K. 253

Divertimento Nr. 13 in F-Dur (K. 253)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Divertimento Nr. 13 in F-Dur (K. 253) entstand im August 1776 in Salzburg, als er 20 Jahre alt war, für ein kompakt besetztes Bläserensemble aus Oboen, Hörnern und Fagotten. Obwohl es für gesellige Unterhaltung gedacht ist, zählt es zu den einfallsreichsten frühen Bläserwerken Mozarts – besonders durch den eröffnenden Variationssatz, der jedes Instrumentenpaar wie eine eigene „Figur“ im Dialog behandelt.

Hintergrund und Kontext

In Mozarts Salzburger Jahren waren Divertimento und Serenade weniger „kleine“ als vielmehr praktische Gattungen: Musik für gesellschaftliche Anlässe, oft im Freien, und zugeschnitten auf die Musiker, die am Hof und in der Stadt verfügbar waren. K. 253 gehört zu einer eng zusammenhängenden Gruppe von fünf Salzburger Bläserdivertimenti für sechs Instrumente (zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Fagotte), komponiert zwischen 1775 und 1777 (K. 213, 240, 252/240a, 253, 270) [2]. In diesen Werken erkundet Mozart eine Klanglichkeit, die sich deutlich von Streichern unterscheidet: das rohrblatt-helle Leuchten der Oboen, die runde Resonanz der Naturhörner und Fagotte, die sowohl tragen als auch „singen“ können.

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Diese Besetzung für „sechs Bläser“ ist für Mozarts Entwicklung besonders aufschlussreich. Sie steht zwischen den früheren, experimentelleren Divertimenti für zehn Bläser (K. 166/159d und K. 186/159b) und den späteren, großformatigen Wiener Bläserserenaden (Gran Partita, K. 361/370a; K. 375; K. 388/384a) [2]. So entsteht Musik, die im Moment noch unmittelbar gefallen soll, aber bereits Mozarts wachsende Faszination für selbstständige Stimmen erkennen lässt – und dafür, auch „zweitrangigen“ Instrumenten wirklich solistische Aufgaben zu geben.

Gerade K. 253 verdient Aufmerksamkeit, weil es das Klischee unterläuft, Divertimenti seien bloß beiläufige „Tafelmusik“. Die Neue Mozart-Ausgabe (wie in moderner Referenzliteratur zusammengefasst) hat betont, dass diese Sextette in Aufführung wie in der Literatur oft unterschätzt wurden – trotz ihrer Erfindungskraft innerhalb der technischen Grenzen der Blasinstrumente der 1770er Jahre [2].

Entstehung und Uraufführung

Mozart komponierte K. 253 im August 1776 in Salzburg [2]. Das Autograph wird heute in der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau aufbewahrt, einem wichtigen Aufbewahrungsort für mehrere Mozart-Autographe aus der Salzburger Zeit [2].

Eine gesichert dokumentierte Erstaufführung von K. 253 wird in gängigen Referenzdarstellungen in der Regel nicht genannt; solche Werke wurden typischerweise von verfügbaren Hof- und Stadtbläsern bei Festlichkeiten, Diners oder Zusammenkünften im Freien gespielt. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass Mozart es für einen sehr spezifischen Aufführungskontext schrieb: ein kleines, ausgewogenes Bläserensemble, in dem jedes Paar (Oboen, Hörner, Fagotte) zwischen Begleitung und Rampenlicht wechseln kann.

Besetzung

K. 253 ist für ein sechsstimmiges Bläserensemble (oft als Bläsersextett bezeichnet) geschrieben:

  • Holzbläser: 2 Oboen, 2 Fagotte
  • Blechbläser: 2 Naturhörner (in F)

Diese Besetzung entspricht den modernen Katalogbeschreibungen der „Divertimenti für sechs Bläser“ als Werkgruppe [2] und ist auch anhand der überlieferten Stimmen sowie moderner Ausgaben ersichtlich, die über gemeinfreie Notenbibliotheken zugänglich sind [1].

Auffällig an dieser Salzburger Bläserschreibweise ist die vergleichsweise aktive Rolle der Fagotte. Statt nur als verdoppelte Basslinie zu funktionieren, beteiligen sie sich häufig am melodischen Austausch – ein Ansatz, der innerhalb der Gruppe zunehmend charakteristisch wird, je sicherer Mozart im Umgang mit Bläserfarben und Balance wird [2].

