K. Anh.A 9

Klavierkonzert Nr. 3 in D

av Wolfgang Amadeus Mozart

Klavierkonzert Nr. 3 in D
Veroneser Schule, Giambettino Cignaroli (Salo, Verona 1706-1770) zugeschrieben, Porträt des 13-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart in Verona, 1770. Am 27. November 2019 bei Christie's Paris zur Auktion angeboten, aus der Sammlung der Nachkommen des Pianisten Alfred Cortot.

Hintergrund und Entstehungskontext

Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert Nr. 3 in D-Dur, K. 40, entstand 1767, als Mozart erst 11 Jahre alt war[1]. Zu dieser Zeit war Mozart nach einer ausgedehnten Europareise mit seiner Familie erst kürzlich in seine Heimatstadt Salzburg zurückgekehrt. Auf diesen Reisen (zu denen Mitte der 1760er‑Jahre auch Aufenthalte in Paris und London gehörten) kam das junge Wunderkind mit einer großen Vielfalt musikalischer Stile in Berührung und traf einflussreiche Musiker seiner Zeit[2]. Die europäische Gesellschaft befand sich mitten in der Aufklärung – einer Zeit, in der Kunst und Musik unter der Förderung der Fürstenhöfe aufblühten. Es war üblich, dass begabte Musiker vor dem Adel auftraten, und die Familie Mozart präsentierte sein Talent häufig an europäischen Höfen. Das Alltagsleben im Jahr 1767 brachte jedoch auch Gefahren mit sich: In diesem Jahr brach in Wien eine Pockenepidemie aus, und Mozart selbst steckte sich auf einer Reise an (er erholte sich wieder) – ein Hinweis auf die Herausforderungen jener Epoche[3]. Trotz solcher Unterbrechungen blieben Mozart und sein Vater Leopold auf Wolfgangs musikalische Entwicklung fokussiert.

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Mozarts drittes Klavierkonzert entstand Mitte 1767 in Salzburg als Teil von Leopolds Bestreben, die kompositorische Ausbildung seines Sohnes voranzutreiben[4]. Tatsächlich ist dieses Konzert keine gänzlich eigenständige Mozart‑Schöpfung, sondern ein Pasticcio – eine Bearbeitung von Musik anderer Komponisten. Der junge Mozart nahm vorbestehende Tastenstücke und formte sie zu einem Konzert um; dabei lernte er, für Solist und Orchester zu schreiben[4]. Leopold Mozart wählte vermutlich das Ausgangsmaterial aus (Partituren, die er während ihrer Europareise gesammelt hatte) und führte Wolfgang durch diese Übung[5]. Die Autographe dieses Konzerts zeigen sogar Leopolds Handschrift neben derjenigen Wolfgangs, was darauf hindeutet, dass es sich um eine Gemeinschaftsarbeit und ein Lehrmittel handelte[6]. Das Klavierkonzert Nr. 3 in D gehörte zu vier frühen Klavierkonzerten (Nrn. 1–4), die Mozart mit 11 Jahren vollendete; alle vier basieren auf Sonatensätzen anderer Komponisten und galten lange als Originalwerke, bis Musikwissenschaftler später ihre wahren Ursprünge entdeckten[7]. Bis Juli 1767 war das Konzert fertiggestellt und dürfte dafür bestimmt gewesen sein, von Mozart oder seiner Schwester Nannerl (beide Tastenvirtuosen) bei privaten Konzerten oder Hofveranstaltungen in Salzburg oder auf Reisen aufgeführt zu werden. Dieses Projekt ermöglichte es Mozart, die Konzertform zu erlernen , indem er sich damit auseinandersetzte, wie sich ein Tasteninstrument mit dem Orchester verbinden lässt – und so die Lücke zwischen einfachen Klavierstücken und vollwertigen Orchesterwerken überbrückte[4].

Besetzung und Orchestrierung

Mozart besetzte das D‑Dur‑Konzert für ein bescheidenes klassisches Orchester mit einigen bemerkenswerten Akzenten. Es ist geschrieben für Soloinstrument (Cembalo oder Fortepiano) und ein Orchester, bestehend aus:

Holzbläser: 2 Oboen (im langsamen Satz weggelassen)

Blechbläser: 2 Hörner in D, 2 Trompeten in D (die Trompeten schweigen im zweiten Satz)[8]

Streicher: Violinen, Violen, Violoncelli und Kontrabässe (die übliche Streicherbesetzung)

