Finale einer Sinfonie („Ascanio in Alba“) in D-Dur, K. 120
par Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Finale einer Sinfonie in D-Dur (K. 120), 1771 in Mailand komponiert, als er erst fünfzehn war, ist ein glänzendes Presto, gedacht als krönender Abschluss der sinfonia, die mit seiner Hofserenata Ascanio in Alba (K. 111) verbunden ist. Obwohl der Satz lange Zeit als „Sinfonie“ katalogisiert wurde, lässt er sich am besten als festliches, italienisch geprägtes Finale zu einer Ouvertüre verstehen: kompakt, athletisch und mit für den jungen Komponisten ungewöhnlich leuchtenden Orchesterfarben instrumentiert.
Hintergrund und Kontext
Im Herbst 1771 befand sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) auf seiner Italienreise erneut in Mailand und bewegte sich nun mit wachsender Selbstverständlichkeit in der Theater- und Festkultur der Stadt. Der Auftrag zu Ascanio in Alba (K. 111) — einer festa teatrale nach einem Libretto von Giuseppe Parini — stand im Zeichen dynastischer Feierlichkeiten; die Uraufführung fand im Teatro Regio Ducale am 17. Oktober 1771 statt.[2] Dieses Umfeld bildet den Klanghintergrund von K. 120: öffentlich, jubelnd und darauf angelegt, sofort Wirkung zu erzielen.
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K. 120 ist auch deshalb bemerkenswert, weil es an einem spannenden Kreuzungspunkt in Mozarts Entwicklung steht. Es ist weder kindliche „Juvenilia“ noch bereits der Salzburger Sinfoniestil der mittleren 1770er Jahre; vielmehr spiegelt es die Tradition der italienischen Opernouvertüre (sinfonia avanti l’opera) — schnell–langsam–schnell — und die praktische Tatsache, dass Ouvertüren, Serenaten und „Sinfonien“ in den frühen 1770er Jahren durchlässige Gattungsgrenzen hatten.[1]
Entstehung und Uraufführung
Das Köchel-Verzeichnis und die moderne Editionsforschung behandeln den D-Dur-Komplex um Ascanio in Alba als dreisätziges Werk: Die ersten beiden Sätze stammen aus der Ouvertüre der Oper (K. 111), während das Finale — Gegenstand dieses Artikels — separat als K. 120 (historisch auch als K. 111a bekannt) kursierte. Der Eintrag des Köchel-Verzeichnisses der Internationalen Stiftung Mozarteum verknüpft diese Identitäten ausdrücklich: Er führt die „Sinfonie in D nach der Ouvertüre zu Ascanio in Alba“ als K. 111 mit „anderen Werknummern“ einschließlich K. 120 / K. 111a und nennt einen Datierungszeitraum, der am 17. Oktober 1771 beginnt.[1]
Der Kommentar der Neuen Mozart-Ausgabe (wie er im englischen Vorwort des Symphonien-Bandes der Digital Mozart Edition wiedergegeben ist) weist darauf hin, dass Mozart das Ouvertürenmaterial mit diesem Finale kombinierte, und erörtert die Beziehung des Finales zu Finali italienischer Ouvertüren — was die Auffassung stützt, dass dieses Presto dazu gedacht war, den entschiedenen, abschließenden „Kick“ zu liefern, den die Gattung erwartete.[3]
Wie bei vielen funktionalen Orchestersätzen dieser Zeit sind die genauen Umstände der ersten Aufführung des Finales nicht in der Weise dokumentiert, wie es für spätere Wiener Premieren üblich wurde. Am plausibelsten bleibt der Kontext der Mailänder Festlichkeiten rund um Ascanio in Alba im Oktober 1771, in dem ein energischer Schlusssatz sowohl stilistisch passend als auch theaterpraktisch nützlich gewesen wäre.[2]
Instrumentation
Ein besonders überzeugender Grund, K. 120 zu hören, ist seine festliche Besetzung. Das Köchel-Verzeichnis nennt ein volles, brillant ausgeleuchtetes Ensemble, in dem Flöten und Oboen gemeinsam eingesetzt werden, dazu Trompeten und Pauken — ein orchestraler „Glanz“, wie er mit öffentlichen Feierlichkeiten verbunden ist.[1] Die IMSLP-Werkseite zum Finale (dort in der tradierten Sinfonie-Nummerierung geführt) nennt im Wesentlichen dieselben Kräfte und bewahrt sogar die anschauliche historische Farbigkeit der Trompetenbezeichnung („trombe lunghe“).[4]
- Holzbläser: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Hörner
- Blechbläser: 2 Trompeten
- Schlagwerk: Pauken
- Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass
Für einen Fünfzehnjährigen ist das selbstbewusste Musik für den öffentlichen Raum: kein Experimentieren im Kammerformat, sondern Orchester-Rhetorik, die einen großen Raum füllen und ein Ereignis krönen soll.
