K. 33

Kyrie in F-Dur, K. 33 („Pariser Kyrie“)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts Kyrie in F-Dur (K. 33) ist eine kompakte Vertonung des Messordinariums, datiert auf den 12. Juni 1766 und in Paris geschrieben, als der Komponist erst zehn Jahre alt war. Im Umfang bescheiden und doch erstaunlich souverĂ€n, eröffnet es einen seltenen Blick darauf, wie Mozart außerhalb Salzburgs kirchenmusikalischen Stil erprobt—französische Vorlieben aufnehmend, wĂ€hrend er bereits in klaren, kraftvoll profilierten Choralabschnitten denkt.

Mozarts Leben zu dieser Zeit

Im Juni 1766 befand sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) mitten in der langen Westeuropareise der Familie Mozart, die vor allem durch öffentliche Auftritte dazu dienen sollte, die erstaunlichen Begabungen des Kindes vor den einflussreichsten Musikkreisen der Zeit zu bestĂ€tigen. Paris war dabei ein besonders strategisches Ziel: Es bot nicht nur ein reges Konzertleben und aristokratische Salons, sondern auch einen eigenen sakralen Stil (sowohl im Klangbild als auch in der rhetorischen „öffentlichen“ Geste), der sich deutlich von der Salzburger Klangwelt unterschied, die Mozart von zu Hause kannte.

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Das Kyrie in F-Dur, K. 33 gehört in diese Pariser Zeit und ist im Autograph ausdrĂŒcklich datiert: „a Paris 
 12 Juni 
 1766.“[1] Als einzelnes Kyrie und nicht als vollstĂ€ndige Messe zeigt es zudem, wie pragmatisch jugendliches Komponieren auf Reisen sein konnte: Ein in sich geschlossener Satz ließ sich leichter abschreiben, verbreiten, vorfĂŒhren und (möglicherweise) in die örtliche Liturgiepraxis einfĂŒgen als eine vollstĂ€ndige Vertonung des Ordinariums.

Komposition und Manuskript

K. 33 ist als Autographpartitur ĂŒberliefert und damit fĂŒr ein kleinformatiges geistliches Jugendwerk ungewöhnlich gut abgesichert.[1] Die wichtigsten AusfĂŒhrenden sind ein vierstimmiger Chor (SATB) mit Streichern und Continuo (Orgel), also jene kompakte „Kirchenkapelle“, wie Mozart sie in vielen katholischen Kontexten erwarten konnte.[2] Der Eintrag im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums bewahrt außerdem die spĂ€tere, explizitere Besetzungstradition, wie sie in handschriftlichen Abschriften weitergegeben wurde (unter anderem mit Viola, BĂ€ssen und Orgel neben zwei Violinen).[1]

Schon in dieser frĂŒhen Phase lassen die Quellen Werkstattpraxis in der Familie erkennen: Die Forschung weist darauf hin, dass Leopold Mozart offenbar redaktionell in das Manuskript eingegriffen hat—ein Hinweis darauf, dass die „Reisewerke“ hĂ€ufig fĂŒr eine möglichst wirkungsvolle PrĂ€sentation geglĂ€ttet wurden.[3]

Musikalischer Charakter

Obwohl K. 33 kurz ist, wirkt es keineswegs musikalisch „kindlich“. Sein Reiz liegt darin, wie entschieden Mozart den Kyrie-Text behandelt—kurze Bitten (Kyrie eleison / Christe eleison / Kyrie eleison), in klar abgegrenzten Blöcken artikuliert—und dabei VorwĂ€rtsdrang und chorische Transparenz wahrt. Die Satzweise tendiert zur homophonen Deklamation (gemeinsamer Textvortrag), belebt durch stĂ€rker kontrapunktische Momente; so hört man zugleich öffentliche Feierlichkeit und Aufblitzen gelehrter Technik—ein frĂŒher Vorausblick auf Mozarts lebenslange Leichtigkeit, zwischen „kirchlichem“ Kontrapunkt und theatralischer Unmittelbarkeit zu wechseln.

Besonders aufschlussreich ist, dass die Streicher mehr tun, als den Chor bloß zu verdoppeln: Die Instrumentalstimmen „beleuchten“ einzelne Vokalregister und schaffen innerhalb eines kleinen Ensembles eine beinahe koloristische Hierarchie. Zeitgenössische Kommentierungen haben etwa darauf hingewiesen, wie die oberen Streicher Innenstimmen so verstĂ€rken können, dass sich die Harmonik schĂ€rfer abzeichnet und die Chortextur eindringlicher spricht.[3]

Warum verdient dieses kleine Pariser Kyrie Aufmerksamkeit? Gerade weil es an einem Kreuzungspunkt steht. Es ist ein frĂŒher geistlicher Satz, fern von Salzburg geschrieben, zeigt aber bereits Mozarts Instinkt fĂŒr rhetorische Disposition und dafĂŒr, dass Kontrapunkt dem Ausdruck dient statt der bloßen Schaustellung. Neben der ersten vollstĂ€ndigen Messe, die ein paar Jahre spĂ€ter folgte (Messe in G-Dur, K. 49), wirkt K. 33 wie eine konzentrierte Studie: keine große liturgische Aussage, sondern eine knappe, handwerklich sichere musikalische Visitenkarte—die den zehnjĂ€hrigen Komponisten zeigt, wie er lokale Stile erlernt und dabei still seine eigenen erweitert.[4]

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Noten

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[1] Mozarteum Köchel-Verzeichnis entry for KV 33, including autograph dating and source listings.

[2] IMSLP work page for Kyrie in F major, K. 33: instrumentation categories and score access.

[3] Wikipedia overview for Kyrie in F major, K. 33: date, Paris context, and notes on scoring/Leopold’s edits (used cautiously as a secondary summary).

[4] Wikipedia overview for Mass in G major, K. 49: contextual note that K. 33 predates Mozart’s first complete Mass setting.