Klavierkonzert Nr. 6 in B-Dur
ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Hintergrund und Entstehung
Wolfgang Amadeus Mozart komponierte sein Klavierkonzert Nr. 6 in B‑Dur, KV 238, im Januar 1776, als er in Salzburg lebte[1]. Zu dieser Zeit hatte der 20‑jährige Mozart gerade Jahre des Reisens durch Europa als Wunderkind hinter sich und bekleidete eine Anstellung als Konzertmeister und Hoforganist des Fürsterzbischofs von Salzburg[2]. Kulturell arbeitete er in der Epoche der Klassik, einer Zeit, die von Ideen der Aufklärung und einer Musikästhetik geprägt war, die Eleganz und Klarheit bevorzugte – oft als galanter Stil bezeichnet, der einfache, liedhafte Melodien, lichte Texturen und unmittelbare Publikumsansprache betonte[3][4]. Mozarts sechstes Konzert entstand in diesem galanten Geist, ebenso wie zwei weitere Konzerte für Tasteninstrumente (KV 242 und KV 246), die er in den folgenden drei Monaten schrieb[1].
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In Mozarts persönlichem Leben war 1776 eine Phase relativer Routine im höfischen Milieu Salzburgs. Er trat häufig bei Hofkonzerten und in lokalen Salons auf und lieferte neue Werke zur Unterhaltung des Adels[5]. Das B‑Dur‑Konzert war wohl für solche Anlässe bestimmt – ein anmutiges Mittel, um den jungen Komponisten (und andere talentierte Spieler) während der festlichen Faschingszeit 1776 zur Geltung zu bringen[5]. Tatsächlich brachte Mozart das Stück in jenem Jahr bei den Faschingskonzerten selbst als Solist zur Uraufführung[5]. Bemerkenswerterweise deuten überlieferte Berichte darauf hin, dass das Konzert zunächst gar nicht auf einem modernen Klavier gespielt wurde, sondern auf einem Cembalo. Im Salzburg des Jahres 1776 standen dem Vernehmen nach keine Fortepianos zur Verfügung, sodass Mozart und seine Schwester Nannerl frühe Aufführungen auf dem Cembalo gegeben haben dürften[6]. Mozart bezeichnete die Partitur sogar als “Concerto di cembalo” („Konzert für Cembalo“) im Manuskript[7].
Dieses Konzert entstand in einer Phase, in der Mozart sein Können in diesem Genre verfeinerte. Es folgt dem Vorbild seines früheren Klavierkonzerts Nr. 5 in D‑Dur (KV 175) mit einem strahlenden Sonatenform ersten Satz und einem lebhaften Rondo als Finale[8]. Auch wenn es nicht in tiefes Drama eintaucht, deuten der geschliffene Charme und die Einfallsfreude des Werks auf Mozarts künftige Meisterwerke voraus[9]. Der junge Komponist war auf KV 238 so stolz, dass er es 1777–78 auf seinen Reisen mitführte: 1777 spielte er es in München und Augsburg und brachte es seiner jugendlichen Schülerin Rosa Cannabich bei, die es am 13. Februar 1778 in einem Mannheimer Konzert aufführte[10]. Diese Aufführungen zeigen, dass das Konzert als elegante Unterhaltung gut ankam – geeignet sowohl für Mozarts eigene Virtuosität als auch für die Fähigkeiten begabter Amateure.
Besetzung und Besonderheiten
Mozart besetzte das Konzert für ein solistisches Tasteninstrument (ursprünglich Cembalo, heute jedoch oft auf dem Klavier gespielt) und ein klein besetztes Orchester aus zwei Oboen, zwei Hörnern und Streichern[11]. Im langsamen Satz tauscht Mozart die Oboen gegen zwei Flöten, was diesem zarten Satz einen weicheren, süßeren Klang verleiht[12]. Abgesehen von diesem Tausch gibt es keine Klarinetten, Trompeten oder Pauken – das Orchester bleibt leicht und kammermusikalisch, der intimen Anlage des Werks entsprechend. Die Gesamttextur ist leicht und transparent, charakteristisch für Mozarts frühen Konzertstil[11].