Form und musikalischer Charakter
K. 120 ist ein einsätziger, mit Presto überschriebener Satz, und sein Charakter hält genau, was die Tempobezeichnung verspricht: hell, vorwärtsdrängend und auf Antrieb statt Nachdenklichkeit angelegt.[4] In der Tradition der italienischen Ouvertüre besteht die Aufgabe des Finales darin, das Publikum mit einem Eindruck unaufhaltsamen Schwungs in das Drama zu entlassen (oder im Serenaten-Kontext weiter in das Spektakel zu tragen); Mozart erfüllt dieses Pflichtenheft mit prägnanten Themenprofilen und energischen Kadenzeinschnitten.
Man hört zudem Mozarts frühe Meisterschaft in der orchestralen „Konversation“. D-Dur begünstigt strahlendes Blech und bewegliche Streicherfigurationen; mit Trompeten und Pauken lassen sich Phrasenenden als zeremonielle „Ankunftspunkte“ markieren, während die Holzbläser das Gewebe aufhellen und formale Gelenke mitprägen.[1] Das Ergebnis ist nicht bloß laut oder schnell: Es ist öffentlich verständliche Musik, deren rhythmischer Biss und klare tonale Zielpunkte die Form auch bei hohem Tempo lesbar halten.
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Im Blick auf Mozarts sinfonische Entwicklung ist dieser Satz besonders lehrreich. Er zeigt, wie Mozart schon vor der breiter angelegten Argumentation der späteren Salzburger Sinfonien und vor den ausgreifenden Finali der Wiener Jahre ein knappes Schlussstück formen konnte, dessen Spannung aus straffer Motivarbeit, rascher harmonischer Bestätigung und leuchtender Orchesterfarbe entsteht — Fähigkeiten, die er später in weit komplexeren Zusammenhängen erneut einsetzen sollte.
Rezeption und Nachwirkung
Die Rezeption von K. 120 ist lange durch die Kataloggeschichte geprägt worden. Ältere Traditionen rechneten es zu Mozarts „frühen Sinfonien“, und in dieser Gestalt erscheint es bis heute auf Referenzseiten und in Aufführungsmaterialien; IMSLP bewahrt beispielsweise die konventionelle Bezeichnung „Sinfonie Nr. 48“, stellt aber zugleich ausdrücklich fest, dass es heute als Finale der *sinfonia* zu *Ascanio in Alba gilt.[4](https://imslp.org/wiki/Symphony_No.48_in_D_major%2C_K.120%2F111a_%28Mozart%2C_Wolfgang_Amadeus%29) Die moderne Mozart-Forschung, wie sie im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums sichtbar wird, betont dagegen die Beziehung zu K. 111 und die Funktion als Teil eines theatralen sinfonia-Komplexes statt als eigenständige Konzertsymphonie im späteren Sinn.[1]
Gerade dieser Status „zwischen den Stühlen“ macht das Werk erneut hörenswert. K. 120 bietet einen konzentrierten Einblick in Mozarts Orchesterstil seiner Italienzeit: zeremonieller Glanz ohne Schwere, Tempo ohne Unschärfe und ein pragmatisches Gespür dafür, was ein Eröffnungs- oder Schlussstück in einem festlichen Theaterrahmen leisten muss. Für sich gehört, ist es ein kompaktes Glanzstück; im Zusammenhang mit Ascanio in Alba gehört, wird es zur anschaulichen Erinnerung daran, dass Mozarts sinfonisches Denken nicht nur in Konzertsälen geformt wurde, sondern auch in der lebendigen, zeitkritischen Welt der Bühne des 18. Jahrhunderts.
[1] International Mozarteum Foundation (Köchel-Verzeichnis): KV 111 entry linking K. 120/111a; dating and instrumentation.
[2] Wikipedia: Ascanio in Alba — premiere date (17 October 1771) and basic context for the serenata.
[3] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe preface PDF for Symphonies IV/11/2): editorial remarks on combining the overture with the finale and genre context.
[4] IMSLP work page: Symphony No. 48 in D major, K. 120/111a — identification as finale from Ascanio in Alba sinfonia; instrumentation and movement details.








