K. 160

Streichquartett Nr. 7 Es-Dur, K. 160 (Mailänder Quartett)

de Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Streichquartett Nr. 7 Es-Dur, K. 160 (1773) beschließt die Gruppe der sogenannten „Mailänder“ Quartette (K. 155–160), entstanden während seiner Italienreise, als er erst 17 war. Kompakt, dreisätzig und in der Geste von unmittelbar opernhafter Direktheit, zeigt es den jugendlichen Mozart beim Schreiben für vier Streicher – mit einem Ohr, das ebenso sehr von italienischer Melodik geprägt ist wie vom sich herausbildenden Quartettstil Mitteleuropas.

Hintergrund und Kontext

Im Winter 1772–73 reiste Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) zum dritten Mal mit seinem Vater Leopold nach Italien und verbrachte längere Zeit in Mailand. Zu den Werken, die man mit dieser Reise verbindet, zählen sechs frühe Streichquartette, die heute meist als „Mailänder Quartette“ (K. 155–160) zusammengefasst werden. K. 160 in Es-Dur ist das letzte Werk dieser Gruppe – Musik, die nicht für das öffentliche Theater gedacht war, sondern für kultiviertes Musizieren im privaten Rahmen, und die noch von der gesellschaftlichen Welt der italienischen accademia geprägt ist, nicht von der späteren, stärker „konzertartigen“ Wiener Quartetttradition.[1]

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Für heutige Hörerinnen und Hörer mögen diese Quartette im Vergleich zu den späteren „Haydn“-Quartetten der 1780er Jahre bescheiden wirken. Doch K. 160 verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es Mozart beim Lernen des Quartetts als Konversationsgattung zeigt: nicht bloß vier Stimmen, die gemeinsam fortschreiten, sondern vier Charaktere, die einander abwechseln – mal einverstanden, mal in sanfter Gegenrede. Der Es-Dur-Ton (im 18. Jahrhundert oft mit Weite und einer gewissen zeremoniellen Wärme verbunden) verleiht dem Quartett eine selbstbewusste, „luftige“ Qualität, auch wenn die Satztechnik technisch unprätentiös bleibt.

Entstehung und Widmung

K. 160 wird in Mozarts Mailänder Zeit Anfang 1773 datiert und gehört zum authentisch überlieferten, vollständigen Quartett-Repertoire, wie es in den Quellen tradiert ist.[2][1] Das Quartett ist für die Standardbesetzung gesetzt – zwei Violinen, Viola und Violoncello – ohne eine eigenständige Kontrabassstimme; ein Hinweis darauf, dass Mozart in Kategorien eines vierstimmigen Satzes denkt und nicht in der Klangvorstellung eines orchestralen „Streicherensembles“.[2]

Ein Widmungsträger ist für dieses Quartett nicht gesichert. Allgemeiner gilt: Der Mailänder Zyklus entsteht vor Mozarts Begegnung mit Joseph Haydns reifem Quartettstil (eine Begegnung, die üblicherweise mit Wien später im Jahr 1773 verbunden wird), und er liegt zudem mehr als ein Jahrzehnt vor der ausdrücklichen Widmungsgeste der späteren Op.-10-Gruppe (den sechs „Haydn“-Quartetten).[3]

Form und musikalischer Charakter

K. 160 folgt dem für Mozarts früheste Quartette typischen Dreisatzplan – schnell–langsam–schnell – und nicht dem viersätzigen Zyklus (mit Menuett), der unter Haydns Einfluss normativ wurde.[1][3]

  • I. Allegro (Es-Dur)
  • II. Un poco adagio (As-Dur)
  • III. Rondò. Allegro (Es-Dur)[4]

Was dieses Quartett auszeichnet, ist nicht ein einzelner „revolutionärer“ Kunstgriff, sondern ein stetiger dramatischer Instinkt – Mozarts Neigung, selbst kleinformatige Formen wie Szenen wirken zu lassen. Im eröffnenden Allegro trägt die erste Violine häufig das unmittelbar singbarste Material, doch die Mittelstimmen sind nicht bloß Füllwerk: Viola und zweite Violine helfen dabei, harmonischen Puls und Phrasierung zu artikulieren, sodass der Satz eher als zielgerichteter Dialog wirkt denn als Solostimme mit Begleitung.

Der langsame Satz, Un poco adagio in As-Dur (der Subdominante), ist das emotionale Zentrum. Seine wärmere Tonart und das ausgedehntere Zeitmaß schaffen einen vokalen, arienhaften Raum – eine der deutlichsten Weisen, wie der junge Mozart italienisches Cantabile in die Kammermusiktextur überträgt. Selbst wenn die melodische Linie schlicht bleibt, liegt das Interesse darin, wie Mozart sie trägt: sanft wandernde Harmonien, sorgsame Stimmabstände und eine Balance, die die Ausführenden dazu einlädt, den Satz als intimes Ensemblesingen zu gestalten.

Das Finale, ein Rondò. Allegro, ist flink und gesellig. Hier zeigt sich Mozarts Kunst in Proportion und Timing: Refrain und Episode wechseln einander ab, getragen von einem instinktiven Gespür dafür, wann zur „Heimkehr“ anzusetzen ist, und das Quartett endet mit jener klaren, lächelnden Entschiedenheit, die der frühe Mozart oft mit trügerisch ökonomischen Mitteln erreicht.

Rezeption und Nachwirkung

Die Mailänder Quartette nehmen historisch eine wichtige Zwischenstellung ein. Sie sind noch nicht die vollständig durchgearbeiteten, motivisch integrierten Quartette von Mozarts Wiener Reifezeit, markieren jedoch einen entscheidenden Schritt über das stärker orchestrale, divertimentoartige Streicherschreiben seiner Kindheit hinaus. Ihr dreisätziges Design, die mäßigen technischen Anforderungen und die klare Phrasierung deuten auf praktisches Musizieren – Werke, die gespielt werden sollen, nicht nur bewundert.[1]

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K. 160 ist als Abschluss der Gruppe eine besonders aufschlussreiche Momentaufnahme des 17-jährigen Mozart: bereits souverän in melodischer Erfindung, zunehmend wachsam für klangliche Balance und experimentierend mit dem Quartett als Medium eines charaktervollen Austauschs. Für Ausführende wie Hörende liegt der Gewinn in der Unmittelbarkeit – dem Vergnügen, Mozarts Operninstinkt in Miniatur als kammermusikalische Konversation zu erleben, noch unmittelbar vor den radikaleren stilistischen Fortschritten seiner späteren Quartette.

[1] Wikipedia: overview of the Milanese Quartets (K. 155–160), dating and set context

[2] DME/MoVi (Mozarteum) work listing showing K. 160 as a quartet for 2 violins, viola, and violoncello

[3] Köchel Verzeichnis (Mozarteum) general notes on Mozart’s early three-movement quartets and later Haydn influence (example entry KV 169)

[4] Spanish Wikipedia: movement list and key areas for String Quartet No. 7, K. 160/159a