Die Schuldigkeit des ersten Gebots (K. 35)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts Die Schuldigkeit des ersten Gebots (K. 35) ist ein geistliches Singspiel, das 1767 in Salzburg begonnen wurde – der Komponist war damals erst 11 Jahre alt. Für die Fastenzeit als erbauliches Drama im Umfeld von Hof und Schule konzipiert, zeigt es einen frühen – und doch bereits ausgesprochen theatralischen – Mozart, der erprobt, wie sich opernhafte Rhetorik in den Dienst einer moralischen Allegorie stellen lässt.
Mozarts Leben zu dieser Zeit
1767 war Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) als Elfjähriger wieder in Salzburg – ein Kind, das auf seinen Reisen bereits eine verblüffende Vielfalt europäischer Stile in sich aufgenommen hatte. Das Salzburger Musikleben, geprägt vom Hof des Fürsterzbischofs, pflegte eine ausgeprägte Tradition geistlicher Werke, die sich der Mittel des Theaters bedienten – Arien, Rezitative, Ensembles –, ohne im weltlichen Sinn zur Oper zu werden. Die Schuldigkeit des ersten Gebots gehört ganz in diese Sphäre: ein Fasten-Moraldrama, das belehren und bewegen sollte, nicht um seiner selbst willen unterhalten.[1][2]
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Heute begegnet man dem Werk mitunter als „Fragment“, weil Mozart nur Teil I eines ursprünglich dreiteiligen Projekts komponierte – eine in Salzburg verbreitete Praxis, bei der mehrere Komponisten jeweils eigene Abschnitte zu einem geistlichen Drama beisteuerten.[1] Dieser Umstand kann den eigentlichen Reiz verdecken: Innerhalb einer streng didaktischen Gattung denkt der junge Mozart bereits wie ein Dramatiker und weist allegorischen Figuren scharf konturierte, gegeneinander abgesetzte musikalische Profile zu.
Komposition und Handschrift
Das Libretto wird heute Ignaz Anton von Weiser zugeschrieben, einem Salzburger Stadtbeamten und Schriftsteller; moderne Dokumente (wie in der Fachliteratur nachgewiesen) stützen diese Zuschreibung.[3][4] Die handelnden Personen sind allegorisch angelegt: Christgeist (der Geist des Christentums), Barmherzigkeit (göttliche Barmherzigkeit), Gerechtigkeit (göttliche Gerechtigkeit), Weltgeist (Weltlichkeit) und Der Christ (die christliche Seele, die sich entscheiden muss).[1]
Die Uraufführung von Mozarts Anteil fand am 12. März 1767 in Salzburg statt, im Rittersaal der fürsterzbischöflichen Residenz.[5] Moderne Ausgaben führen Mozarts Beitrag als K. 35; die Überlieferung des Werks ist zudem durch wissenschaftliche Katalogisierung und kritische Editionsarbeit im Umfeld der Neuen Mozart-Ausgabe weiter abgesichert.[6]
Musikalischer Charakter
Was Die Schuldigkeit des ersten Gebots so beachtenswert macht, ist die Art, wie das Werk schon ungewöhnlich früh Mozarts Instinkt für Charakterzeichnung in musikalischer Sprache erkennen lässt. Der Konflikt ist lehrhaft (das Erste Gebot), doch das Theater ist psychologisch: Überredung, Widerstand, Verführung, Angst und Entschlossenheit erhalten jeweils eigene rhetorische „Stimmen“. Mit anderen Worten: Das Stück ist nicht bloß fromme Deklamation, sondern ein geistliches Streitgespräch – als Drama auf die Bühne gestellt.
Auch ohne die Partitur als „Oper im Kirchengewand“ zu lesen, lässt sich hören, wie Mozart mit Bausteinen experimentiert, die später seine reifen Bühnenwerke tragen: prägnante Kontraste zwischen Figuren, die Fähigkeit des Rezitativs, gleichsam laut zu denken, und die Arie als Moment moralischer Selbstbestimmung. Die allegorische Besetzung schärft diese Gegensätze noch – Weltgeist darf mit weltlichem Charme schillern, während Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gegensätzliche (doch einander ergänzende) göttliche Eigenschaften verkörpern, deren musikalisches Gepräge unmittelbar verständlich sein muss.[1]
Historisch dokumentiert das Werk zudem eine spezifische Salzburger Tradition, die unter veränderten kulturellen und kirchlichen Prioritäten bald zurückging. In diesem Sinn ist K. 35 doppelt wertvoll: frühe Mozartmusik – und zugleich eine Momentaufnahme einer institutionell geprägten Gattung, des geistlichen Fastendramas, das einen Wunderknaben darin schulte, liturgische Zielsetzung mit Bühnenkunst zu verschmelzen.[7]
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[1] Wikipedia overview (genre, characters, Salzburg multi-composer practice, context)
[2] Köchel-Verzeichnis (Internationale Stiftung Mozarteum): work entry for K. 35
[3] IMSLP work page: catalog details and libretto attribution
[4] German Wikipedia: Ignaz Anton von Weiser (biographical context; connection to K. 35)
[5] Forsyths (Urtext edition product page): performance date and venue (12 March 1767, Knights’ Hall, Salzburg)
[6] IMSLP index for the Neue Mozart-Ausgabe (NMA): volume listing including K. 35
[7] Köchel-Verzeichnis contextual note on Salzburg school-drama tradition (mentions K. 35)









