K. 100

Kassation in D-Dur (Serenade Nr. 1), K. 100

av Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts Kassation in D-Dur (oft Serenade Nr. 1 genannt), K. 100 (K⁶ 62a), entstand 1769 in Salzburg, als der Komponist erst 13 Jahre alt war. Für festliche, wahrscheinlich im Freien gedachte Unterhaltung konzipiert, zeigt sie bereits einen sicheren Zugriff auf die Salzburger Serenadentradition – mit einer Mischung aus zeremoniellem Glanz und überraschend ausgefeilten, farbbewusst gestalteten langsamen Sätzen.

Mozarts Leben zu dieser Zeit

1769 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) 13 Jahre alt und nach den Wiener Aufenthalten seiner Kindheit sowie den großen Reisen, die ihn europaweit zur Kuriosität gemacht hatten, wieder in Salzburg. Die höfische und bürgerliche Kultur Salzburgs verlangte kontinuierlich nach funktionaler Orchestermusik – Serenaden, Kassationen, Märschen –, gedacht für Sommerabende, Feiern und öffentliche Anlässe, nicht für den Konzertsaal im späteren Sinn.[1]

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K. 100 gehört zu einer kleinen Gruppe Salzburger „serenadenähnlicher“ Werke aus demselben Jahr (darunter K. 63 und K. 99/63a). Das deutet darauf hin, dass der jugendliche Mozart lernte, den lokalen Bedarf mit ansprechenden, praktischen Stücken zu bedienen – Musik, die im Freien tragen, den verfügbaren Spielern schmeicheln und den Ablauf eines gesellschaftlichen Ereignisses in Schwung halten musste.[1]

Komposition und Manuskript

Die Kassation in D-Dur, K. 100/62a, wird allgemein in den Sommer 1769 nach Salzburg datiert, auch wenn der genaue Anlass ungewiss ist.[1] Wie viele Salzburger Serenaden war sie mit einem einleitenden Marsch verbunden: dem Marsch in D-Dur, K. 62, der der Serenade vorangestellt werden sollte und später im I. Akt von Mozarts Oper Mitridate, re di Ponto wiederverwendet wurde (Uraufführung in Mailand am 26. Dezember 1770).[1]

Die eigentliche Serenade umfasst acht Sätze (der Marsch wird in vielen Verzeichnissen separat gezählt).[1][2] Ihre Besetzung ist festlich und für das Musizieren im Freien zugleich praktisch:

  • Holzbläser: 2 Oboen
  • Blechbläser: 2 Hörner, 2 Trompeten (in D)
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Bass (Violoncello/Kontrabass wie üblich)

Bemerkenswert ist, dass die Autograph-Besetzung des Marsches Berichten zufolge Violoncello und Pauken einschließt – offenbar aus Gründen der praktischen Freilufttauglichkeit in der Serenade selbst weggelassen.[1]

Musikalischer Charakter

K. 100 ist typisch für die Salzburger Kassation/Serenade als „Mehrzweck“-Form: Ein eröffnendes Allegro und ein schneller Schlusssatz rahmen eine Folge kontrastierender Binnennummern, darunter mehrere Menuette.[1] Der Satzplan ist schlicht, aber wirkungsvoll:

  • I. Allegro (D-Dur)
  • II. Andante
  • III. Menuetto e Trio
  • IV. Allegro
  • V. Menuetto e Trio
  • VI. Andante (A-Dur)
  • VII. Menuetto e Trio
  • VIII. Allegro (Rondo-Finale)

Was diese „leichte“ Musik dennoch hörenswert macht, ist die Art, wie Mozart Klangfarbe und Satztechnik als Ausdrucksträger behandelt – nicht bloß als Dekoration. Zeitgenössische Beschreibungen heben eine prominente Führung von Oboen und Hörnern im mittleren Abschnitt hervor und deuten damit auf die soziale Realität hinter den Noten: Serenaden dienten auch als Bühne für bestimmte Hofmusiker.[1]

Noch auffälliger ist der sechste Satz, das Andante in A-Dur, dessen Besetzung von der hellen, zeremoniellen Palette abweicht: gedämpfte Violinen, geteilte Bratschen, pizzicato geführter Bass und Flöten anstelle der Oboen schaffen einen intimen, nächtlichen Klang – genau jene Art „privater“ Poesie, die die Serenade in Mozarts Reife zu einem Genre von echter Tiefe machen sollte.[1] In diesem Licht ist K. 100 nicht bloß ein Lehrlingsstück: Es ist ein frühes Dokument dafür, wie Mozart lernte, Musik zu schreiben, die gesellschaftlich funktioniert und zugleich konzentriertes Hören einfordert – eine essentielle Salzburger Kunst, die er später in den großen Serenaden der 1770er Jahre weiter verfeinern sollte.

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1 Wikipedia: Überblick, Datum/Ort (Salzburg 1769), Zusammenhang mit dem Marsch K. 62 und dessen Wiederverwendung in Mitridate, Übersicht zur Instrumentation, Satzplan sowie Hinweise zur Besetzung des Andante in A-Dur. https://en.wikipedia.org/wiki/Serenade_No._1_%28Mozart%29 2 IMSLP-Werkseite: Katalogdaten zu K. 100/62a (Tonart, Jahr, acht Sätze) sowie Zugriff auf die gemeinfreie Partitur. https://imslp.org/wiki/Cassation_in_D_major%2C_K.100%2F62a_%28Mozart%2C_Wolfgang_Amadeus%29