Trotz der kleinen Besetzung setzt Mozart einige interessante instrumentale Akzente. Gleich zu Beginn machen die Hörner mit lebhaften Passagen auf sich aufmerksam und steuern Wärme und spielerische Energie bei – ein Merkmal, das im Finale wiederkehrt[9]. Berühmt ist auch Mozarts Bemerkung (im Alter von acht Jahren, als er seine erste Sinfonie schrieb), man solle „den Hörnern etwas Sinnvolles zu tun geben“, und in diesem Konzert gibt er den Hornisten tatsächlich Momente zum Glänzen[13][14]. Der langsame Satz hingegen lässt die Flöten in lyrischen Phrasen über gedämpften Streichern seufzen und schafft so einen zarten Dialog, der den innigen Charakter der Musik hervorhebt[9]. Im gesamten Konzert ergänzt das begleitende Orchester den Solisten mit eleganter Zurückhaltung und übertönt das Tasteninstrument nie. Dieses Gleichgewicht zwischen Klavier und Orchester – ein Kennzeichen von Mozarts Konzerten – zeigt sich bereits in diesem frühen Werk, mit klaren Unterschieden zwischen Solo und Begleitung, wie sie für den galanten Stil typisch sind[4].
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Form und musikalischer Charakter
Das Konzert ist in drei Sätze gegliedert, jeder mit eigener Stimmung und eigenem Stil[15]:
- I. Allegro aperto (B‑Dur) – Der erste Satz steht in raschem Tempo und in Sonatenform, bezeichnet als Allegro aperto, ein ungewöhnlicher Ausdruck mit der Bedeutung „offen“ oder „hell“. Mozart verwendete aperto in einigen frühen Konzerten, um einen strahlenden, unbekümmerten Geist anzudeuten[16]. Tatsächlich ist dieser Satz heiter und in seinem Charakter „offen“, voller Strahlkraft und Frohsinn[16]. Das Orchester stellt ein anmutiges Hauptthema vor, das das Soloklavier mit leichter, funkelnder Figuration aufgreift. Zunächst gibt es keine stürmischen oder düsteren Einschübe – die Musik bewahrt einen höflichen, aristokratischen Charme. Erst im mittleren Durchführungsteil wagt Mozart kurz den Schritt in die Molltonart: Das Klavier spielt wirbelnde Arpeggien und gebrochene Oktaven im Moll, beantwortet von klagenden Oboenintervallen, was einen Hauch von Pathos beisteuert[16]. Wie ein Forscher bemerkte, gewährt dieser flüchtige Mollabschnitt „einen Blick auf den wahren Mozart“ unter der höflichen Oberfläche[17]. Bald jedoch kehrt die sonnige Stimmung zurück, wenn die Musik die Anfangsthemen mit Gelassenheit rekapituliert. Für diesen Satz schrieb Mozart eine kurze Kadenz (etwa 12 Takte), die dem Solisten einen letzten Glanzpunkt erlaubt, bevor das Orchester das Allegro beschließt[17]. Insgesamt ist der Satz leicht, prägnant und angenehm melodisch, und zeigt Mozarts frühen klassischen Stil ohne großes Drama[18].
- II. Andante un poco adagio (Es-Dur) – Der zweite Satz ist ein sanftes Andante, der einen sanglichen, lyrischen Kontrast zu den lebhaften Ecksätzen bietet. Hier ersetzt Mozart die Oboen durch Flöten, die zusammen mit gedämpften Streichern und Pizzicato-Bass, der Musik einen „süßeren, sanfteren Charakter“[12]. Das Klavier spinnt über einer wiegenden Triolenbegleitung eine einfache, fließende Melodie und schafft so eine Atmosphäre inniger Wärme. Dieses Andante ist „einfach und sanft“ an der Oberfläche[12], doch Mozart bringt in der Harmonik eine subtile Raffinesse ein. Er wechselt im Handumdrehen zwischen Dur- und Molltonarten, ein dramatischer Chiaroscuro (Hell-Dunkel)-Effekt, der emotionale Tiefe verleiht[12]. Diese raschen harmonischen Abdunkelungen und Aufhellungen sollten zu einem Markenzeichen von Mozarts späteren Werken werden und verweisen hier bereits auf die tiefen Kontraste mancher späterer langsamer Sätze. Tatsächlich hören Kommentatoren in diesem Satz einen Keim zu Mozarts berühmtem langsamen Satz aus dem „Elvira-Madigan“-Konzert in C-Dur, K. 467, das neun Jahre später entstand[12]. Beide teilen Merkmale wie den zarten Triolenrhythmus und die Mischung aus Dur-/Moll-Schattierungen, was zeigt, wie sich Mozarts lyrischer Stil aus diesen frühen Experimenten entwickelte[12]. Die Grundstimmung bleibt jedoch graziös und kontemplativ, ohne je zu tragischer Intensität anzuschwellen. Dieses verfeinerte Intermezzo dürfte das Salzburger Publikum mit seiner rührenden Schönheit und „seufzenden“ Holzbläser-Phrasen[9].
