Concertone für zwei Violinen und Orchester in C-Dur, K. 190
by Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Concertone für zwei Violinen und Orchester in C-Dur (K. 190) wurde am 31. Mai 1774 in Salzburg vollendet, als er 18 Jahre alt war. Teils Konzert, teils kammermusikalisch anmutende Serenade mit orchestraler Brillanz, bietet es ein charakteristisches frühes Beispiel für Mozarts Vorliebe für eine „concertante“ Textur – in der mehrere Instrumente das Rampenlicht teilen, statt dass ein einzelner Solist als Held dominiert.
Hintergrund und Kontext
1774 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) wieder in Salzburg, im Dienst des Hofes von Erzbischof Hieronymus von Colloredo, und schrieb in hohem Tempo quer durch die Gattungen: Symphonien für den Hofgebrauch, Kirchenmusik, Serenaden und Divertimenti sowie Konzerte, die ausloteten, was „solo“ in einer Ensemblekultur bedeuten konnte, die von versierten Spielern geprägt war. Das Concertone in C-Dur, K. 190 gehört in diesen Salzburger Moment: ein 18-jähriger Komponist, bereits souverän in öffentlicher Brillanz, zugleich aber zunehmend angezogen von subtileren, dialogischen Texturen.
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Mozarts Autograph bezeichnet das Werk schlicht als „Concertone“ („großes Konzert“) – eine bezeichnend unverbindliche Etikettierung, die auf die hybride Identität des Stücks verweist. Statt sich wie ein strenges Doppelkonzert für Violine im späteren, virtuosen Sinn zu verhalten, wirkt K. 190 oft wie eine symphonie concertante im Keim: Musik zur Unterhaltung und zur Schaustellung, aber ebenso zum Ensemblegespräch – und damit, aus der Ferne, eine Vorahnung von Mozarts berühmteren concertanten Leistungen der späten 1770er und frühen 1780er Jahre.[1] Bemerkenswert ist, dass neuere Forschung das Werk eher der Linie „eleganter Unterhaltung“ innerhalb der Gattung zuordnet als dem offenkundig kompetitiven, stärker solistischen Pariser Modell.[2]
Warum verdient K. 190 heute Aufmerksamkeit? Gerade weil es Mozart in jungen Jahren als Orchesterdenker zeigt – nicht nur in der Balance zweier Soloviolinen gegenüber einem kleineren Orchester, sondern auch darin, wie er das Interesse auf Holzbläser und tiefere Streicher verteilt, sodass die Partitur wie belebte Kammermusik auf orchestraler Bühne wirkt.
Komposition und Uraufführung
Als allgemein anerkanntes Fertigstellungsdatum gilt der 31. Mai 1774, ermittelt durch spätere Untersuchung des Manuskripts.[1] Das Titelblatt weist Salzburg als Kompositionsort aus, auch wenn eine Mindermeinung einen italienischen Ursprung vorgeschlagen hat; in Referenzdarstellungen bleibt Salzburg die gängige Zuschreibung.[1]
Details der Erstaufführung sind nicht so zuverlässig dokumentiert, wie dies bei manchen späteren Wiener Konzerten der Fall ist. Dennoch legen die festliche Besetzung (einschließlich Trompeten) und das integrierte, gesellige Soloschreiben einen praktischen Salzburger Zweck nahe: ein höfischer oder bürgerlicher Anlass, bei dem mehrere führende Spieler hervortreten konnten, ohne das rhetorische Gewicht eines „großen“ Konzertauftritts in voller Form.
In Spieldauer und Anspruch steht das Concertone bequem neben Mozarts anderen Salzburger Orchesterwerken von 1774 – gehaltvoll genug, um ein Programm zu tragen, dabei aber darauf angelegt, durch Klarheit, Charme und wechselnde Klangfarben rasch zu gefallen.[1]
Instrumentation
Mozart besetzt das Werk für zwei Soloviolinen und ein klassisches Orchester mit prominenten Holzbläsern und repräsentativem Blech.[1][3]
- Solisten: 2 Violinen
- Holzbläser: 2 Oboen
- Blechbläser: 2 Hörner (in C; im zweiten Satz in F), 2 Trompeten in C (im zweiten Satz stumm)
- Streicher: Violinen I & II, Bratschen (in einigen Passagen divisi), Violoncello, Kontrabass
Zu den reizvollsten Eigenschaften der Partitur gehört, dass das „Orchester“ nicht bloß begleitet. Die Oboen treten häufig in echter concertanter Manier nach vorn, und die tiefen Streicher – besonders das Violoncello – erhalten Momente von ungewöhnlicher Prominenz für ein vermeintlich von Violinen geführtes Konzert.[1]
Form und musikalischer Charakter
Das Concertone folgt dem erwarteten dreisätzigen Schema schnell–langsam–schnell, doch sein Charakter zielt weniger auf heroischen Konflikt als auf kultiviertes Gespräch und Klangfarbe.
