging. Moderne Ausgaben und Bibliotheksquellen präsentieren das Werk entsprechend als Set eigenständiger Sätze innerhalb des größeren Bühnenzusammenhangs. [5]
Drei Aspekte machen die Partitur innerhalb von Mozarts Œuvre (und innerhalb der Gattung der Ballett-„Nummern“) besonders.
1) Orchestrale Farbe als Charakter
Paris bot Mozart eine Orchesterpalette, die kosmopolitischer sein konnte als das, was ihm in Salzburg routinemäßig zur Verfügung stand. Selbst bei aller praktischen Variabilität wird Les petits riens gemeinhin mit einer vergleichsweise reich besetzten Bläsergruppe für Theatermusik jener Zeit verbunden (darunter paarweise Holzbläser und oft Klarinetten), was den Tänzen einen hellen, öffentlichen Glanz verleiht statt kammermusikalischer Intimität. [5]
2) Das Prinzip der „Miniaturszene“
Jede Nummer funktioniert wie eine Miniaturszene: ein einziger dramatischer Punkt, scharf gesetzt. Statt einer entwickelnden „symphonischen“ Argumentation bevorzugt Mozart Profil – eine sofort einprägsame rhythmische Idee, eine klare Phrasenstruktur und eine Kadenz, die wie eine Vorhanglinie wirkt. Das ist Bühnenhandwerk, nicht Konzert-Rhetorik.
3) Eine Brücke zwischen Serenadenstil und Oper
1778 schrieb Mozart in Paris viele Arten von Musik für die Öffentlichkeit, von Konzertwerken bis zu Gelegenheitsstücken. Les petits riens liegt in einer aufschlussreichen Zwischenzone: leichter als Oper, theatralisch zielgerichteter als ein Divertimento. Im Licht seiner späteren Bühnenwerke kann es wie eine Werkstatt für Dramaturgie wirken – wie man Aufmerksamkeit hält, während die Szenen rasch wechseln.
Uraufführung und Rezeption
Das Ballett wurde am 11. Juni 1778 an der Pariser Opéra uraufgeführt, mit Choreografie von Noverre. [1] Zu seiner Zeit gehörte es zu einem lebendigen Theaterökosystem, in dem Tanz, Oper und Spektakel eng miteinander verflochten waren; seine unmittelbare „Rezeption“ hatte daher weniger damit zu tun, dass eine Partitur für sich allein beurteilt wurde, als damit, wie wirksam sie einen Theaterabend trug.
Langfristig hat Les petits riens ein anderes Leben geführt als Mozarts kanonische Opern: Es zirkuliert in Auszügen, als Material für Orchestersuiten und als Ressource für historisch informierte Tanzrekonstruktionen. Gerade dieses Nachleben ist eine Empfehlung. Wer Mozart jenseits der vertrauten Meisterwerke kennenlernen möchte, findet in diesem Ballett etwas zugleich Bescheidenes und Anschauliches – „kleine Nichtigkeiten“, die in Mozarts Händen zu fein abgewogenen theatralen Momenten werden, und ein seltenes Dokument dafür, wie der 22-jährige Komponist die Pariser Bühnenkultur in Echtzeit verhandelte. [4]
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[1] Overview, genre, authorship, and premiere date (11 June 1778) for *Les petits riens* (K. 299b).
[2] Oxford (New College) feature on re-imagining Noverre’s *Les Petits Riens*; discusses its June 1778 Paris Opéra context and pantomime-based storytelling.
[3] Bibliothèque nationale de France / Wikimedia scan note indicating some dances in the 1778 *Les Petits Riens* materials are marked as not by Mozart (evidence of mixed/complex attribution).
[4] Mozart & Material Culture (King’s College London) page on Mozart’s Paris stay; mentions Noverre’s *Les petits riens* and its performance date at the Académie Royale de Musique.
[5] IMSLP work page for *Les petits riens*, K.Anh.10/299b, including bibliographic/edition details and commonly listed instrumentation fields.











