K. Anh.H 10,23

Kanon in c-Moll für 2 Stimmen im Einklang (zweifelhaft), K. Anh.H 10,23

av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

Der Kanon in c-Moll für 2 Stimmen im Einklang (K. Anh.H 10,23) ist ein kurzer vokaler Kanon, der mit Wien im Jahr 1782 in Verbindung gebracht wird, als Wolfgang Amadeus Mozart 26 Jahre alt war. Die Zuschreibung ist zweifelhaft; die überlieferte Tradition bewahrt ihn dennoch als kompakte Studie strenger Imitation zu den Worten „Selig, selig alle.“[1]

Hintergrund und Kontext

In Mozarts Wien des Jahres 1782 – inmitten eines blühenden Schaffens, das vom Theater bis zur Kammermusik reichte – boten Kanons ein praktisches Feld für Kontrapunkt: Musik, die vom Blatt gesungen wurde, im Freundeskreis erprobt und wegen ihrer Kunstfertigkeit ebenso geschätzt wie wegen ihres Reizes. Dieses kleine Stück ist als Kanon für zwei Stimmen „im Einklang“ überliefert (eine einzige notierte Zeile, die in strenger Imitation zwei Stimmen hervorbringen soll), doch ist es nicht sicher als Werk Mozarts beglaubigt und wird als zweifelhaft katalogisiert.[1]

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Der Textincipit ist als „Selig, selig alle …“ erhalten und wird mit dem Dichter Ludwig Heinrich Christoph Hölty in Verbindung gebracht; der Kanon knüpft damit an die fromme Tröstung „Selig sind alle, die im Herrn einschlafen“ an – ein Ton, der weit entfernt ist von der derb-geselligen Vertrautheit mancher bekannterer Mozart-Kanons.[1][2]

Musikalischer Charakter

In c-Moll notiert und für zwei unbegleitete Stimmen gedacht, ist der Kanon eine Miniatur im strengen Stil: Eine einzige melodische Linie ist so angelegt, dass sie von einer zweiten Stimme in festem Abstand gespiegelt wird, wodurch sich die Harmonik gewissermaßen „automatisch“ entfaltet, während die Imitation voranschreitet.[3] Der Affekt ist entsprechend konzentriert – eher nach innen gewandt als theatralisch –, und doch spricht das Stück in den knappen, gut singbaren Phrasen, die für das gesellige Musizieren des späten 18. Jahrhunderts typisch sind. Selbst wenn die Autorschaft unsicher bleibt, zeigt das Stück, wie eine einfache kanonische Anlage innerhalb weniger Takte zu ausdrucksvoller Schwere gelangen kann.[1]

[1] Digital Mozart Edition (Mozarteum): NMA III/10 Canons table of contents listing “Canon for two voices (“Selig, selig”, Hölty) K. Anh. H 10,23 (230; 382b)”

[2] The LiederNet Archive: Hölty text beginning “Selig, selig alle, die im Herrn entschliefen!”

[3] IMSLP: work page for *Canon for 2 Voices in C minor*, K.230/382b (general info: key, scoring, year, first publication notes)