K. 166

Divertimento Nr. 3 in Es-Dur, K. 166 (K⁶ 159d)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Divertimento in Es-Dur, K. 166 (datiert Salzburg, 24. MĂ€rz 1773) ist ein jugendliches, aber erstaunlich souverĂ€nes StĂŒck fĂŒr ein farbenreich besetztes BlĂ€serensemble von zehn Spielern. Entstanden im Alter von 17 Jahren, steht es am Anfang seines reifen Denkens fĂŒr BlĂ€ser—es erkundet bereits Klanglichkeit, Dialog und einen leicht theatralischen Sinn fĂŒr den besonderen Anlass.

Hintergrund und Kontext

Im Salzburg der frĂŒhen 1770er Jahre war instrumentale „Gelegenheitsmusik“ kein Randgebiet, sondern ein zentraler Bestandteil des Handwerks eines praktizierenden Komponisten. Serenaden und Divertimenti lieferten Klang fĂŒr gesellschaftliche ZusammenkĂŒnfte, Feste im Freien und höfische Unterhaltung—Musik, die sofort gefallen sollte, dabei jedoch durchaus Witz und Einfallsreichtum entfalten konnte. Mozart, 1773 frisch 17-jĂ€hrig, war eben von seiner dritten Italienreise (1772–73) zurĂŒckgekehrt, und Salzburg wurde erneut der Ort, an dem er das im Ausland Aufgenommene zu einem persönlichen Stil verdichtete.

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K. 166 gehört zu einem sehr spezifischen Bereich dieser Welt: dem Divertimento fĂŒr BlĂ€ser. Anders als die spĂ€teren, weithin gefeierten BlĂ€serserenaden („Gran Partita“ K. 361, K. 375, K. 388) steht dieses Werk fĂŒr eine frĂŒhere Entwicklungsstufe—zupackend, kompakt und eher auf VergnĂŒgen als auf TiefgrĂŒndigkeit angelegt. Gerade deshalb verdient es Aufmerksamkeit: Es zeigt Mozart dabei, wie er—gleichsam vor Publikum—lernt, idiomatisch fĂŒr ein Ensemble zu schreiben, das weder Orchester noch Streichquartett ist: eine eigenstĂ€ndige „BlĂ€serbande“, fĂ€hig zu Glanz wie zu WĂ€rme.

Entstehung und UrauffĂŒhrung

Das Werk ist auf den 24. MĂ€rz 1773 datiert und mit Salzburg verbunden, wie es in gĂ€ngigen Katalogen und modernen Nachschlagewerken vermerkt ist.[1][2] In Forschung und musikalischer Anlage ist es mit dem Schwesterdivertimento K. 186/159b gepaart; beide werden hĂ€ufig zusammen als Mozarts frĂŒheste umfangreichere Versuche fĂŒr diese spezielle, zehnstimmige BlĂ€sertextur behandelt.[3]

Wie bei vielem Salzburger Divertimento-Repertoire sind die UmstĂ€nde der ersten AuffĂŒhrung nicht zuverlĂ€ssig dokumentiert. Die Besetzung jedoch—insbesondere die prominenten Klarinetten und Englischhörner—hat seit langem Diskussionen darĂŒber angeregt, wo (und fĂŒr wen) ein solches Ensemble ĂŒberhaupt verfĂŒgbar gewesen sein könnte. Moderne Kommentare bringen diese beiden Divertimenti hĂ€ufig mit möglichen Auftrags- oder berufsbezogenen Hoffnungen im Umfeld von Erzherzog Leopold (Großherzog der Toskana) in Verbindung, auch wenn die Quellenlage dafĂŒr nicht eindeutig ist.[2]

Besetzung

Mozart schreibt K. 166 fĂŒr ein BlĂ€ser-Dekett (10 Spieler), eine fĂŒr 1773 ungewöhnlich reichhaltige Klangpalette:[2]

  • HolzblĂ€ser: 2 Oboen, 2 Englischhörner, 2 Klarinetten, 2 Fagotte
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner

Zwei Merkmale sind besonders bemerkenswert.

Erstens ist die Einbeziehung von Englischhörnern (Altoboen) bei Mozart selten genug, um sofort aufhorchen zu lassen: Ihr dunkler, verschleierter Klang erweitert die Mittellage des Ensembles und begĂŒnstigt eine stĂ€rker gemischte, chorartige SonoritĂ€t, als sie ein von Oboen gefĂŒhrtes Oktett von Natur aus hervorbringen wĂŒrde. Zweitens verweisen die Klarinetten—vielerorts damals noch relativ neu—auf die instrumentale Zukunft der 1780er Jahre, in denen Mozart mit unvergleichlicher Zuneigung fĂŒr dieses Instrument schreiben sollte.

