Kanon in B-Dur für 6 Stimmen „Leck mich im Arsch“ (K. 231) — zweifelhaft
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Kanon in B-Dur für sechs gleiche Stimmen, „Leck mich im Arsch“ (K. 231), ist ein kurzer, geselliger Rundgesang, der mit Wien im Jahr 1782 verbunden wird, als sich der 26-jährige Komponist dort gerade neu eingerichtet hatte. Die Zuschreibung ist umstritten, und der Text kursierte in der frühen Druckgeschichte in veränderten, entschärften Fassungen.
Hintergrund und Kontext
In Wien im Jahr 1782 baute Mozart sich ein freischaffendes Leben auf – er unterrichtete, trat auf und komponierte sowohl für öffentliche Anlässe als auch für den privaten geselligen Umgang. Kleinformatige Vokalkanons gehörten zu dieser informellen Welt des Musizierens nach dem Essen, in der Freunde von einer einzigen Zeile singen konnten und die Strenge des Kontrapunkts auf die Lockerheit geselligen Humors traf.
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Bei K. 231 sind moderne Werkverzeichnisse und Herausgeber zurückhaltend: Das Stück ist in einer problematischen Überlieferung erhalten und wird weithin als von zweifelhafter Authentizität bezeichnet, auch wenn es weiterhin eng mit Mozarts Wiener Umfeld und mit einer Gruppe ähnlich derber Kanons verbunden bleibt, die seit Langem mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden.[1][2] Gesichert ist die Identität des Werks als sechsstimmiger Kanon in B-Dur sowie seine spätere Veröffentlichungsgeschichte unter bereinigten Worten (oft unter dem Titel „Laßt froh uns sein“) – ein aufschlussreiches Zeichen dafür, wie solche Stücke vom privaten Scherz in den öffentlichen Druck wanderten.[3]
Musikalischer Charakter
Auf dem Papier ist K. 231 ein kompakter Kanon für sechs gleiche Stimmen, a cappella angelegt, so notiert, dass dieselbe Melodie nacheinander in festen zeitlichen Abständen imitiert wird – Kontrapunkt als soziale Praxis, denn jede Sängerin und jeder Sänger tritt in das Gefüge ein und hilft, die Harmonie zu vervollständigen.[3] Die Wahl von B-Dur, einer bequemen Chor-Tonart, begünstigt das rasche Ensemblesingen und klare Dreiklangs-Klänge; die Wirkung zielt eher auf Schwung und Verschmelzung als auf solistische Selbstdarstellung.
Der berüchtigte Text („Leck mich im Arsch“) ist am ehesten als Teil der komischen Provokation des Werks zu verstehen und weniger als sein musikalischer Kern. Die Beständigkeit des Kanons liegt vielmehr in der treffenden Verbindung eines einfachen, leicht einprägsamen Themas mit dem sich verdichtenden Gewimmel sechsstimmiger Imitation – eine Idee, die Mozart in seinen Wiener Jahren immer wieder liebte, sei es in gelehrten Finali oder in Miniaturformen, die für Freunde aus nächster Nähe gedacht waren.[1]
[1] Köchel-Verzeichnis (International Mozarteum Foundation): work entry for K. 231, notes doubtful authenticity and basic catalog data.
[2] Digital Mozart Edition (Mozarteum): NMA-related PDF discussing doubts about authenticity for canons including K. 231 and the transmission problems (English).
[3] IMSLP: Canon for 6 voices in B-flat major, K. 231/382c — general information (key, date, scoring) and publication/lyrics notes.




