Allegro fĂŒr BlĂ€ser in B-Dur (K. 196g / K. 384c), in Verbindung mit K. 384b
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Allegro fĂŒr BlĂ€ser in B-Dur (K. 196g; auch als K. 384c katalogisiert) ist ein kurzes, farbiges Torso-StĂŒck aus Wien vom Juli 1782, das in der Köchel-Tradition mit dem fragmentarisch ĂŒberlieferten Marsch K. 384b verknĂŒpft wird. Obwohl es im Konzertleben selten zu hören ist, bietet es einen konzentrierten Einblick in Mozarts neue Wiener Faszination fĂŒr das höfische BlĂ€serensemble (Harmonie)âund dafĂŒr, wie schnell sich eine zeremonielle Idee in Musik mit echtem Charakter verwandeln konnte.
Hintergrund und Kontext
Wien im Jahr 1782 war die Stadt, in der Wolfgang Amadeus Mozart (1756â1791) sich aktiv neu erfand: frisch sesshaft geworden, frisch verheiratet und tief eingetaucht in eine kosmopolitische Kultur, in der BlĂ€serensembles nicht bloĂ FreiluftlĂ€rm waren, sondern ein modisches Medium fĂŒr Tafelmusik und höfische Unterhaltung. In diesem Umfeld wurde die HarmoniemusikâMusik fĂŒr paarweise besetzte BlĂ€ser, typischerweise Oboen (oder Flöten), Klarinetten, Hörner und Fagotteâzu einem sozialen wie klanglichen Emblem des Wiener Geschmacks, und Mozart reagierte darauf mit einer zunehmend ausgefeilten, idiomatischen BlĂ€sersprache.
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Das Allegro in B-Dur, K. 196g (Köchel IX), gehört genau in diesen Wiener Moment. In der Ă€lteren Köchel-ZĂ€hlung wird es mit K. 384c in Verbindung gebracht, und in spĂ€teren Katalogisierungstraditionen ausdrĂŒcklich âin Verbindung mitâ dem fragmentarischen Marsch K. 384b genannt.3 Diese Verbindung ist mehr als eine bibliografische KuriositĂ€t: Beide StĂŒcke verweisen auf die praktische Welt der Wiener BlĂ€sermusikâfunktional, anlassbezogen und hĂ€ufig modularâwo ein Marsch einer gröĂeren Unterhaltung vorangehen oder sie rahmen konnte und wo ein Komponist eine Idee fallen lieĂ, um eine andere zu retten.
Gerade sein bescheidener Umfang macht K. 196g hörenswert. Das Fragment ist nicht âkleiner Mozartâ im Sinne von NachlĂ€ssigkeit; vielmehr schreibt Mozart hier unmittelbar fĂŒr die Möglichkeiten und Farben einer konkreten Wiener BlĂ€sergruppeâund in einer Tonart (B-Dur), die den Blasinstrumenten natĂŒrlich liegt und starke Assoziationen an heitere ReprĂ€sentation und öffentliche Zurschaustellung weckt.
Entstehung und UrauffĂŒhrung
Die erhaltenen Quellen weisen auf einen engen Zeitraum und Ort. Der Eintrag im Köchel-Verzeichnis zu K. 196g (unter dem Querverweis K. 384c) datiert das Allegro fĂŒr BlĂ€ser auf Juli 1782 in Wien, als Mozart 26 war.3 In Katalogisierung und Ăberlieferung ist das Werk eng mit K. 384b verbunden, einem Marsch in B-Dur fĂŒr BlĂ€serensemble Ă 8, der als unvollendetes autographes Fragment erhalten ist und grob auf Wien, 1782â1783, datiert wird.1
Eine verlĂ€ssliche Dokumentation einer ErstauffĂŒhrung ist nicht bekannt. Das ist bei Wiener BlĂ€serstĂŒcken keineswegs ungewöhnlich: Sie entstanden oft fĂŒr halbprivate Zweckeâgespielt von Hof- oder aristokratischen BlĂ€sern bei Diners, Gartenveranstaltungen oder Namenstagsfeiernâund gelangten erst spĂ€ter (wenn ĂŒberhaupt) in die öffentliche KonzertĂŒberlieferung. Die relative Unbekanntheit von K. 196g spiegelt daher eher die soziale Funktion der Gattung als irgendeinen Mangel an handwerklicher QualitĂ€t.
Instrumentation
Mozart besetzt K. 196g fĂŒr die klassische achtstimmige Wiener BlĂ€sergruppe (oft als Oktett oder Harmonie bezeichnet):
- HolzblÀser: 2 Oboen, 2 Klarinetten
- BlechblÀser: 2 Hörner
- HolzblÀser (tief): 2 Fagotte
Diese Besetzung wird durch moderne Katalogisierung sowie Bibliotheks-/Editionsmetadaten zum Werk bestĂ€tigt.2 Sie entspricht auĂerdem exakt der Instrumentation, die auf der Katalogseite des Mozarteums fĂŒr das verknĂŒpfte Fragment K. 384b angegeben istâein Hinweis darauf, dass die Kennzeichnung âin Verbindung mitâ auf einem gemeinsamen AuffĂŒhrungsapparat und vermutlich auch auf einem gemeinsamen Anlass beruht.1
Bemerkenswert ist Mozarts Einbeziehung der Klarinettenâdie in vielen österreichischen Institutionen damals noch vergleichsweise neu warenâals Zeichen einer spezifisch Wiener Ausrichtung. Das warme Mittelregister der Klarinette lĂ€sst die Harmonie gleichsam âvon innenâ singen, sodass sich das Ensemble wie ein kleines Orchester verhalten kann: Die Oboen erhellen die Oberstimmen, die Hörner tragen den Klang, und Klarinetten sowie Fagotte liefern das innere und tiefe Fundament.
