Divertimento Nr. 7 in D-Dur, K. 205 (K.6 167A)
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento Nr. 7 in D-Dur, K. 205 (K.6 167A) gehört zu einer kleinen, charakteristischen Gruppe von „Notturno/Divertimento“-Stücken aus der Mitte der 1770er Jahre, die für nur eine Handvoll Spieler geschrieben sind—hier: zwei Hörner, Fagott, Violine, Viola und Basso. Wahrscheinlich 1773 entstanden (bei nicht ganz gesicherter Datierung), zeigt es den 17-jährigen Komponisten dabei, die gesellschaftliche Musik der Serenaden-Tradition in etwas Schlankes, Helles und ungewöhnlich Charaktervolles zu verwandeln.
Hintergrund und Kontext
In den frühen 1770er Jahren war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) institutionell noch als angehender Salzburger Hofmusiker eingebunden, doch seine Ambitionen—und seine Möglichkeiten—reichten weiter. Das Jahr 1773 liegt zwischen den Italienreisen der Familie und Mozarts zunehmend intensiver Auseinandersetzung mit Wiener Stilen: Musik für gesellige Anlässe (im Freien, beim Abendessen, in Gärten) existierte neben Sinfonien, Kirchenwerken und den ersten klaren Schritten hin zum reifen Quartett und Konzert.
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K. 205 ist besonders aufschlussreich, weil es weder eine „große“ Serenade mit voll besetzten Bläsern ist noch ein reines Streich-Divertimento. Stattdessen nutzt es ein kompaktes Mischensemble, das sich rasch zusammenstellen und mit je einem Musiker pro Stimme spielen lässt—genau jene flexible Besetzung, die für private Unterhaltung ideal ist. Das Köchelverzeichnis der Internationalen Stiftung Mozarteum vermerkt, dass Mozart die Bezeichnungen Divertimento oder Notturno für eine kleine Zahl solcher Werke verwendete, die auf die Praxis „ein Spieler pro Stimme“ zielen und nicht auf voll orchestrale Besetzung [1].
Diese Ökonomie der Mittel ist weniger Einschränkung als ästhetisches Programm. Der einzelne Violinenpart (ohne getrennte erste und zweite Violinen) gibt dem Satz ein „solistisches“ Profil: Die Violine fungiert oft als führende Melodiestimme, während Viola und Bass ein dichtes Gerüst in Mittel- und Tieflage bilden. Dem gegenüber sorgen die beiden Hörner für festlichen Glanz, und das Fagott kann mehr tun, als nur die Basslinie zu verstärken.
Komposition und Uraufführung
Mozart hat das Autograf nicht datiert; entsprechend wird die Entstehung des Werkes mit gebotener Vorsicht diskutiert. Eine weithin verbreitete Referenzzusammenfassung (auf Grundlage von Forschungen im Umfeld von Neal Zaslaws The Compleat Mozart) bezeichnet den Ursprung als unklar und verweist auf frühere Verbindungen zu Mozarts Wien-Aufenthalt 1773—konkret zu einem Gartenkonzert im Haus des Arztes Franz Anton Mesmer am 18. August 1773, das in einem Brief Leopold Mozarts drei Tage später erwähnt wird—während zugleich von einer neueren Tendenz (über Handschriftenanalyse) berichtet wird, das Stück etwas früher, in den Juli 1773, zu setzen [2].
Das Köchelverzeichnis des Mozarteums nennt ebenfalls den groben Rahmen 1773 und führt ausdrücklich „Wien, 07.1773“ unter den Datierungshinweisen an [1]. Praktisch bedeutet das für Interpreten und Hörer: K. 205 gehört in Mozarts Klangwelt von 1773—nahe bei den Sinfonien und Serenaden dieser Zeit—und nicht zu den späteren Wiener Divertimenti der 1780er Jahre.
Eine dokumentierte Uraufführung ist nicht gesichert. Moderne Nachschlage- und Referenzseiten liefern bisweilen spekulative Hinweise zu einer ersten Aufführung, doch werden diese nicht durchgängig von Primärquellen getragen. Solider ist die Feststellung, dass das Werk hervorragend zur „Gelegenheits“-Musikpraxis der Zeit passt: Es ist kompakt, hell und in eine Folge von Sätzen gegliedert, die ein Gleichgewicht aus einleitender Würde, Tanz, lyrischer Ruhe und einem flinken Finale herstellt.
Besetzung
Mozarts Instrumentation zählt zu den Hauptreizen des Divertimentos: zugleich festlich (Hörner) und intim (Streicher mit je einer Stimme).
- Bläser: 2 Hörner; Fagott
- Streicher: Violine; Viola
- Bass: Basso (typischerweise realisiert durch Violoncello und/oder Kontrabass; oft verdoppelt oder verstärkt durch das Fagott)
Diese genaue Besetzung nennt das Köchelverzeichnis des Mozarteums („cor1+cor2, vl, vla, b+fag“) [1] und sie wird in verbreiteten Aufführungs- und Referenzverzeichnissen entsprechend geführt [3].
Daraus ergeben sich zwei praktische Konsequenzen. Erstens können die Hörner den Freiluft-, „Signal“-Charakter artikulieren, der traditionell mit D-Dur verbunden ist; zweitens kann das Fagott—zusätzlich zur Basslinie—zwischen Verstärkung und eigenständigem Kontrapunkt wechseln und so den Satz anreichern, ohne das Ensemble zu vergrößern.
