K. Anh.C 1.39

Kyrie in C-Dur (K. Anh.C 1.39)

de Wolfgang Amadeus Mozart

Posthumous portrait of Mozart by Barbara Krafft, 1819
Mozart, posthumous portrait by Barbara Krafft, 1819

Das Kyrie in C-Dur (K. Anh.C 1.39) ist als äußerst kurze, in sich geschlossene Vertonung des Ordinariums der Messe erhalten und liegt als Partitur auf einem einzigen Doppelblatt vor. Obwohl das Stück in älteren Katalogen lange Zeit mit Mozart in Verbindung gebracht wurde, gilt die Zuschreibung in der modernen Forschung als falsch; das Werk wird als unecht eingestuft und häufig mit Johann Ernst Eberlin (1702–1762) in Zusammenhang gebracht, einer zentralen Gestalt der Salzburger Kirchenmusik.

Hintergrund und Kontext

K. Anh.C 1.39 ist als erhalten gebliebener, „vollendeter“ Kyrie-Satz überliefert, jedoch ohne gesicherte Dokumentation zu Datum, Ort oder ursprünglichem liturgischem Anlass [1]. Der Köchel Catalogue Online führt die Authentizität als „incorrectly assigned“ und nennt Mozart nicht als Komponisten – ein wichtiger Hinweis für jeden Versuch, das Werk in Mozarts Lebens- und Schaffenszusammenhang einzuordnen [1].

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In der Salzburger Praxis waren kurze Messsätze und eigenständige Kyrie-Vertonungen Gebrauchsmusik: knapp dimensioniert, darauf angelegt, sich den Rahmenbedingungen des Gottesdienstes einzufügen und zugleich eine klare Textverständlichkeit sowie eine geordnete tonale Anlage zu bieten. Vor diesem Hintergrund hört man dieses kleine Kyrie am besten nicht als „Missing Link“ in Mozarts Entwicklung, sondern als ein kleines Beispiel aus jenem kirchenmusikalischen Milieu, in dem Mozart selbst lernte und arbeitete.

Musikalischer Charakter

Die erhaltene Quelle wird als vierstimmiges Kyrie in Partitur (Kyrie vierstimmig) beschrieben, notiert auf einem einzigen Blatt (ein Doppelblatt, auf zwei Seiten beschrieben) [1]. Diese Beschreibung weist auf einen schlichten Chorsatz (SATB) hin, wie er für praktisches Kirchenrepertoire typisch ist – Musik, die von den vorhandenen Kräften zuverlässig ausführbar sein sollte, vermutlich mit Orgel und/oder Instrumenten zur Stimmverdopplung nach örtlicher Gewohnheit (eine eigenständige Orchesterbesetzung wird im Katalogeintrag nicht angegeben) [1].

In C-Dur hätte die Tonsprache der Vertonung gut zur Salzburger Vorliebe für helle, feierlich „öffentliche“ Kirchenklänge gepasst; die aus der Länge von nur zwei Seiten abzulesende Ökonomie legt einen knappen Formplan nahe, der die Bitte „Kyrie eleison“ in Bewegung hält, statt sie zu einer konzertanten, mehrteiligen Anlage auszuweiten. Für Hörerinnen und Hörer, die mit dem Salzburger Sakralstil vertraut sind, entspricht die kompakte Vierstimmigkeit zudem dem Idiom, das Johann Ernst Eberlin gepflegt hat – ein Idiom, das Mozart früh aufnahm, auch wenn die Noten selbst nicht von Mozart sind.

[1] International Stiftung Mozarteum, Köchel Catalogue Online: work entry for KV Anh. C 1.39 (“Kyrie in C”) with authenticity status and source description.

[2] Wikipedia: Köchel catalogue table entry listing Anh.C 1.39 as “spurious (by Johann Ernst Eberlin)”.