K. 352

8 Variationen in F über „Dieu d’amour“ (Grétry), K. 352 — Glanzstück für den Wiener Salon

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Mozarts 8 Variationen in F-Dur über „Dieu d’amour“ (K. 352; auch als K⁶ 374c verzeichnet) stammen aus dem Juni 1781, kurz nach seinem entscheidenden Bruch mit Salzburg und dem Dienst beim Erzbischof [2]. Aufgebaut über einen populären Chorsatz aus André Grétrys Opéra-comique Les mariages samnites (1776 in Paris uraufgeführt), verwandelt der Zyklus modische französische Theatermusik in eine kompakte, brillante Klavierszene—halb Unterhaltung, halb Visitenkarte [5].

Hintergrund und Kontext

1781 war Mozart gerade erst in Wien angekommen, fünfundzwanzig Jahre alt, und formte rasch eine Laufbahn, die von öffentlicher Sichtbarkeit lebte: Unterricht, Publikationen und vor allem das Beeindrucken potenzieller Gönner durch seine Fähigkeiten am Tasteninstrument. In einem solchen Umfeld hatten Variationszyklen über bekannte Melodien eine klare Funktion. Sie boten dem Publikum das Vergnügen des Wiedererkennens und erlaubten dem komponierenden Virtuosen zugleich, Einfallsreichtum, Anschlag und Souveränität in zeitgenössischen Virtuosenidiomen zu demonstrieren.

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Das gewählte Thema stammt aus Grétrys Les mariages samnites, einer Opéra-comique, die nach der Pariser Premiere (12. Juni 1776) ins breitere europäische Repertoire einging [5]. Mozarts Anziehungskraft zu Melodien der französischen Bühne war in Wien nichts Ungewöhnliches—französische Theaterkultur war en vogue, und gerade Grétry wurde weithin für melodische Direktheit und dramatisches Timing bewundert. K. 352 gehört zu einer Gruppe von Mozarts Wiener Klaviervariationen des Jahres 1781, die ähnlich aktuelle Ohrwürmer in idiomatische, gut vermarktbare Klaviermusik „übersetzen“ [6].

Komposition

K. 352 ist im Köchel-Verzeichnis auf Juni 1781 datiert und mit Wien verbunden [2]. Das Werk ist ohne größere Zweifel an der Autorschaft überliefert, auch wenn (wie bei vielen gelegentlichen Klavierstücken) das Autograph nicht erhalten ist; frühe Quellen und spätere Ausgaben bewahren den Notentext [3].

Mozart bezeichnet das Stück als Variationen über den Chor „Dieu d’amour“ aus Grétrys Oper, und in der modernen Katalogisierung wird es meist als K. 352 (K⁶ 374c) geführt [1]. Mit anderen Worten: Es handelt sich nicht bloß um dekorative Umarbeitungen, sondern um eine Form musikalischen Kommentars—eine Umrahmung einer öffentlichen Theaternummer zu etwas, das für die private Aufführung am Wiener Fortepiano taugt.

Form und musikalischer Charakter

Die Anlage ist schlicht—Thema plus acht Variationen—und doch variiert Mozart die Rhetorik mit dem Instinkt eines Dramatikers. Das Thema ist ein ausgewogener, mit Wiederholungen strukturierter Abschnitt, wie geschaffen für ornamentale Auszierung und dennoch gut wiederzuerkennen; die meisten Variationen behalten die regelmäßigen Proportionen des Themas bei, wobei eine erweiterte Schlussvariation als krönender Ausklang dient [3].

Mehrere Details machen den Zyklus besonders hörenswert—gerade im Vergleich zu Mozarts bekannteren Variationswerken. Erstens behandelt Mozart das Thema als Folge von „Charakterstudien“ und nicht als einen einzigen, stetigen Schwierigkeitsanstieg. Ein markanter Wechsel in die Molltonart (Variation V in f-Moll) wirft plötzlich einen Schatten über die ansonsten heitere F-Dur-Landschaft—eine emotionale Vertiefung, die im Kleinen beinahe opernhaft wirken kann [3]. Später verlangsamt ein ausdrücklich bezeichnetes Adagio (Variation VII) die Oberfläche und lädt zu kantablem Spiel ein, als würde das Fortepiano für einen Moment nicht funkeln, sondern singen sollen [3].

Zweitens steht die Schreibweise ganz im Zeichen des frühen Wiener Klavierstils: klare Texturen, brillante Figuration und eher ein dialogischer Austausch der Hände als ein dicht „orchestraler“ Klavierklang. Auf einem Fortepiano der 1780er Jahre kann diese Musik besonders pointiert und witzig wirken—das rasche Verklingen begünstigt prägnante Artikulation, und Mozarts Passagenwerk erscheint als Rhetorik (eine Abfolge von Gesten) mehr denn als bloße athletische Zurschaustellung.

Rezeption und Nachleben

K. 352 ist nie zu einem „Greatest-Hits“-Dauerbrenner geworden wie die Variationen über „Ah, vous dirai-je, Maman“, bleibt jedoch ein aufschlussreiches Dokument von Mozarts Berufsalltag im Jahr 1781: praktisch, zeitnah am Geschmack, und mit einer Raffinesse gearbeitet, die den bescheidenen Anlass übersteigt. Moderne Ausgaben und Online-Repositorien haben dazu beigetragen, das Stück im Umlauf zu halten—eine attraktive Wahl für Pianistinnen und Pianisten, die Mozart jenseits der Sonaten suchen: Musik, die knapp, publikumsfreundlich und voller Charakter ist [1].

Im Zusammenhang gehört zeigen diese Variationen, wie Mozart zugleich zwei Fähigkeiten schärft: die Fähigkeit, populäres Material aufzunehmen und zu verwandeln, und die Fähigkeit, über die Tastatur Persönlichkeit auszustrahlen—in einer öffentlichen Stadt, in der sich Reputation aufbaute—oft—mit einer Aufführung im Salon nach der anderen.

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Noten

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[1] IMSLP work page: instrumentation, catalog numbers K. 352/K⁶ 374c, and identification of Grétry source.

[2] Wikipedia (Köchel catalogue table entry): date (June 1781), location (Vienna), and identification of K. 352 as variations on “Dieu d’amour”.

[3] French Wikipedia article on the work: theme + eight variations, minor-mode and tempo-marked variations, autograph status, and publication note.

[4] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe PDF index for Keyboard Variations): confirms presence of K. 352 in NMA Keyboard Variations volume (context for modern critical editions).

[5] French Wikipedia article on Grétry’s opera *Les mariages samnites*: premiere date (12 June 1776) and context of the chorus “Dieu d’amour”.

[6] Wikipedia list of solo piano compositions: places K. 352 among Mozart’s 1781 Viennese keyboard works and identifies it as piano variations on Grétry.