Form und musikalischer Charakter
K. 205 umfasst fünf Sätze—ein Plan, der fast wie eine Serenade im Miniaturformat wirkt: ein gewichtiger Kopfsatz (mit langsamer Einleitung), zwei Menuette, die einen zentralen langsamen Satz einrahmen, und ein temperamentvolles Finale.
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- I. Largo – Allegro (D-Dur)
- II. Menuetto (D-Dur) – Trio (G-Dur)
- III. Adagio (A-Dur)
- IV. Menuetto (D-Dur) – Trio (d-Moll)
- V. Finale: Presto (D-Dur)
(Satzfolge nach IMSLP und in Übereinstimmung mit NMA-basierten Beschreibungen) [3]
I. Largo – Allegro
Die Largo-Einleitung ist zwar kurz, aber entscheidend: Sie verleiht dem Stück eine zeremonielle „Vorhang-auf“-Geste, wobei die Hörner die Serenaden-Tradition im Freien anklingen lassen können, während die Streicher einen intimeren harmonischen Raum umreißen. Das anschließende Allegro ist nicht sinfonisch dimensioniert, aber weit mehr als bloße Hintergrundmusik. Die einzelne Violinstimme begünstigt eine quasi konzertante Rhetorik: Mozart schreibt in der Erwartung, dass der Geiger projizieren, verzieren und führen kann.
II. Menuetto (mit Trio in G-Dur)
Das erste Menuett verströmt gesellschaftliche Contenance—Musik, die prinzipiell auch Unterhaltung und Gespräch begleiten könnte—und ist doch mit Mozarts Sinn für tonale Frische geformt. Der Wechsel des Trios nach G-Dur mildert die Helligkeit von D-Dur und gibt den Hörnern Gelegenheit, die Harmonik neu zu färben, ohne die kammermusikalisch wirkenden Streicher zu überdecken.
III. Adagio (A-Dur)
Im Zentrum platziert, ist das Adagio das lyrische Herz des Werkes. In Divertimenti fungieren langsame Sätze oft als Momente des „Nach-innen-Hörens“; hier schafft A-Dur (die Dominante) einen sanften, cantabile geprägten Raum, der ganz natürlich vokal wirkt. Die Besetzung ist dabei aufschlussreich: Mit nur einer Violine kann Mozart melodische Linien schreiben, die klar, unverdoppelt und persönlich sind—fast wie eine Arie ohne Worte.
IV. Menuetto (mit Trio in d-Moll)
Das zweite Menuett ist mehr als eine Wiederholung der gesellschaftlichen Tanzfunktion; es bildet ein strukturelles Gegengewicht. Am auffälligsten ist das Trio in d-Moll, eine expressive Verdunkelung innerhalb eines ansonsten sonnigen D-Dur-Divertimentos. Diese Wendung ins Moll ist einer der Gründe, warum K. 205 besondere Aufmerksamkeit verdient: Sie zeigt den jungen Mozart bereits angezogen von scharfen Affektkontrasten innerhalb „leichter“ Gattungen.
V. Finale: Presto
Das Finale stellt D-Dur mit flinker Selbstverständlichkeit wieder her. Presto-Finali in diesem Repertoire zielen oft eher auf Schwung und Brillanz als auf thematische Tiefgründigkeit; Mozarts Gabe besteht jedoch darin, den Drive zwingend wirken zu lassen: Hornrufe, schnelle Streicherfigurationen und eine vom Fagott geprägte Basslinie verbinden sich zu einem straffen, festlichen Schluss.
Rezeption und Nachwirkung
K. 205 gehört nicht zu den am häufigsten programmierten Divertimenti Mozarts—auch, weil die Besetzung ungewöhnlich ist und nicht dem gängigen modernen Kammerorchester-Standard entspricht. Doch gerade diese Spezifik ist sein Reiz. Die „Zwischen“-Identität des Werks (nicht ganz Streichquartett, nicht ganz Bläserserenade, nicht ganz Orchesterserenade) bietet eine plastische Momentaufnahme des funktionalen Musizierens im 18. Jahrhundert: flexibel, anlassbezogen und abhängig von den verfügbaren Spielern.
Historisch hat die Forschung häufig die charakteristische Besetzung des Divertimentos hervorgehoben: Es gehört zu einem winzigen Winkel von Mozarts Œuvre, in dem statt des üblichen Violinenpaares nur ein einzelner Violinenpart verwendet wird, und wird oft zusammen mit dem Marsch in D-Dur, K. 290/167AB diskutiert, der diese Ein-Violine-Anlage teilt [2]. Für heutige Hörer lohnt Divertimento Nr. 7 als knappe Demonstration von Mozarts Fähigkeit, „Unterhaltungs“-Gattungen aufzuwerten: In fünf kurzen Sätzen erreicht er eine überzeugende architektonische Symmetrie, eine überraschende Moll-Einfärbung und eine Instrumentalpalette, die zugleich rustikal (Hörner) und kultiviert (die kammermusikalische Stimmführung der Streicher) ist.
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[1] International Mozarteum Foundation (Köchel Catalogue): KV 205 work entry with dating, instrumentation, and movement listing.
[2] Reference summary derived from Zaslaw’s The Compleat Mozart (hosted by Christer Malmberg): notes on uncertain origin/dating, possible Mesmer connection, and distinctive one-violin scoring.
[3] IMSLP work page for Divertimento in D major, K. 205/167A: instrumentation and five-movement structure (with keys).