- III. Rondeau: Allegro (B-Dur) – Das Finale ist ein heiteres Rondo (ein wiederkehrendes Hauptthema im Wechsel mit kontrastierenden Episoden) mit der Bezeichnung Allegro. Es hat den Charakter von stilisierter Tanzmusik, erfüllt von eleganten, verspielten Rhythmen aus Orchester und Solopart[13]. Das Hauptthema des Rondos ist heiter und eingängig und stellt im Dialog mit dem Orchester den flinken Anschlag des Pianisten zur Schau. In diesem Satz kehren die Oboen zurück (auf Flöten wird verzichtet), und Mozart gibt den Hörnern eine besonders prominente Rolle[13]. Die Hörner melden sich mit überschwänglichen Rufen und Harmonien zu Wort und erfüllen damit das Versprechen des jungen Mozart, sie „glänzen“ zu lassen[13]. Auf halbem Weg durch das Rondo überrascht Mozart den Hörer mit einem kurzen Ausflug nach g-Moll, dem einzigen Abschnitt, in dem der Solopart offen zur Virtuosität ansetzt[19]. In dieser g-Moll-Episode muss das Klavier rasches, barockartiges Fingerwerk ausführen – etwa wiederholte gebrochene Oktaven, die Gewandtheit und Präzision erfordern[19]. Das liefert einen flüchtigen Moment virtuosen Feuers, der sich jedoch bald wieder in den freudigen Refrain in Dur auflöst. Mozart schrieb für das Finale auch eine kurze Kadenz und erwartete zudem, dass der Spieler an strategischen Zäsuren kleine Verzierungen (Eingänge) improvisiert[20]. Ungewöhnlich ist das Ende des Konzerts reizvoll, aber bescheiden: Nach der letzten solistischen Girlande erhält nicht das Klavier, sondern eine einzelne Oboe die letzte Wiederkehr des Rondothemas – das Stück endet mit einem sanften „letzten Lächeln“ der Oboe statt mit einem großen solistischen Bravour-Schluss[21]. Die Wirkung ist ein warmes, geistreiches Abschiedswort, das dem liebenswürdigen Charakter des Werks entspricht.
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Rezeption und Nachwirkung
Mozarts Klavierkonzert Nr. 6 wurde zu seiner Zeit als anmutiges Beispiel seines jugendlichen Talents geschätzt, erreichte jedoch nicht den Ruhm seiner späteren Konzerte. In Salzburg dürfte es bei seiner Uraufführung 1776 das höfische Publikum erfreut haben. Mozarts eigene Zufriedenheit mit dem Stück zeigt sich daran, dass er es auf seine Reisen mitnahm: 1777 spielte er das Konzert in München und Augsburg in erlesenen Kreisen, und 1778 stellte er es in Mannheim stolz vor, indem er seine Schülerin Rosa Cannabich den Solopart spielen ließ[10]. Zeitgenössische Hörer dürften sich an den anmutigen Melodien und brillanten Klavierpassagen erfreut haben, die unterhielten, ohne das Ohr zu strapazieren – wie ein Kommentator bemerkte, enthalte das Konzert „nichts allzu Anspruchsvolles für den Hörer“ und sei doch „vollkommen fesselnd“ in seinem Charme[22]. Die galante Eleganz des Werks machte es geeignet für die höflichen Salons und Akademien jener Zeit.