Form und musikalischer Charakter

IMSLP und die gÀngigen Werkverzeichnisse nennen vier SÀtze:[2]

  • I. *Allegro
  • II. *Menuetto – Trio – Coda
  • III. *Andante grazioso
  • IV. *Adagio – Allegro

I. Allegro

Der Kopfsatz macht Mozarts Divertimento-PrioritĂ€ten sofort deutlich: klare Phrasen, rasche Kontraste und ein strahlendes Es-Dur, das sich fĂŒr Klang im Freien bestens eignet. Die EnsemblefĂŒhrung ist grundsĂ€tzlich dialogisch—Paare gleicher Instrumente antworten einander—doch die Zehnstimmigkeit erlaubt Mozart schnelle Texturwechsel: von voll harmonisierten BlĂ€ser-„Chören“ zu schlankeren Partien, in denen ein einzelnes Paar (oft Klarinetten oder Oboen) in den Vordergrund tritt.

II. Menuetto – Trio – Coda

Das Menuett ist nicht bloß ein eingeschobener Tanz, sondern eine Balanceprobe. Mozart verteilt das Gewicht im Ensemble so, dass die Musik festlich wirkt, ohne schwer zu werden: Hörner und Fagotte geben harmonische Erdung, wĂ€hrend die hohen BlĂ€ser die schreitende Eleganz des Tanzes artikulieren. Das Trio bringt einen Farbwechsel—zu den leisen Freuden dieses Divertimentos gehört, wie mĂŒhelos die Englischhörner die AtmosphĂ€re allein durch eine kleine Umbesetzung verdunkeln können.

III. Andante grazioso

Die Bezeichnung grazioso („anmutig“) trifft die Absicht des Satzes: lyrische Ungezwungenheit statt öffentlicher Zurschaustellung. Hier wird Mozarts BlĂ€sersatz stĂ€rker vokal gedacht; er formt lange Linien, die zu getragenem Atem und sorgfĂ€ltiger Mischung einladen. Gerade in solchen langsamen SĂ€tzen zeigt sich der Wert der Dekett-Besetzung: Englischhörner und Fagotte können die Harmonie von innen „wĂ€rmen“, sodass die Klarinetten singen dĂŒrfen, ohne jene spröde SchĂ€rfe, die Oboen allein hervorrufen können.

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IV. Adagio – Allegro

Die langsame Einleitung des Finales (Adagio) setzt einen etwas feierlicheren Ton, bevor ein Allegro die heitere Helligkeit des Divertimentos wiederherstellt. Mozart rahmt den Schlusssatz gewissermaßen wie eine Miniatur-BĂŒhnenszene: ein kurzer eröffnender „Vorhang“, gefolgt von energischer Handlung. Der Eindruck ist nicht sinfonische Argumentation, sondern gesellschaftliche Belebtheit—Musik, die die Zuhörer durch wechselnde instrumentale Schlaglichter aufmerksam hĂ€lt.

Rezeption und Nachwirkung

K. 166 gehört nicht zu Mozarts am hĂ€ufigsten programmierten Werken, und seine relative Unbekanntheit hat praktische GrĂŒnde: Es verlangt ein spezialisiertes Ensemble (einschließlich Englischhörnern) und steht außerhalb des bekannteren „Harmoniemusik“-Kanons der 1780er Jahre. FĂŒr Hörer jedoch, die sich fĂŒr Mozarts Entwicklung interessieren, ist es von unschĂ€tzbarem Wert.

Das Divertimento zeigt Mozart bereits mit einem VerstĂ€ndnis von instrumentaler Farbe als Form—also nicht nur, was Themen tun, sondern welche Klangfarben sie tragen und wie eine VerĂ€nderung der Besetzung wie ein Stimmungswechsel wirken kann. Zusammen mit dem Schwesterwerk K. 186/159b gehört, offenbart es zudem einen jugendlichen Komponisten, der eine Schreibweise fĂŒr BlĂ€serensemble verfeinert, die spĂ€ter in den großen Serenaden und in den opernhaften BlĂ€sertexturen von Idomeneo und Le nozze di Figaro aufblĂŒhen sollte.

Alles in allem verdient Divertimento Nr. 3 in Es, K. 166 Aufmerksamkeit als frĂŒhes Salzburger Werk mit italienisch geschulter SouverĂ€nitĂ€t: gewiss Unterhaltungsmusik, aber Unterhaltung, gedacht mit dem Ohr eines Komponisten fĂŒr Charakter, Klang und die Freuden wohlbalancierter Konversation unter BlĂ€sern.

[1] Mozart Project — worklist entry giving date and place (K. 166/159d, 24 March 1773, Salzburg).

[2] IMSLP — Divertimento in E-flat major, K. 166/159d: instrumentation, movement list, and cataloging details (including March 24, 1773).

[3] Wikipedia — contextual overview of the paired divertimenti for ten winds (K. 186/159b and K. 166/159d).