K. Anh.A 20, 21

„Cibavit eos“ (Transkription nach Johann Stadlmayr), K. Anh.A 20, 21 (d-Moll)

de Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts „Cibavit eos“ (K. Anh.A 20, 21) ist ein kurzes liturgisches Stück, das mit seinem Aufenthalt in Bologna im Jahr 1770 zusammenhängt, als er vierzehn war. Statt einer eigenständigen Komposition wird es meist als Transkription von Musik Johann Stadlmayrs beschrieben – eine Episode, die dennoch einen aufschlussreichen Einblick in den jungen Mozart bietet, der durch genaue, praktische Arbeit lernt.

Hintergrund und Kontext

Anfang August 1770, während der Italienreise der Mozarts, hielt sich der vierzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart in Bologna auf – einer Stadt, in der seine Begegnungen mit gelehrtem Kontrapunkt und Kirchenstil besonders prägend waren [1]. Cibavit eos (K. Anh.A 20, 21) ist nicht als neu komponiertes Motette überliefert, sondern als Transkription (eine abgeschriebene und angepasste Partitur) von Musik des früheren Komponisten Johann Stadlmayr [2]. Mit anderen Worten: Das erhaltene Material weist eher auf Mozart als kundigen Leser und Bearbeiter hin – jemand, der sich ein liturgisches Idiom aneignete, indem er es ausschreibend durchdrang, statt einen eigenen Originalanspruch zu markieren.

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Musikalischer Charakter

Der liturgische Text „Cibavit eos“ gehört zu den Messteilen des Propriums (einer Introitus-Antiphon), und die musikalische Fassung, die mit Mozarts Transkription verbunden ist, wirkt knapp und zweckmäßig – für den Gottesdienst gedacht, nicht für konzertantes Ausstellen [2]. Quellen beschreiben das Stück als kleinformatigen Chorsatz mit Orgelbegleitung, ganz entsprechend dem praktischen Kirchenrepertoire, dem Mozart in diesen Jahren begegnete und das er studierte [3]. Auch wenn die Frage der Autorschaft hier nachrangig ist, bleibt der Akt des Transkribierens bedeutsam: Er bringt Mozart, mit vierzehn, in unmittelbaren Kontakt mit einem älteren sakralen Stil – und schult Ohr und Hand in Stimmführung, Imitation und dem disziplinierten Verlauf, den der liturgische Text verlangt.

[1] Wikipedia: Köchel catalogue entry listing “Anh.A 20, 21” and identifying it as “Cibavit eos” (transcription of music by Johann Stadlmayr), dated to early August 1770 (Bologna).

[2] Internationale Stiftung Mozarteum (KV online): KV 44 / KV³ 73u “Cibavit eos – Sicut erat (Johann Stadlmayr)”, naming Mozart as “Author of the Transcription” and classifying it among smaller church works; links to NMA volume X/28 (transcriptions).

[3] IMSLP work page: “Cibavit eos, K.44/73u” (antiphon/introit), giving basic scoring category information and pointing to manuscript/editions accessible for inspection.