Nach Mozarts Tod jedoch geriet das B-Dur-Konzert für viele Jahre in relative Vergessenheit. Mozart hatte die Veröffentlichung der Partitur beabsichtigt, doch zu seinen Lebzeiten blieb sie im Manuskript[23]. Erst in den 1790er Jahren (um 1793–1795) erschien es im Druck unter dem Titel „Concerto di Cembalo“, was seinen Ursprung als Cembalokonzert widerspiegelt[23][24]. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die musikalischen Geschmäcker gewandelt, und Mozarts spätere, dramatischere Klavierkonzerte (etwa das „Jeunehomme“, K. 271, und die großen Wiener Konzerte) hatten dieses frühe Werk in den Schatten gestellt. Es gibt keinen Nachweis dafür, dass Mozart K. 238 in seinen Wiener Jahren der 1780er aufführte – er war zu neuen Kompositionen und ambitionierteren Konzerten für seine öffentlichen Auftritte übergegangen[25][26]. Im 19. Jahrhundert dürfte die Nr. 6 in den Konzertsälen nur selten zu hören gewesen sein, da das Publikum sich eher zu Mozarts reifen Meisterwerken hingezogen fühlte.
In der Moderne hat das Konzert als Teil von Mozarts Gesamtwerk wieder Aufmerksamkeit gewonnen; es wird häufig im Rahmen von Zyklen der Klavierkonzerte aufgenommen und aufgeführt. Musiker und Musikwissenschaftler erkennen es heute als wichtigen Schrittstein in Mozarts Entwicklung. Zwar ist es im Vergleich zu seinen späteren Werken relativ leichtgewichtig und „hübsch“ – doch K. 238 bietet seine eigenen Reize: elegante Handwerkskunst, jugendlichen Überschwang und Andeutungen der größeren Tiefen, die noch kommen sollten[27]. Die Pianistin Angela Hewitt räumt etwa ein, dass sie Mozarts frühe Konzerte einst nicht sehr interessant fand; nach dem Studium und der Aufführung dieses Werks habe sie jedoch „[ihre] Meinung völlig geändert“ und dessen subtilen Charme und feine Details entdeckt[28][29]. Hörerinnen und Hörer von heute können das Klavierkonzert Nr. 6 als Fenster in Mozarts Welt des Jahres 1776 begreifen – eine Welt verfeinerten Geschmacks und freudigen Musizierens – und als ein Porträt des Komponisten als junges Genie, das schon in seinen frühen Zwanzigern vor Anmut, Witz und melodischer Erfindungsgabe überquillt.
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Sources
Mozart’s Piano Concerto No. 6 in B-flat major, K. 238 (1776), Wikipedia[30][23][16][31]; LA Philharmonic program notes by John Mangum[32][9]; Angela Hewitt, Hyperion Records liner notes (2011)[6][13][19]; Cuthbert Girdlestone, Mozart’s Piano Concertos (1948)[17]; Fugue for Thought blog (2017)[33][34]; IMSLP (International Music Score Library Project)[35].
[1][3][10][11][12][15][16][17][23][30][31] Piano Concerto No. 6 (Mozart) - Wikipedia
https://en.wikipedia.org/wiki/Piano_Concerto_No._6_(Mozart)
[2][5][8][9][32] Piano Concerto No. 6, K. 238, Wolfgang Amadeus Mozart
https://www.laphil.com/musicdb/pieces/2780/piano-concerto-no-6-k-238
[4][18][22][27][28][33][34] Mozart Piano Concerto no. 6 in B-flat, K. 238 – Fugue for Thought
https://fugueforthought.de/2017/05/25/mozart-piano-concerto-no-6-in-b-flat-k-238/
[6][13][14][19][20][21][29] Piano Concerto No 6 in B flat major, K238 (Mozart/Hewitt) - from CDA67840 - Hyperion Records - MP3 and Lossless downloads
https://www.hyperion-records.co.uk/dw.asp?dc=W13794_67840
[7] Concerto di cembalo | Library of Congress
https://www.loc.gov/resource/music.musihas-200154471/?st=gallery
[24][35] Piano Concerto No.6 in B-flat major, K.238 (Mozart, Wolfgang Amadeus) - IMSLP
https://imslp.org/wiki/Piano_Concerto_No.6_in_B-flat_major%2C_K.238_(Mozart%2C_Wolfgang_Amadeus)
[25] [PDF] CONCERTOS - DME Mozarteum
https://dme.mozarteum.at/DME/objs/pdf/nma_145_-15_-3_eng.pdf
[26] [PDF] The letters of Wolfgang Amadeus Mozart (1769-1791)
https://archive.org/download/lettersofwolfgan01moza/lettersofwolfgan01moza.pdf