I. Allegro spiritoso (C-Dur)
Der Kopfsatz strahlt selbstbewusste öffentliche Energie aus, mit einem hellen C-Dur-Klang, der durch Trompeten und Hörner noch verstärkt wird. Doch Mozart unterläuft sofort die übliche Gegenüberstellung „Solisten vs. Tutti“: Die beiden Violinen tauschen das Material häufig untereinander aus, während Holzbläser und Streicher eigene Akzente setzen, statt als neutrale Kulisse zu fungieren. Man hört Mozart dabei, wie er erprobt, einen langen ersten Satz lebendig zu halten, ohne sich ausschließlich auf virtuose Steigerung zu stützen – indem er das Ensemble fortwährend neu austariert.
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II. Andantino grazioso (F-Dur)
Der langsame Satz wechselt nicht nur die Stimmung, sondern auch die Orchesterfarbe. Die Trompeten schweigen, die Hörner wechseln den Bogen (nach F), und die Textur wird intimer.[1] Hier wirkt die „Concertone“-Idee besonders überzeugend: Die Soloviolinen singen parallel und im Dialog, während die Holzbläser – vor allem die Oboen – eine sanfte Leuchtkraft beisteuern. Das Ergebnis kann wie ein Serenadensatz wirken, der in Konzertgefilde erhoben wurde.
III. Tempo di Menuetto (C-Dur)
Statt eines effektvollen Rondo-Finales wählt Mozart einen Abschluss im Menuett-Tempo und unterstreicht damit erneut das gesellschaftliche, höfische Profil des Werks. Der Tanzrahmen ermöglicht Eleganz und rhythmische Balance, und die Solopartien – so brillant sie sind – werden selten zur sportlichen Virtuosität um ihrer selbst willen. Hörer, die spätere Konzert-Feuerwerke erwarten, mögen überrascht sein; doch der Reiz dieses Satzes liegt in der Balance zwischen öffentlicher Zeremonie (der Rückkehr der Trompeten) und kammermusikalischem Wechselspiel.
Rezeption und Nachwirkung
K. 190 war nie so zentral im Repertoire wie Mozarts reife Wiener Klavierkonzerte oder die spätere Sinfonia Concertante in Es-Dur, K. 364, doch es hat sich als attraktives Schaustück für Geiger stetig behauptet – besonders in Kammerorchester-Kontexten. Die neuere Forschung betrachtet es häufig als einen frühen Salzburger Beitrag zum gesamteuropäischen Geschmack an concertantem Schreiben mit mehreren Solisten, dem Geist nach näher bei den eleganten Beispielen Johann Christian Bachs als bei der virtuosen Pariser Tradition.[2]
Für heutige Hörer bietet das Concertone eine lohnende Perspektive auf Mozart mit 18: bereits fähig, für das Orchester als Palette von Persönlichkeiten zu schreiben. Seine Freuden sind nicht in erster Linie dramatisch; sie sind architektonisch (wie Mozart einen großen Bogen disponiert), textural (wie häufig Holzbläser und tiefe Streicher wichtig werden) und sozial (wie anmutig die Musik Aufmerksamkeit teilt). Kurz: K. 190 ist ein Salzburger Werk, das leise eine lebenslange Mozart’sche Obsession ankündigt – das Konzert in ein Instrumententheater zu verwandeln: geistreich, lichtvoll und von exquisiter Balance.
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Sheet Music
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[1] Wikipedia overview with completion date (31 May 1774), context, and scoring details (trumpets silent in II; horns in F in II).
[2] Cambridge Core (Journal of the Royal Musical Association) article contextualizing K. 190 within the symphonie concertante tradition and its comparatively “elegant entertainment” character.
[3] IMSLP work page listing instrumentation (solo violins; oboes; horns C/F; trumpets; strings).












