Divertimento in D für zwei Soloviolinen und Orchester (Fragment), K. 666
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts Divertimento in D-Dur (Fragment), K. 666, ist eine unvollendete Skizze aus dem Jahr 1773 für zwei Soloviolinen mit Orchester – ein reizvoller Einblick in das Denken des siebzehnjährigen Komponisten in „Serenaden“-Dimensionen, bei zugleich konzertanter, dialogisch geprägter Satzanlage. Das erhaltene Autograph ist äußerst kurz (nur zwei Blätter), deutet aber bereits auf den Salzburger Geschmack für Freiluftunterhaltungen hin, die durch prominent hervortretende Soloinstrumente belebt werden.
Hintergrund und Kontext
1773 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) siebzehn Jahre alt, frisch von seiner dritten Italienreise zurückgekehrt und wieder eingebunden in das höfisch-bürgerliche Musikleben Salzburgs. Das heute als K. 666 katalogisierte Fragment ist als unvollendetes Werk in D-Dur überliefert, erhalten in einem autographen Partitur-Entwurf aus Salzburg, der laut Eintrag im Köchel-Verzeichnis des Mozarteums in ein weites Zeitfenster „03.1773 – 05.1775“ fällt. [1]
Überliefert ist wenig, aber Konkretes: eine autographe Partitur von zwei Blättern (drei beschriebenen Seiten). [1] Die Besetzung rückt das Stück bereits in die Salzburger Serenaden-/Divertimento-Welt – Musik, die häufig darauf angelegt war, farbiges, „herausgestelltes“ Schreiben zu ermöglichen – und überschneidet sich zugleich mit dem Bereich des Doppelkonzert-Denkens (zwei gleichberechtigte Solisten dem größeren Ensemble gegenübergestellt). [2]
Musikalischer Charakter
Die Instrumentation ist für ein derart kurzes Fragment ungewöhnlich ausdrücklich: zwei Soloviolinen (vl1-solo, vl2-solo) plus ein Orchesterapparat mit Oboen, Hörnern und geteilten Bratschen innerhalb der Streicher (wie im Instrumentationsfeld des Köchel-Verzeichnisses aufgeführt). [1] Auch ohne vollständig ausgearbeiteten Satzplan weist dies auf eine concertante Satzweise: Die beiden Soloviolinen sind als eigenständige Protagonisten gedacht und nicht bloß als verstärkte erste und zweite Stimmen.
In einer solchen D-Dur-Klangwelt, die nach „draußen“ tendiert – Oboen und Hörner lassen den Streicherklang aufleuchten –, zielte Mozart vermutlich auf Brillanz und Durchsetzungskraft, wobei das Solopaar das Material in engem Dialog austauscht (ein Kennzeichen späteren sinfonia concertante-Schreibens), statt auf die gleichförmigere, „Streichersinfonie“-artige Manier seiner kompakten Salzburger Divertimenti nur für Streicher. Die erhaltenen Seiten sind jedoch zu fragmentarisch, um über den Eindruck eines auf Orchestermaßstab angelegten Beginns hinaus einen sicheren formalen Plan zu rekonstruieren. [1]
Stellung im Werkverzeichnis
K. 666 steht ganz natürlich in der Salzburger Serenadentradition mit ihrer Vorliebe dafür, im Rahmen im Grunde orchestraler Unterhaltungsmusik solistische Bravour einzuschalten – eine Idee, die Mozart später in reifen konzertanten Werken mit weit größerer Anlage und Vollendung verwirklichen sollte. Schon die Prämisse des Fragments (zwei Soloviolinen gegen Orchester) zeigt den jugendlichen Mozart dabei, eine öffentliche, extrovertierte instrumentale Rhetorik jenseits des rein kammermusikalischen Divertimentos zu erproben.
[1] International Mozarteum Foundation, Köchel-Verzeichnis entry for K. 666: status (uncompleted), dating window, key, surviving autograph description, and instrumentation list.
[2] Digital Mozart Edition (NMA online), Table of Contents for NMA IV/12/6 (Cassations, Serenades, and Divertimentos for Orchestra, Vol. 6), showing K. 666 as an appendix fragment.