Ein deutsches Kriegslied, K. 539 (A-Dur)
de Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Ein deutsches Kriegslied (K. 539) ist ein knappes, ausdrücklich öffentliches „Theaterlied“ in A-Dur, das er am 5. März 1788 in Wien, im Alter von 32 Jahren, in sein eigenes Werkverzeichnis eintrug. Auf Johann Wilhelm Ludwig Gleims Text „Ich möchte wohl der Kaiser sein“ komponiert, greift es die Welle patriotischer Begeisterung im Umfeld von Kaiser Josephs II. Türkenfeldzug auf und wurde bald im Wiener Leopoldstädter Theater aufgeführt.
Hintergrund und Kontext
Mozart komponierte Ein deutsches Kriegslied („A German War Song“), K. 539, in Wien Anfang 1788 und datierte es in seinem persönlichen thematischen Katalog (Verzeichnüß) auf den 5. März – in einer Zeit, in der der Krieg des Habsburgerhofs gegen das Osmanische Reich in öffentlichen Vergnügungen und aktueller Gebrauchsmusik lautstark widerhallte.[2]
Obwohl das Stück mitunter zu bühnenbezogenen Vokalnummern gerechnet wird, handelt es sich im Kern um ein eigenständiges Konzert- bzw. Theaterlied: ein einsätziger Beitrag für Bass-Solo und Orchester nach einem Gedicht von Johann Wilhelm Ludwig Gleim, beginnend mit „Ich möchte wohl der Kaiser sein“.[1] Mozarts Widmung (an „F. Baumann“) und die früheste Aufführungstradition weisen eher auf die Wiener populäre Bühne als auf das höfische Opernhaus hin.[1]
Musikalischer Charakter
Schon auf dem Papier ist K. 539 auf Durchschlagskraft und unmittelbare Wirkung angelegt: ein Bass-Solist, getragen von einem Orchester mit Piccolo, je zwei Oboen und Fagotten, zwei Hörnern, Streichern – und, besonders auffällig, Becken und großer Trommel, die der Nummer bewusst ein „türkisches“ (alla turca) militärisches Gepräge geben.[1] Dieses Schlagwerk, in Mozarts Liedern selten, rückt das Werk in die Nähe öffentlichen Spektakels: ein patriotisches Tableau en miniature statt eines privaten Liedes.
Die Vokallinie liegt einer tiefen Männerstimme natürlich und setzt eher auf klare Deklamation als auf lyrische Ausweitung – ganz im Sinne der tagespolitischen Rhetorik und der theatralischen Vortragsweise. Insgesamt zeigt Ein deutsches Kriegslied Mozart, der sich im schwierigen Wiener Jahr 1788 dem aktuellen Zeitgeschehen der Stadt zuwendet und Charakter, Klangfarbe und eine beinahe propagandistische Unmittelbarkeit auf wenigen Seiten bündelt.
[1] IMSLP work page: composition date (5 March 1788), scoring (bass and orchestra with cymbals & bass drum), poet (Gleim), dedication (F. Baumann), and performance note.
[2] MozartDocuments (Otto Erich Deutsch documents): contextual note linking K. 539 to early 1788 war enthusiasm; cites Mozart’s catalogue entry date (5 March 1788).