Form und musikalischer Charakter
K. 196g ist als Allegro ĂŒberliefertâals einzelner schneller Satz, nicht als vollstĂ€ndige mehrsĂ€tzige Serenade oder ein Divertimento.23 Auch ohne den architektonischen Bogen von Mozarts groĂen BlĂ€serserenaden kann ein einsĂ€tziges Allegro fĂŒr Harmonie dennoch die Rhetorik der Sonatenhauptsatzform (Exposition, DurchfĂŒhrung, Reprise) andeuten: Die Gattung ĂŒbersetzt âsymphonischesâ Argument gewohnheitsmĂ€Ăig in eine kammermusikalische Konversation.
Zwei stilistische Merkmale verdienen besondere Beachtung.
Erstens begĂŒnstigen das öffentliche, freilufttaugliche Profil von B-Dur und die achtstimmige BlĂ€serbesetzung eine Schreibweise, die sofort verstĂ€ndlich ist: klare Phrasierung, markante Kadenzen und antiphonales Wechselspiel zwischen hohen BlĂ€sern (Oboen/Klarinetten) und dem harmonischen Fundament (Hörner/Fagotte). In der besten Wiener Harmonie-Musik ist die Textur selten bloĂ homophon; vielmehr ist sie âharmonischâ im Ă€lteren Sinnâviele Linien wirken zusammen, um Harmonie in Bewegung zu zeigen.
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Zweitens lĂ€dt die Gattungspositionâzwischen Marsch und Serenadeâzu einer spezifischen Energie ein. Ein Marsch impliziert Zeremoniell und Prozession; ein Divertimento kultivierte Leichtigkeit. Die Katalognotiz âin Verbindung mit K. 384bâ lĂ€sst sich als Hinweis auf diese Ă€sthetische Nachbarschaft lesen: Selbst wenn Mozart vom wörtlichen Marschfragment zu einem Allegro ĂŒbergeht, bleibt die Musik auf soziale Funktion, klangliche Brillanz und rhythmische Entschiedenheit ausgerichtet, weniger auf inneres Drama.
In diesem Licht bildet K. 196g auch eine aufschlussreiche Folie zu Mozarts berĂŒhmterer Wiener BlĂ€sermusik aus demselben weiteren ZeitraumâWerken, die dieselbe Grundidee der BlĂ€serbande in Umfang und Anspruch ins Unerhörte ausdehnen. Das Fragment zeigt Mozart in derselben Klangwelt, aber auf einer MiniaturbĂŒhne.
Rezeption und Nachwirkung
K. 196g hat nie zum alltĂ€glichen Mozart-Kanon gehört. Als kurzes, spezialisiertes StĂŒckâverknĂŒpft mit einem Marschfragmentâsteht es am Rand sowohl der Konzertprogramme als auch der Aufnahmekataloge. Doch gerade dieser Randstatus macht es fĂŒr Hörerinnen und Hörer, die sich dafĂŒr interessieren, wie Mozart arbeitete, bedeutsam: Er zeigt ihn nicht nur als Komponisten von âMeisterwerkenâ, sondern auch als Schöpfer praktischer Musik fĂŒr reale Wiener Spieler und AnlĂ€sse.
FĂŒr heutige Interpretinnen und Interpreten liegt der Reiz des Werks in seinem reinen BlĂ€serklang und seiner Ăkonomie. In einem gemischten Programm kann ein Allegro wie dieses als helles, konzentriertes PrĂ€ludium dienenâetwas, das gröĂere Harmonie-Werke einrahmt und zugleich daran erinnert, dass die Gattung im Kern eine lebendige soziale Praxis war. Zusammen mit dem verknĂŒpften Fragment K. 384b gehört, lĂ€dt es zudem zu einer angenehm musikwissenschaftlichen Art des Hörens ein: Man wird sich Mozarts Werkstatt bewusst, den AnfĂ€ngen und AbbrĂŒchen, und der Frage, wie ein âGelegenheitsstĂŒckâ fĂŒr BlĂ€ser als Teil einer gröĂeren, flexiblen Folge gedacht gewesen sein könnte.
Alles in allem verdient Mozarts Allegro fĂŒr BlĂ€ser in B-Dur (K. 196g / K. 384c) Aufmerksamkeit nicht wegen monumentaler GröĂe, sondern wegen dessen, was es sichtbar machtâWien 1782, Mozart mit 26, und das Medium Harmonie als Ort, an dem Handwerk, Farbe und gesellschaftliches Leben zusammentreffen.13
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[1] Internationale Stiftung Mozarteum, Köchel-Verzeichnis: K. 384b (March in B-flat for wind ensemble Ă 8) â dating, authenticity, and instrumentation.
[2] IMSLP: Allegro in B-flat major, K.Anh.96/384c â instrumentation and basic work metadata for the Allegro linked to K. 384b.
[3] Wikipedia: Köchel catalogue â entry listing for K. 196g (Anh. 96 / 384c), âAllegro for Winds (in conjunction with K. 384b)â, dated July 1782, Vienna.











