K. 473

Mozarts »Die Zufriedenheit« (K. 473): Ein Wiener Lied von stiller Leuchtkraft

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Unfinished portrait of Mozart by Lange, 1782-83
Mozart, unfinished portrait by Joseph Lange, c. 1782–83

Mozarts Lied Die Zufriedenheit (K. 473) in B♭-Dur, datiert auf den 7. Mai 1785 in Wien, vertont ein deutsches Gedicht von Christian Felix Weiße und entwirft ein konzentriertes Bild der Zufriedenheit – weder opernhafte Schaunummer noch bloße Salon-Nebensache [1]. In der souverän geführten Singstimme und dem klaren, durchsichtigen Klaviersatz zeigt sich, wie Mozart (damals 29) ein bescheidenes strophisches Lied in etwas psychologisch Präzises und leise Unvergessliches verwandeln konnte [2].

Hintergrund und Kontext

Im Frühjahr 1785 stand Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) auf dem Höhepunkt seiner Wiener Laufbahn: als gefeierter Pianist und Komponist, der Konzerte, Kammermusik und gelegentliche Vokalstücke für das Musizieren im häuslichen Rahmen schrieb. Die Zufriedenheit (K. 473) gehört zu jenem wichtigen, doch oft übersehenen Bereich seines Schaffens – den deutschen Sololiedern mit Tasteninstrument –, Musik für die intime Aufführung, nicht für das Theater.

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Das Werk ist sicher auf den 7. Mai 1785 datiert und wird als Lied für Stimme und Clavier (Tasteninstrument) überliefert – in heutiger Praxis für Stimme und Klavier [1]. Seine relative Seltenheit im Konzertleben hängt auch mit dem Maßstab zusammen: Es ist weder eine Opernarie mit Orchester noch eine dramatische Szene, sondern ein Lied, dessen Reiz von Proportion, Diktion und klanglicher Nuancierung lebt.

Gerade deshalb verdient es Aufmerksamkeit. Mozarts Wiener Lieder zeigen ihn im Kleinen bei Fragen, die später das deutsche Kunstlied prägen sollten: wie Sprachrhythmus als Melodie Würde gewinnt, wie das Tasteninstrument Atmosphäre andeuten kann, statt nur Harmonie zu liefern, und wie eine „einfache“ strophische Anlage dennoch erzählerischen und emotionalen Verlauf tragen kann.

Text und Komposition

Mozart vertont ein Gedicht von Christian Felix Weiße (1726–1804), beginnend mit der Zeile „Wie sanft, wie ruhig fühl’ ich hier“ („How gentle, how calm I feel here“) [1]. Der Text preist die Schönheit bescheidener Freuden und inneren Friedens – ein Ideal der Aufklärung, ohne Ironie ausgesprochen, als eine Art moralisch-lyrische Vignette.

Als K. 473 katalogisiert, steht das Lied in B♭-Dur, einer Tonart, die Mozart häufig für Wärme und heitere Freundlichkeit nutzt; die dokumentierte Herkunft verankert es eindeutig in Wien (1785) [1]. Die Besetzung ist schlicht:

  • Stimme: eine Solostimme (in späteren Ausgaben in der Lage anpassbar)
  • Tasteninstrument: Klavier/Hammerklavier (ursprünglich „Clavier“)

Die Einfachheit der Mittel gehört zur Ästhetik: Das Lied wird zur Szene im Kleinen, in der der Text der Sängerin oder des Sängers im Zentrum steht, während das Tasteninstrument den Affekt rahmt.

Musikalischer Charakter

Musikalisch lässt sich Die Zufriedenheit am besten als Studie in maßvoller Leichtigkeit verstehen. Die Gesangslinie setzt auf Klarheit und Ausgewogenheit statt auf Virtuosität; sie liegt angenehm in der Stimme und formt Phrasen, die dem gesprochenen Deutsch nahe sind und doch in ihrer Symmetrie unverkennbar „mozartisch“ wirken.

Der Klavierpart ist mehr als Begleitung. Seine gleichmäßige Bewegung und die transparenten Harmonien schaffen ein klangliches Gegenstück zur ruhigen Selbstgewissheit des Gedichts – einen Hörraum, in dem Zufriedenheit nicht als überschäumendes Glück erscheint, sondern als gefestigtes Gleichmaß. Besonders aufschlussreich ist Mozarts Fähigkeit, durch kleine harmonische Wendungen (kurze Eintrübungen, sanfte Verzögerungen vor Kadenzen) anzudeuten, dass Gelassenheit gewählt und bewahrt wird – nicht einfach gegeben ist.

Innerhalb von Mozarts Liedschaffen steht Die Zufriedenheit neben bekannteren Stücken wie Das Veilchen (K. 476) und späteren Meisterwerken wie Abendempfindung (K. 523): Es konkurriert nicht durch Drama, sondern durch Konzentration. In der Aufführung hängt sein Gelingen von zurückhaltender Kunst ab – sauberer deutscher Deklamation, geschmeidigem Legato und einem Pianisten, der für die leise Rhetorik des Stücks wach ist. So gehört, wird K. 473 zu dem, was der Titel verspricht: ein knappes, überzeugendes Bild innerer Ruhe, mit den feinsten klassischen Linien gezeichnet.

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[1] IMSLP work page for Die Zufriedenheit, K. 473 (composition date 7 May 1785, Vienna; key; text incipit; poet; instrumentation).

[2] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for K. 473 (work identification, scoring and catalog context).