K. 27

Violinsonate Nr. 12 in G-Dur (K. 27)

av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart family portrait by Carmontelle, 1764
The Mozart family in Paris, 1763–64 (Carmontelle)

Mozarts Violinsonate Nr. 12 in G-Dur (K. 27) entstand im Februar 1766 in Den Haag, als der Komponist erst zehn Jahre alt war.[1] Als Klaviersonate mit fakultativer Violinenbegleitung angelegt, zeigt sie exemplarisch, wie das „Wunderkind“ sofort gebrauchsfĂ€hige Musik fĂŒr Reisen, höfische AnlĂ€sse und das Musizieren im Haus schrieb – und dabei bereits das Ausdruckspotenzial eines zweisĂ€tzigen Entwurfs erprobte.[2]

Mozarts Lebenssituation zu dieser Zeit

Anfang 1766 befand sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in den Niederlanden als Teil der ausgedehnten Europa-Reise der Familie (1763–1766) – ein fordernder Parcours aus Auftritten, Kontaktpflege und Publikationschancen.[2] Gerade Den Haag erwies sich als ungewöhnlich fruchtbar: Der junge Mozart schrieb KlavierstĂŒcke, Variationen ĂŒber niederlĂ€ndische patriotische Melodien und – auf örtlichen Wunsch – eine kompakte Gruppe von sechs „Sonaten fĂŒrs Cembalo mit Violinenbegleitung“, K. 26–31, spĂ€ter als Op. 4 herausgegeben.[2]

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K. 27 ist die zweite Sonate dieser Haager Gruppe (in der langen Reihe der frĂŒhen Klavier-und-Violin-Sonaten Mozarts oft als „Nr. 12“ gezĂ€hlt).[3]) Diese StĂŒcke fĂŒhren heutigen Hörerinnen und Hörern vor Augen, dass das Genre in den 1760er-Jahren hĂ€ufig noch vom Tasteninstrument her gedacht wurde: Die Violine bereichert, verdoppelt, antwortet und verziert – doch das musikalische Argument trĂ€gt vor allem das Klavier.[2]

Entstehung und Manuskript

Das Köchelverzeichnis datiert die Violinsonate Nr. 12 in G (K. 27) auf Februar 1766 und verortet sie in Den Haag.[1] Das Vorwort der Neuen Mozart-Ausgabe bewahrt den greifbarsten Kontext: Leopold Mozart berichtete in einem Brief vom 16. Mai 1766, man habe in Den Haag „unsern kleinen Componisten gebeten 6 Sonaten fĂŒr das Clavier mit Violinenbegleitung“ fĂŒr Prinzessin Caroline von Nassau-Weilburg zu schreiben, und der Zyklus sei „gleich gestochen worden“.[2]

Den Druck ĂŒbernahmen die BrĂŒder Hummel (Burchard in Den Haag; Johann Julius in Amsterdam), die auch einige von Mozarts niederlĂ€ndischen Variationen herausgaben; MozartDocuments fasst dieses Verlagsnetzwerk zusammen und verweist auf die Widmung von K. 26–31 an Prinzessin Caroline.[4] So entsteht Musik an der Schnittstelle von höfischem Geschenk, kommerziellem Notendruck und praktischem Repertoire fĂŒr die Auftritte der Mozarts selbst.

FĂŒr heutige Interpretinnen und Interpreten ist die Überlieferung von K. 27 nicht ganz so „unkompliziert“. Henles editorische Anmerkung zu K. 26–31 erlĂ€utert, dass sich die Neue Mozart-Ausgabe mit einer frĂŒhen Abschrift auseinandersetzen musste, die „nicht mit Mozart zusammenhĂ€ngt“ und deren ZusĂ€tze irrefĂŒhren könnten; das ist kein Skandal, sondern eine Erinnerung daran, dass selbst bescheidene Jugendwerke in den Quellen textuelle StörgerĂ€usche ansammeln können.[5]

Musikalischer Charakter

K. 27 ist eine knappe, zweisĂ€tzige Sonate – Adagio poco andante gefolgt von Allegro –, ein Plan, der sowohl in modernen Referenzbeschreibungen als auch in den ĂŒblichen Auflistungen der Haager Gruppe bestĂ€tigt wird.[3]) Auch die Besetzung entspricht der Praxis der Mitte des 18. Jahrhunderts: ein Tasteninstrument (Cembalo, heute oft Fortepiano/Klavier) mit einer Violine, die zwar wirklich prĂ€sent ist, aber als Begleitung und nicht als gleichberechtigter Protagonist gedacht ist.[2]

Gerade daran ist dieses kleine Werk so beachtenswert: Es zeigt mit großer Klarheit, wie der kindliche Komponist eine öffentliche Musiksprache erlernt. Der Kopfsatz ist nicht bloß „langsame Musik“, die man vor etwas Schnelleres klebt; er schult das Ohr auf kantable LinienfĂŒhrung und ausgewogene Phrasenbildung – ein frĂŒher Hinweis auf Mozarts lebenslangen Instinkt fĂŒr cantabile Schreibweise, selbst in instrumentalen Texturen. Das Allegro wendet sich anschließend einer hellen, rhetorischen Deutlichkeit zu: kurze Motive, saubere kadenzielle Gliederung und eine Klavierfiguration, die unter den HĂ€nden versierter Liebhaberinnen und Liebhaber geschmeidig klingen soll.

Neben Mozarts spĂ€teren, wirklich dialogisch angelegten Violinsonaten der Wiener Jahre gehört K. 27 am besten als Momentaufnahme eines frĂŒheren GattungsverstĂ€ndnisses gehört – und als Zeugnis eines ZehnjĂ€hrigen, der bereits in druck- und auffĂŒhrbaren Formen denkt. Ihre bescheidene Dimension ist Teil ihres Reizes: K. 27 eröffnet einen unmittelbaren Blick auf die alltĂ€gliche Musizierökonomie der Grand Tour, in der Eleganz, Unmittelbarkeit und PraktikabilitĂ€t keine ZugestĂ€ndnisse, sondern der eigentliche Zweck waren.

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[1] Köchel catalogue entry list: K. 27—date (February 1766), place (The Hague), identification as Violin Sonata No. 12 in G.

[2] New Mozart Edition (NMA), VIII/23/1: editorial foreword and contextual documentation for the sonatas for keyboard with violin accompaniment (K. 26–31), including Leopold Mozart’s 16 May 1766 letter and publication details.

[3] Wikipedia overview page for Violin Sonatas K. 26–31: confirms Hague origin, dedication context, and movement list for K. 27 (Adagio poco andante; Allegro).

[4] MozartDocuments.org: background on the Hummel publishers in The Hague/Amsterdam and their publication of Mozart’s K. 26–31 sonatas dedicated to Princess Carolina of Nassau-Weilburg.

[5] G. Henle Verlag page for “Wunderkind”-Sonaten, K. 26–31: editorial note about sources (including an early copy unrelated to Mozart) and its impact on text-critical decisions.