Der Zauberer (K. 472) â Mozarts g-Moll-Lied zwischen pseudo-feierlicher Magie und Pointe
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Der Zauberer (K. 472) ist ein knappes deutsches Lied fĂŒr Singstimme und Tasteninstrument, vollendet in Wien am 7. Mai 1785, das ein scheinbar ĂŒbersinnliches Spottgedicht in einen musikalisch fein austarierten Witz verwandelt. In g-Moll â einer von Mozarts ausdrucksstĂ€rksten Tonarten â wirkt das StĂŒck weniger âtragischâ als vielmehr theatralisch streng und bereitet so eine Pointe vor, die mit entwaffnender Treffsicherheit sitzt.
Hintergrund und Kontext
Im Wien der mittleren 1780er-Jahre lebte Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) in einem unerbittlich produktiven Rhythmus: öffentliche Konzerte, Unterricht, Komponieren und die stĂ€ndige Pflege von Gönnern sowie die Zusammenarbeit mit Musikerinnen und Musikern. Seine deutschen Lieder aus diesen Jahren stehen oft im Schatten der Opern und Klavierkonzerte â dabei zeigen sie, wie er erprobt, wie viel Charakter sich mit minimalen Mitteln vermitteln lĂ€sst.
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Der Zauberer (âThe Magicianâ) gehört genau in diese Wiener Liedpraxis: ein in sich geschlossenes StĂŒck fĂŒr Solostimme und Tasteninstrument und nicht etwa ein Auszug aus einer Oper. Das Werk ist zuverlĂ€ssig auf den 7. Mai 1785 (Wien) datiert und vertont ein Gedicht von Christian Felix WeiĂe (1726â1804) [1] [2]. Diese Datierung rĂŒckt es in dieselbe groĂe Schaffensphase wie Mozarts gewichtige instrumentale Statements von 1784â85 â und gerade der Kontrast macht das Lied hörenswert: Hier wird der Virtuose des öffentlichen Konzertbetriebs zum Miniaturisten.
Text und Komposition
WeiĂeâs Gedicht ist im Kern eine kleine komische Szene. Ein âZaubererâ wird beschworen, die Stimmung verdunkelt sich, und dann â entscheidend â wird der Spuk durch einen ganz alltĂ€glichen Eingriff beendet (die Wendung beruht auf dem plötzlichen Auftauchen der Mutter). Mozart blĂ€st die Geschichte nicht zu groĂem Drama auf; vielmehr kultiviert er eine strenge, beinahe âkorrekteâ musikalische Haltung, damit die textliche Umkehr umso schĂ€rfer trifft.
Ăberliefert ist das StĂŒck als kurzes Lied in g-Moll fĂŒr Singstimme und Klavier, und sein grundlegendes Katalogprofil (Titel, Besetzung, Tonart, Datum und Dichter) ist in den maĂgeblichen Referenzen konsistent [1] [2]. FĂŒr heutige Interpretinnen und Interpreten ist diese Klarheit wichtig: Das StĂŒck ist klein, aber es ist weder Fragment noch Bearbeitung oder opernhaftes âRestmaterialâ â es ist genau das, was es zu sein vorgibt: eine konzentrierte dramatische Momentaufnahme.
Musikalischer Charakter
Mozarts Wahl von g-Moll lenkt sofort die Aufmerksamkeit. In seinem Ćuvre signalisieren Molltonarten oft gesteigerte Rhetorik; hier jedoch ist diese gesteigerte Rhetorik Teil der Komik. Mozart schreibt in bewusst festem, regelgebundenem Ton â Musik, die klingt, als nehme sie âZaubereiâ vollkommen ernst â und lĂ€sst dann Rhythmus und melodische Setzung der Schlusszeile die Wendung als unausweichlich erscheinen.
Eine moderne Programmnotiz beschreibt das Lied treffend als âironischen Kommentarâ zum strengen Schluss des Gedichts und verweist darauf, wie Mozart die letzte Zeile so formt, dass die SchlĂŒsselphrase ĂŒber das Erscheinen der Mutter beinahe wirkt, als habe das MĂ€dchen sie âherbeigewĂŒnschtâ â musikalisches Timing als erzĂ€hlerisches Timing [3]. Diese Beobachtung hilft zu erklĂ€ren, warum Der Zauberer im klassischen Lied besondere Beachtung verdient: nicht bloĂ strophische GefĂ€lligkeit, sondern ein kurzes StĂŒck Charakterkomik, ganz ohne BĂŒhne, KostĂŒm oder Ensemble.
Zusammengefasst zeigt Der Zauberer Mozarts Wiener Liedkunst mit 29: ökonomisch, textwach und theatralisch klug. Sein besonderer Reiz liegt in der Spannung zwischen einer dunkel âernstenâ musikalischen OberflĂ€che und einer hĂ€uslichen Pointe â eine ganze Szene en miniature, von einem Komponisten, der selten einen Takt verschenkt.
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum (Köchel-Verzeichnis): work entry for K. 472 (date, scoring, key).
[2] IMSLP: Der Zauberer, K. 472 (general info incl. date 7 May 1785, Vienna; poet Christian Felix WeiĂe; key and instrumentation).
[3] Philharmonie Luxembourg PDF program book: commentary on K. 472âs irony and text-setting of the final line.