Diese Besetzung ähnelt Mozarts anderen frühen Konzerten, mit der Ausnahme, dass Nr. 3 zusätzlich Trompeten enthält, was den Ecksätzen einen hellen, festlichen Charakter verleiht[9]. (D‑Dur war im 18. Jahrhundert oft mit Trompeten und festlichen Anlässen assoziiert.) Auffällig ist, dass in dieser Partitur keine Klarinetten, Flöten oder Pauken vorkommen – die Besetzung bleibt klein und spiegelt die Entstehung des Werks als Bearbeitung von Tastenstücken sowie die Größenordnung der Orchester wider, die Mozart in Salzburg zur Verfügung standen. Der Klavierpart wäre ursprünglich auf einem Cembalo oder einem frühen Klavier gespielt worden, wobei der Solist das Ensemble vermutlich auch leitete. Mozart und sein Vater bereiteten ausnotierte Kadenzen für dieses Konzert vor, die überliefert sind[10]. Diese Kadenzen (virtuose Solopassagen, die der Spieler typischerweise improvisiert) belegen, dass das Werk tatsächlich für Aufführungen bestimmt war und dass Mozart schon mit 11 Jahren als Interpret‑Komponist heranreifte, der im Konzert virtuose Glanzlichter setzen konnte.

Form und musikalischer Charakter

Struktur: Das Klavierkonzert Nr. 3 folgt dem für klassische Konzerte typischen dreisätzigen Schema schnell–langsam–schnell. Die Sätze sind:

  • Allegro maestoso – D‑Dur (im Viervierteltakt). Ein selbstbewusster, strahlender erster Satz.
  • Andante – A‑Dur (im Zweivierteltakt). Ein sanfter, lyrischer langsamer Satz (mit Trompeten und Oboen tacet für eine weichere Klangfarbe)[8].
  • Presto – D‑Dur (im Dreiachteltakt). Ein schnelles, temperamentvolles Finale.

Das musikalische Material jedes Satzes wurde einem Werk eines anderen Komponisten entnommen, das Mozart gekonnt für Tasteninstrument und Orchester einrichtete[10]. Der eröffnende Allegro maestoso basiert auf dem ersten Satz einer Sonate von Leontzi Honauer (Op. 2, Nr. 1)[10]. Daher spiegeln seine Themen den eleganten galanten Stil jenes französisch‑deutschen Komponisten wider: melodiös und geordnet, mit leichter Begleitung. Mozart erweiterte Honauers Tastenmusik, indem er orchestrale Ritornelle (Einleitungen und Zwischenspiele für das Ensemble) schrieb und den Solopart für die Darstellung auf Cembalo/Klavier anpasste. Der zweite Satz Andante nimmt seine Melodie aus einem Stück von Johann Gottfried Eckard (Op. 1, Nr. 4)[10] – Eckard war ein gefeierter deutscher Tastenvirtuose in Paris, den die Familie Mozart kannte[11]. Dieses Andante ist der längste Satz und besitzt eine anmutige, sangliche Qualität; Mozarts Orchestrierung ist hier zurückhaltend und lieblich und lässt das Soloinstrument eine ausdrucksvolle kantable Linie tragen. Das Finale Presto wurde aus einem Werk von Carl Philipp Emanuel Bach mit dem Titel “La Böhmer” (Anfang der 1760er‑Jahre veröffentlicht)[10]. C.P.E. Bach (ein Sohn von J.S. Bach) war für seinen kühnen, expressiven Stil berühmt; dementsprechend ist der Schlusssatz des Konzerts lebhaft und in der Stimmung etwas abenteuerlicher. Er bietet einen mitreißenden Abschluss mit schnellen Passagen und dynamischen Kontrasten, die die Zuhörer begeistert haben dürften. Mozarts Entscheidung, C.P.E. Bachs spritziges Stück für das Finale zu verwenden, brachte diesem Konzert vermutlich zusätzliche Spannung und Komplexität und machte den dritten Satz für seine Zeit zu einem besonderen Höhepunkt.

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Stilistisch ist K. 40 in der spätbarocken/frühklassischen Ästhetik der 1760er Jahre verwurzelt. Die Musik ist charmant, klar und jugendlich – geprägt von ausgewogenen Phrasen und gefälligen Melodien statt von dramatischer Innovation. Da das Konzert im Wesentlichen eine Lernübung war, zeigt es nicht jene originale thematische Fülle, für die Mozarts spätere Konzerte berühmt wurden[12]. In heutigen Einschätzungen stellen Musikwissenschaftler fest, dass diese frühen Konzerte relativ schlichte Werke im Vergleich zu Mozarts reifen Kompositionen sind: Mozart fügte den entliehenen Themen nur kurze Orchestervorspiele und Übergänge hinzu, und es gibt innerhalb der Sätze kaum Entwicklung oder neues sekundäres Material[12]. Auch die Arbeitsteilung zwischen Orchester und Solisten ist einfacher – bisweilen verdoppelt das Klavier lediglich als Continuo-Instrument, statt in jene Art von anspruchsvollem Dialog einzutreten, wie man ihn in Mozarts Konzerten der 1780er Jahre findet[12]. Doch können Hörer Anklänge an Mozarts aufkeimendes Genie erkennen. Das Konzert zeigt eine gute formale Balance und einen klaren Kontrast zwischen den Sätzen und kündigt damit die strukturelle Logik seiner späteren Werke an[13]. So sind etwa, wenn auch im kleinen Maßstab, die Abschnitte des Allegro (Exposition, Mittelteil, Reprise) so proportioniert, dass sie die Architektur seiner späteren Konzerte widerspiegeln[13]. Die jugendliche Energie des Presto-Finales und die elegante Schlichtheit des Andante spiegeln beide musikalische Instinkte wider, die Mozart mit zunehmendem Alter verfeinern sollte. Insgesamt ist der musikalische Charakter des Klavierkonzerts Nr. 3 anmutig und gefällig, wenn auch nicht so thematisch reich wie Mozarts spätere Musik, und bietet einen faszinierenden Einblick, wie ein Elfjähriger die zeitgenössischen Stile aufnahm und in seine eigene Kunst verwandelte.

