Divertimento in B-Dur für Bläser (zweifelhaft), K. 196f (K.Anh. 227)
by Wolfgang Amadeus Mozart

Das Divertimento in B-Dur für Bläser (K. 196f) ist als kurzes, viersätziges Unterhaltungsstück überliefert, ohne gesichertes Autograph, und wird allgemein als in seiner Echtheit zweifelhaft betrachtet. Es kursiert in Fassungen für Bläsersextett oder Bläseroktett, was auf eine praktische Flexibilität hindeutet, wie sie für das Musikmachen im Freien und im gesellschaftlichen Rahmen des späten 18. Jahrhunderts typisch ist.
Hintergrund und Kontext
K. 196f wird meist nicht als zweifelsfrei dokumentiertes Werk Mozarts behandelt, sondern als ihm zugeschriebenes Divertimento, dessen Herkunft (Datum, Ort und ursprüngliche Quelle) unklar ist. Die moderne editorische Behandlung spiegelt diese Unsicherheit: Im Inhaltsverzeichnis der Digital Mozart Edition zu den Bänden der Neuen Mozart-Ausgabe, die den Werken zweifelhafter Echtheit gewidmet sind, erscheint das Stück als Divertimento in B flat a 6 (zwei Klarinetten, zwei Hörner, zwei Fagotte) und auch als Divertimento in B flat a 8 (zusätzlich zwei Oboen).[1]
As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.
Die Erstausgabe erschien um 1801 (Leipzig, Breitkopf & Härtel) – ein relativ spätes Auftauchen, das Mozart zwar nicht grundsätzlich ausschließt, aber jeden Versuch schwächt, das Stück fest mit einer bestimmten Episode seiner Laufbahn zu verbinden.[2] Für heutige Hörer ist es am verantwortungsvollsten, das Werk als gefälliges, an Harmoniemusik erinnerndes Repertoire in B-Dur zu hören, das möglicherweise Mozartische Praxis spiegelt – und zugleich aufmerksam zu bleiben für die Möglichkeit, dass eine andere Hand dahintersteht.
Musikalischer Charakter
Mit einiger Sicherheit beschreiben lassen sich Anlage und angestrebte Klangwirkung. In der Überlieferung umfasst das Stück vier Sätze – Allegro, Adagio, Menuetto – Trio und ein Finale mit der Bezeichnung Andantino samt Trio – und liegt in Besetzungen entweder für sechs Bläser (2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte) oder für acht (zusätzlich 2 Oboen) vor.[2]
B-Dur ist eine naheliegende Tonart für Bläser des späten 18. Jahrhunderts, insbesondere für die Hörner, und die Instrumentation verweist auf die gepflegte „Harmonie“-Klangwelt, die Mozart bestens kannte: Klarinetten und Fagotte liefern Wärme und Substanz in Mittel- und Tieflage, während die Hörner die Harmonik weiten und helfen, die Musik auch im Freien tragfähig zu machen; die optionalen Oboen (in der Oktettfassung) schärfen das obere Klangprofil und können melodische Konturen stärker hervortreten lassen.[1]
Stellung im Katalog
Im weiteren Umfeld von Mozarts Bläserserenaden und Divertimenti steht K. 196f am Rand: In Besetzung und Gattung ist es nahe genug, um Vergleiche mit authentischer Harmoniemusik nahezulegen, in der Überlieferung jedoch zu weit entfernt. Daher behandelt man es am besten als interessante, gut aufführbare Ergänzung des Bläserrepertoires – nicht als belastbaren Beleg für Mozarts stilistische Entwicklung zu einem präzise bestimmbaren Zeitpunkt seines Lebens.[1]
[1] Digital Mozart Edition (Mozarteum Salzburg): Neue Mozart-Ausgabe, Works of Doubtful Authenticity vol. 2 (table of contents listing K. 196f / Anh. 227 in sextet and octet scorings, with movement incipits and scoring).
[2] IMSLP: Divertimento in B-flat major, K.Anh.227 (K.196f) — general info including key, movement list, instrumentation variants, and first publication c. 1801.




