Violinsonate Nr. 11 in Es-Dur (K. 26)
von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Violinsonate Nr. 11 in Es-Dur (K. 26) stammt aus dem Jahr 1766, als sich der zehnjährige Komponist während der europäischen „Grand Tour“ der Familie in Den Haag aufhielt. Obwohl es im Kern um eine Klaviersonate mit fakultativer Violinstimme handelt, bietet das Werk eine anschauliche Momentaufnahme davon, wie Mozart den modischen galanten Stil früh verinnerlichte – und wie rasch er Reise, Mäzenatentum und Aufführungspraxis in druckreife Musik verwandeln konnte.
Mozarts Lebensumstände zur Entstehungszeit
Im Jahr 1766 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) zehn Jahre alt und stand kurz vor dem Abschluss der langen europäischen „Grand Tour“, die er mit seiner Familie unternommen hatte (1763–1766). Den Haag, wo K. 26 entstand, war eine der wichtigsten Stationen der Reise in den Niederlanden; die Stadt bot sowohl höfische Sichtbarkeit als auch einen Markt für gedruckte Musik, und die Route der Mozarts durch die Niederlande fiel mit dem Bestreben zusammen, den Ruf des Wunderkindes durch Kompositionen zu festigen, die sich für das Musizieren im häuslichen Rahmen eigneten.1
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K. 26 gehört zu einer Den-Haag-Gruppe von sechs „Sonaten für Tasteninstrument mit Violinenbegleitung“ (K. 26–31). Anders gesagt, ist die Rollenverteilung historisch umgekehrt zu dem, was die moderne Konzertpraxis bisweilen voraussetzt: Diese Stücke sind primär als Tastenwerke gedacht – brillant, kantabel und unmittelbar erfassbar –, zu denen eine Violine zur Klangfarbe, zur Verstärkung und zum Dialog hinzugefügt werden kann.12
Komposition und Manuskript
Die Sonate in Es-Dur, K. 26 wurde Anfang 1766 in Den Haag geschrieben und steht am Anfang der Sammlung K. 26–31.1 Moderne wissenschaftliche Ausgaben führen diese Werke unter der Rubrik „Sonaten und Variationen für Tasteninstrument & Violine“, was ihre Identität im 18. Jahrhundert widerspiegelt: als Tastenmusik, die einen Violinenpartner zulassen kann, ihn aber nicht zwingend voraussetzt.3 Die Partitur ist heute über maßgebliche kritische und praktische Ausgaben weithin zugänglich; außerdem findet sie sich in dem Band der Neuen Mozart-Ausgabe (New Mozart Edition), der diesen frühen Sonaten für Tasteninstrument und Violine gewidmet ist.4
Dass K. 26 nicht „berühmt“ ist, hängt auch damit zusammen, dass es gar nicht den Anspruch erhebt, ein spätklassisches kammermusikalisches Monument zu sein; es ist ein Jugendwerk, gedacht für die Salons und Musikzimmer, denen die Mozarts auf der Reise begegneten. Nimmt man es jedoch nach seinen eigenen Maßstäben, ist es ein wertvolles Dokument dafür, wie Mozart lernte, für reale Spieler, reale Räume und reale Mäzene zu schreiben – schnell, klar und mit Charme.
Musikalischer Charakter
K. 26 ist in drei knappen Sätzen angelegt (eine für viele Tasteninstrumentsonaten der Jahrhundertmitte typische Disposition); das Tasteninstrument trägt die wesentliche thematische und harmonische Argumentation, während die Violine meist begleitend oder als leichter Partner fungiert, nicht als durchgehend eigenständiger Protagonist.12
Gerade diese frühe Meisterschaft macht die Sonate hörenswert: Mozarts Instinkt für ausgewogene Phrasen, sein Gespür für „konversationelle“ Kadenzen und seine Fähigkeit, Kontraste ohne schweres kontrapunktisches Gerät zu erzeugen. Es-Dur – in seiner späteren Musik oft mit Wärme und einer Art zeremonieller Ungezwungenheit verbunden – erweist sich hier bereits als eine ihm liegende „öffentliche“ Tonart, die extrovertierte Eröffnungsgesten ebenso trägt wie eine anmutige Lyrik in der langsameren Strecke. Für Ausführende und Hörende macht K. 26 zudem einen größeren historischen Befund anschaulich: In den 1760er-Jahren konnte „Violinsonate“ noch immer zuerst eine Klaviersonate bedeuten, der eine Violine hinzugefügt wird – eine Gattungskonvention, die Mozart später hinter sich ließ, als er sich in seinen reifen Sonaten für Violine und Klavier einer wirklich zweistimmigen kammermusikalischen Dialogform zuwandte.2
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[1] Wikipedia overview of the set K. 26–31, including The Hague (1766) context and movement listing for K. 26.
[2] G. Henle Verlag edition page for the “Wunderkind” sonatas K. 26–31, describing them as keyboard sonatas that may have violin accompaniment and situating them in The Hague.
[3] Neue Mozart-Ausgabe (NMA) editorial preface (English) for “Sonatas and Variations for Keyboard & Violin,” giving the scholarly framing of the repertory that includes K. 26–31.
[4] IMSLP work page for “Violin Sonata in E-flat major, K.26,” including composition year and references to the NMA volume/pages.