Rezeption und Nachwirkung

Mozarts Klavierkonzert Nr. 3 in D-Dur wurde zu seinen Lebzeiten nicht veröffentlicht und blieb – wie seine anderen frühen Konzerte – ein privates Stück für Aufführungen der Familie Mozart und pädagogische Zwecke. Tatsächlich nahm Leopold Mozart diese ersten vier Konzerte nicht in seinen 1768er Katalog der Werke seines Sohnes auf, was darauf hindeutet, dass er sie nicht als vollständig originale Kompositionen ansah, die eine offizielle Opusnummerierung verdienten[6]. Über die genaue Uraufführung gibt es keine Aufzeichnungen, doch ist es wahrscheinlich, dass Mozart dieses Konzert selbst spielte (vielleicht in Salzburg oder bei Familienkonzerten vor aristokratischem Publikum), sobald es vorbereitet war – der Erhalt von Wolfgangs ausgeschriebenen Kadenzen deutet darauf hin, dass er oder seine Schwester es unter Leopolds Aufsicht aufführten[10]. Über Jahrzehnte waren Mozarts frühe Konzerte nur aus Handschriften in Archiven bekannt (heute wird das Autograph von K.40 in der Jagiellonen-Bibliothek in Krakau aufbewahrt[14]). Lange hielt man sie für jugendliche Originalwerke Mozarts, bis Musikwissenschaftler im 19. und 20. Jahrhundert sie erforschten und entdeckten, dass das Konzert Nr. 3 und die dazugehörigen Werke Bearbeitungen von Sonaten anderer Komponisten waren[7]. Diese Erkenntnis hat ihren Status im Mozart-Kanon etwas herabgestuft – statt als frühreife Meisterwerke zu gelten, versteht man sie nun als einfallsreiche Übungen in Stil und Orchestrierung.

In der Gegenwart wird das Klavierkonzert Nr. 3 in D-Dur, K. 40, in Konzertsälen selten aufgeführt im Vergleich zu Mozarts späteren Klavierkonzerten. Sein bescheidener Umfang und sein abgeleiteter Charakter machen es vor allem aus historischer und pädagogischer Perspektive interessant. Gleichwohl hat das Werk einen festen Platz in Mozarts Gesamtverzeichnis und wurde im Rahmen vollständiger Einspielungen der Klavierkonzerte von verschiedenen Pianisten aufgenommen. Hörer und Wissenschaftler schätzen es heute dafür, was es über Mozarts Entwicklung verrät. Es zeigt, wie der junge Komponist die musikalische Sprache seiner Zeitgenossen aufnahm und den Austausch zwischen Solist und Orchester zu gestalten lernte. Kritiker haben angemerkt, dass es zwar nicht die Originalität von Mozarts reifen Werken besitzt, wohl aber einen gewissen Charme und Klarheit die für Mozarts kindliches Schaffen charakteristisch sind[12]. Die Nachwirkung des Konzerts ist somit eng mit Mozarts Biografie verknüpft: Es zeichnet das Bild eines elfjährigen Genies bei der Arbeit, das das Beste der europäischen Musik der Mitte des 18. Jahrhunderts in seine eigene Stimme überführt. Rückblickend dient das Klavierkonzert Nr. 3 in D-Dur auf Mozarts Weg als kleiner, aber bedeutungsvoller Schritt , der den Boden bereitete für die bahnbrechenden Klavierkonzerte, die er in den folgenden Jahren komponieren sollte[5][13].

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Sources

[1] Piano Concerto No.3 in D major, K.40 (Mozart, Wolfgang Amadeus) - IMSLP

https://imslp.org/wiki/Piano_Concerto_No.3_in_D_major,_K.40_(Mozart,_Wolfgang_Amadeus)

[2][5] Konzert für Klavier und Orchester Nr.3 D-Dur K.40 - Mozart, Wolfgang Amadeus - PTNA Piano Music Encyclopedia

https://enc.piano.or.jp/en/musics/257

[3] Mozart and smallpox - Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/Mozart_and_smallpox

[4][6][7][8][9][10][11][12][13][14] Piano Concertos Nos. 1–4 (Mozart) - Wikipedia

https://en.wikipedia.org/wiki/Piano_Concertos_Nos._1%E2%80%934_(Mozart)