Form und musikalischer Charakter

K. 253 ist selbst nach Divertimento-Maßstäben ungewöhnlich knapp: Es umfasst drei Sätze und beginnt nicht mit einem strahlenden Allegro, sondern mit einem Thema und Variationen [2]. Diese Entscheidung ist bereits ein kleines Manifest: Das Vergnügen liegt hier weniger in „feierlicher Eröffnungspracht“ als darin, Verwandlungen von Timbre und Textur zu hören.

I. Thema mit 6 Variationen (Andante–Adagio–Allegretto)

Der erste Satz stellt ein synkopiertes Andante-Thema vor und entfaltet anschließend sechs Variationen, die in einer Wiederkehr des Themas in schnellerem Allegretto-Tempo gipfeln [2]. Der Reiz liegt nicht in Virtuosität um ihrer selbst willen, sondern darin, wie Mozart die Aufmerksamkeit zwischen den Instrumentenpaaren rotieren lässt. Referenzbeschreibungen des Satzes weisen darauf hin, dass Mozart allen drei Paaren solistische Aufgaben zuweist – einschließlich der Hörner, die in diesem Repertoire häufig eher als harmonische Klangfarbe denn als bewegliche melodische Protagonisten behandelt werden [2].

Auch ohne eine vollständige Takt-für-Takt-Analyse lässt sich der Satz als Studie einer „Bläserkonversation“ hören: Die Oboen können in der Höhe glitzern, die Fagotte mit überraschend vokalen Linien antworten, und die Hörner – durch die Naturtonreihe begrenzt – steuern dennoch ein unverwechselbares, „freiluftiges“ Leuchten bei, das die emotionale Temperatur verändert, sobald sie in den Vordergrund treten.

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II. Menuetto – Trio

Das Menuetto verankert das Divertimento im Stil des Gesellschaftstanzes, während das Trio einen Kontrast in Affekt und Farbe bietet [2]. In der Aufführung macht dieser Satz oft die Probleme und Freuden des Mischklangs besonders hörbar: Oboen können leicht dominieren, wenn nicht sorgfältig ausbalanciert wird; zugleich fördert Mozarts Satztechnik immer wieder Gleichberechtigung, indem Motive durch das Sextett wandern, statt die Mittelstimmen unbeteiligt zu lassen.

III. Allegro assai

Das Finale, ein Allegro assai, kehrt zu einer eher öffentlichen, nach außen gerichteten Energie zurück. Zeitgenössische Referenzkommentare beschreiben es im Umriss als dreiteilig, mit einem kühnen Unisono-Beginn und einem Schluss mit Coda [2]. Der Unisono-Auftakt ist für ein Bläsersextett eine besonders aussagekräftige Geste: Er verschmilzt sechs unterschiedliche Klangfarben zu einem einzigen „Band“-Klang, bevor sich die Linien wieder in jenes schnelle, reaktionsfreudige Wechselspiel auffächern, das das Kennzeichen dieser Salzburger Divertimenti ist.

Rezeption und Nachwirkung

K. 253 nimmt innerhalb von Mozarts Bläserœuvre eine bemerkenswerte Stellung ein. Es ist nicht so berühmt wie die späteren Wiener Serenaden und besitzt nicht jene große, quasi-sinfonische Anlage, die häufig die Konzertprogrammierung bestimmt. Doch gerade weil es klein dimensioniert ist, zeigt es mit ungewöhnlicher Klarheit, wie Mozart bläserisch denkt: was Naturhörner können und was nicht; wie Fagotte zu melodischen Partnern statt bloßer Stütze werden; und wie formales Interesse ebenso aus klanglicher Variation wie aus harmonischem Wagemut entstehen kann.

Die wissenschaftliche und editorische Diskussion um die Divertimenti für sechs Bläser hat ihre Unterschätzung in Literatur und Konzertleben immer wieder hervorgehoben – trotz der kompositorischen Raffinesse, die Mozart mit bescheidenen Mitteln erreicht [2]. Für heutige Hörer kann K. 253 ein idealer Einstieg in diese Welt sein: kurz genug, um es in einem Sitz zu erfassen, unverwechselbar durch den variationsgeführten Beginn und reich an spezifisch bläserischen Freuden – Rohrblattfarben, Resonanz und Freiluftglanz –, die Mozart später in großem Maßstab ausweiten sollte.

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[1] IMSLP: Divertimento No. 13 in F major, K. 253 — score/parts information and editions

[2] Wikipedia: Divertimenti for six winds (Mozart) — set context, dating, movements for K. 253, autograph location, and discussion of undervaluation