K. 32

Gallimathias musicum (Quodlibet) in D-Dur, K. 32

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts Gallimathias musicum (Quodlibet) in D-Dur, K. 32, entstand Anfang MĂ€rz 1766 in Den Haag, als er erst zehn Jahre alt war [1]. FĂŒr die Festlichkeiten rund um die Einsetzung des Prinzen Wilhelm V. von Oranien geschrieben, ist es ein heiteres, kaleidoskopisches „musikalisches Sammelsurium“, dessen rasant wechselnde Abschnitte bereits zeigen, wie Mozart das Orchester als BĂŒhne fĂŒr Charakter und Überraschung behandelt [2].

Mozarts Leben zu jener Zeit

1766 nĂ€herte sich die Familie Mozart dem Ende ihrer langen „Grand Tour“ durch Westeuropa (1763–66), einer Reise, die das Wunderkind schon lange, bevor es ein reifer Komponist wurde, zu einer internationalen Attraktion gemacht hatte [3]. Ihr Aufenthalt in den Niederlanden (September 1765–April 1766) wurde gleichermaßen von den Erwartungen des Hofes in Den Haag geprĂ€gt — und von Krankheit: Sowohl Maria Anna („Nannerl“) als auch Wolfgang litten unter schweren AnfĂ€llen, die die KonzertplĂ€ne durchkreuzten [2].

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Vor diesem Hintergrund gehört Gallimathias musicum zu einer kleinen Gruppe von Gelegenheitswerken im Zusammenhang mit der Einsetzung Wilhelms V. als erblichen Statthalter (8. MĂ€rz 1766). Mozart komponierte es zu Ehren dieses Ereignisses, neben weiteren festlichen StĂŒcken aus derselben Zeit [2]. Schon die Idee eines Quodlibets — einer geistreichen Folge, die gegensĂ€tzliche Melodien nebeneinanderstellt — passte zur höfischen Feier: Sie konnte glĂ€nzend, aktuell und unmittelbar fesselnd sein.

Komposition und Manuskript

Das Köchel-Verzeichnis der Internationalen Stiftung Mozarteum fĂŒhrt Gallimathias musicum als Quodlibet „fĂŒr Orchester“ in D-Dur, komponiert in Den Haag im MĂ€rz 1766 [1]. Derselbe Eintrag bewahrt zudem eine wichtige frĂŒhe Beschreibung der Besetzung: Er nennt Streicher und BlĂ€ser und deutet auf ein praktisches, flexibles Ensemble hin, das eher fĂŒr die HofauffĂŒhrung taugt als fĂŒr einen fest umrissenen symphonischen „Standard“ [1].

Auch die textliche und editorische Überlieferung ist fĂŒr ein Jugendwerk ungewöhnlich solide: Das StĂŒck erscheint in der Neuen Mozart-Ausgabe (NMA) innerhalb des Repertoires der Orchester-Serenaden und Divertimenti — ein Hinweis darauf, dass es seit Langem als zuverlĂ€ssig ĂŒberliefert und musikalisch gehaltvoll gilt, nicht bloß als Kuriosum [1].

Musikalischer Charakter

Zielen Serenaden und Divertimenti oft auf eine einheitliche, gefĂ€llige OberflĂ€che, so erfreut sich Gallimathias musicum an DiskontinuitĂ€t. Es ist gewissermaßen eine Folge rasch wechselnder „Nummern“, deren Witz im Kontrast liegt: Wechsel von Tempo, Affekt und sogar Tonartenbereich treten mit theatralischer Plötzlichkeit ein. Das ist ein Grund, warum das StĂŒck innerhalb von Mozarts frĂŒhem Orchesterschaffen Aufmerksamkeit verdient: Es zeigt einen zehnjĂ€hrigen Komponisten, der bereits in Szenen denkt — ein kompositorischer Instinkt, der spĂ€ter in den Opern aufblĂŒhen sollte.

Eine typische Besetzung umfasst Oboen, Hörner, Fagott (oft zur VerstĂ€rkung der Basslinie), Cembalo und Streicher — ein Ensemble, das schnell von lĂ€ndlicher WĂ€rme zu strahlender zeremonieller Brillanz umschlagen kann [4]. Die moderne Referenztradition betont zudem die mehrteilige Anlage des Werks (bei AuffĂŒhrungen hĂ€ufig als 17 kurze SĂ€tze angegeben), einschließlich einer Cembalo-Solo-Episode und einer abschließenden Fuge — ein Ende, das das „Potpourri“ mit gelehrtem Kontrapunkt krönt, als wollte der Komponist im Kindesalter zeigen, dass er zugleich komisch und korrekt sein kann [4].

Heutigen Hörern erschließt sich K. 32 am besten nicht als „frĂŒhe Sinfonie“, sondern als festliches Kabinett orchestraler Miniaturen: eine höfische Unterhaltung, deren Grundidee — Vielfalt, Collage, Überraschung — Mozarts lebenslange Gabe vorwegnimmt, disparate musikalische Welten in einem einzigen, ĂŒberzeugenden Bogen zusammenzufĂŒhren.

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Noten

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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis entry for KV 32 (genre, date/place, NMA linkage, scoring note).

[2] Mozart: New Documents (Edge/Steyaert), contextual document on William V’s installation and works composed for the event (mentions K. 32).

[3] Reference overview of the Mozart family grand tour, including the Netherlands period and the March 1766 concert context.

[4] Work overview with commonly cited instrumentation and multi-movement structure for *Gallimathias musicum*, K. 32.