K. Anh.A 22

De profundis clamavi (c-Moll), K. Anh.A 22 — unecht (Johann Georg Reutter)

av Wolfgang Amadeus Mozart

Posthumous portrait of Mozart by Barbara Krafft, 1819
Mozart, posthumous portrait by Barbara Krafft, 1819

De profundis clamavi in c-Moll (K. Anh.A 22) ist eine kurze lateinische Vertonung von Psalm 130, lange Zeit mit Mozart in Verbindung gebracht, heute jedoch allgemein als unecht angesehen und Johann Georg Reutter zugeschrieben. Ein gesichertes Datum, ein Entstehungsort oder ein Mozart-Autograf sind nicht bekannt; das Überlieferte lässt sich am besten als eine devotional gedachte Psalmvertonung verstehen, die durch spätere Quellen und Abschriften tradiert wurde.[1][2]

Hintergrund und Kontext

Obwohl das Werk in älteren Mozart-Verzeichnissen und Ausgaben als De profundis clamavi (mitunter unter K. 93) erscheint, wird die Autorschaft heute meist Johann Georg Reutter zugeschrieben (in modernen Listen häufig als Reutter „der Jüngere“ geführt); Mozarts Bezug reduziert sich—wenn überhaupt—auf Überlieferung und Abschrift, nicht auf die Komposition.[1][3]

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Der Text (Psalm 130, „Aus der Tiefe“) hatte in der katholischen Praxis eine feste liturgische und devotional geprägte Funktion und bot sich daher als Träger kompakter, gut verwendbarer Kirchenmusik an. In diesem Sinn fügt sich das Stück in die breitere musikalische Welt des 18. Jahrhunderts, die Mozart kannte—eine Welt, in der das Kopieren, Adaptieren und Exzerpieren geistlicher Werke für den lokalen Gebrauch zum Alltag gehörte—auch wenn die Komposition selbst am besten außerhalb seines gesicherten Œuvres verortet wird.[1]

Musikalischer Charakter

Das unter K. Anh.A 22 überlieferte Werk ist als knappe choralische Psalmvertonung für gemischten Chor (SATB) mit Continuo/Orgel gesetzt.[1][4] In c-Moll neigt die Vertonung zu einem ernsten, bußfertigen Affekt: Überwiegend akkordische Chorsatztechnik trägt eine klare Deklamation des Lateins, während Basslinie und Harmonik der Musik ihr Gewicht und ihren vorwärtsdrängenden Zug verleihen.

Stilistisch wirkt die Seite wie ein zweckmäßig angelegtes Stück, das auf liturgische Verständlichkeit zielt, weniger auf jene solistische Kontrastierung und orchestrale Farbigkeit, die Mozarts beglaubigte Salzburger Kirchenmusik oft beleben. Das Ergebnis ist unmittelbar und aufrichtig—wirksam in seiner konzentrierten Rhetorik—doch seine musikalischen Charakteristika passen eher zu Reutters Wiener Kirchenstil als zu Mozarts reifer geistlicher Tonsprache.[1][2]

[1] IMSLP — De profundis clamavi (Reutter, Georg): authorship note, scoring (SATB & continuo), and source/edition listings formerly attributed to Mozart as K. 93 / K. Anh.A 22

[2] Digital Mozart Edition (Mozarteum) — Neue Mozart-Ausgabe TOC, Series X/28/Abt. 3-5/3: lists *De profundis clamavi* under K. Anh.A 22 among transcriptions/works by various composers (Reutter attribution shown in the TOC)

[3] AllMusic — Work entry noting K. 93 / K. Anh.A 22 as spurious (attributed to Reutter)

[4] CPDL (ChoralWiki) — De profundis (Georg Reutter): notes prior ascription to Mozart K. 93 and continuo accompaniment