K. 50

Bastien und Bastienne (K. 50) — Mozarts pastorales Singspiel mit zwölf Jahren

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Bastien und Bastienne (K. 50) ist ein einaktiges deutsches Singspiel, das 1768 in Wien entstand, als Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) gerade zwölf Jahre alt war. Im Umfang bescheiden, in der Charakterzeichnung jedoch erstaunlich treffsicher, verarbeitet es eine damals modische pastorale Handlung, die letztlich auf Rousseaus Le devin du village zurĂŒckgeht.

Mozarts Leben zu dieser Zeit

1768 lebte die Familie Mozart in Wien; der zwölfjĂ€hrige Wolfgang war trotz seines Alters bereits ein erfahrener Theaterkomponist: Im Jahr zuvor hatte er das lateinische Schuldrama Apollo et Hyacinthus (K. 38) geschrieben, und grĂ¶ĂŸere Opernprojekte sollten bald folgen. Bastien und Bastienne gehört zu dieser Wiener Lehrzeit – nahe an professionellen BĂŒhnen, SĂ€ngern und an der Vorliebe der Stadt fĂŒr leichte, pastorale Unterhaltung – und ist doch unverkennbar das Werk eines Jungen, der erprobt, wie Worte, Gesten und Melodie hĂ€usliche Eifersucht in BĂŒhnenkomik verwandeln können.12

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Die Überlieferung verbindet das Werk mit dem Arzt Franz Anton Mesmer, dessen privates Gartentheater oft als wahrscheinlicher AuffĂŒhrungsort genannt wird; doch die Belege fĂŒr eine tatsĂ€chliche AuffĂŒhrung im Jahr 1768 sind unsicher, und die frĂŒheste dokumentierte Inszenierung stammt erst aus deutlich spĂ€terer Zeit (Berlin, 2. Oktober 1890).23 Diese LĂŒcke zwischen vermuteter Entstehung und nachweisbarer AuffĂŒhrungsgeschichte trĂ€gt zur Faszination der Oper bei: Es ist ein frĂŒhes Mozart-BĂŒhnenwerk, das offenbar sicherer auf dem Papier als im Repertoire gelebt hat.

Komposition und Manuskript

Mozart komponierte Bastien und Bastienne 1768 in Wien; Leopold Mozart fĂŒhrte es spĂ€ter in seinem eigenen Katalog als „teutsche Operette“.1 Der deutsche Text wird gewöhnlich mit Friedrich Wilhelm Weiskern, Johann Heinrich Friedrich MĂŒller und Johann Andreas Schachtner in Verbindung gebracht, doch die genaue Aufgabenteilung (und der Grad der Überarbeitung) bleibt aus editorischer Vorsicht umstritten.24

Das Libretto steht am Ende einer Kette von Bearbeitungen. Unmittelbarer VorlĂ€ufer war eine populĂ€re Wiener Fassung von Les amours de Bastien et Bastienne (ihrerseits verbunden mit französischen Theaterparodien), und das tiefere Modell ist Jean-Jacques Rousseaus pastorales StĂŒck Le devin du village.25 In Wien zĂ€hlte weniger Rousseaus philosophischer Nimbus als vielmehr die bĂŒhnentaugliche Formel: zwei junge Liebende, ein vorĂŒbergehendes MissverstĂ€ndnis und ein wissender „Zauberer“, der die Versöhnung lenkt.

Die Orchesterbesetzung ist klein – passend fĂŒr ein Privattheater und fĂŒr jugendliche Mittel – doch Mozart denkt in instrumentalen Farben ausgesprochen theatral. Typische Aufstellungen nennen:

  • HolzblĂ€ser: 2 Flöten, 2 Oboen (in manchen Quellen mit fakultativem Fagott)
  • BlechblĂ€ser: 2 Hörner
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello/Kontrabass
  • Continuo: Cembalo (oder Tasteninstrument)

Diese Ökonomie ist nicht bloß EinschrĂ€nkung: Sie begĂŒnstigt klare Texturen, schnelle, dialogartige Wechsel und eine IntimitĂ€t, die zum pastoralen Miniaturformat des StĂŒcks passt.67

Musikalischer Charakter

Bastien und Bastienne wird oft als „Miniatur“ bezeichnet, ist aber mehr als eine KuriositĂ€t. Das Drama ist auf den raschen Wechsel zwischen gesprochenem Dialog und geschlossenen Nummern angelegt – das Kennzeichen des Singspiel. Mit nur drei benannten Rollen – Bastienne (Sopran), Bastien (Tenor) und Colas (Bass) – muss Mozart Persönlichkeit in kĂŒrzester Zeit hörbar machen, und er erreicht dies durch deutlich voneinander abgesetzte musikalische Umgangsformen.2

Bastiennes Musik neigt hĂ€ufig zum deutschen Lied-Stil – strophische Schlichtheit, direkte Phrasierung und ein Hauch volksliedhafter Aufrichtigkeit –, wĂ€hrend andere Passagen mit einer eher französisch gefĂ€rbten Eleganz spielen, was die gemischte kulturelle Herkunft des Werks spiegelt.2 Das komische Zentrum, Colas, ist bereits ein eindeutig „mozartischer“ BĂŒhnentyp: halb Scharlatan, halb wohlwollender Strippenzieher. Sein berĂŒhmtes Zauberlied („Diggi, daggi, shurry, murry“) macht aus Nonsenssilben theatralische VirtuositĂ€t – ein kindlicher Parodieversuch, der Mozarts spĂ€tere Freude vorwegnimmt, Anmaßung durch Klang bloßzustellen.2

Was das StĂŒck innerhalb von Mozarts frĂŒhem Schaffen besonders macht, ist sein GespĂŒr fĂŒr operatische Dramaturgie. Schon mit zwölf formt Mozart den Streit der Liebenden mit einem Sinn fĂŒr Steigerung und Entspannung: Eifersucht wird in kompakten, gut singbaren Wendungen ausgesprochen; die Versöhnung weitet den musikalischen Raum; und das Schlussensemble verleiht der Oper jenen befriedigenden gesellschaftlichen „Reset“, den die pastorale Komödie verlangt.25 FĂŒr heutige Hörerinnen und Hörer und fĂŒr moderne Inszenierungen bietet Bastien und Bastienne zudem etwas Seltenes in der Opernlandschaft des 18. Jahrhunderts: eine frĂŒhe deutsche komische Oper, die kurz ist, mit begrenzten Mitteln auffĂŒhrbar bleibt und doch voller melodischem Charme steckt – ein Lehrlingswerk, das dennoch einen kĂŒnftigen Meister erkennen lĂ€sst, der Nummer fĂŒr Nummer lernt, wie Theater atmet.12

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[1] Mozarteum Salzburg, Köchel-Verzeichnis entry for *Bastien und Bastienne* (KV 50): dating, genre, and catalogue remarks.

[2] Wikipedia: overview, librettists as commonly given, relationship to Rousseau/Favart tradition, and general performance-history notes.

[3] OperaGlass (Stanford University): performance history reference cited widely for the first documented performance (Berlin, 1890).

[4] Schott Music catalogue entry: credits for the original text authors associated with the libretto tradition (Weiskern/MĂŒller).

[5] The Cambridge Mozart Encyclopedia (reference overview): Vienna 1768 context and derivation from Rousseau’s *Le Devin du village* via intervening versions.

[6] IMSLP work page: commonly cited instrumentation details and available scores/parts for *Bastien und Bastienne* (K. 50/46b).

[7] VMII (Vocal Music Information Index) page: roles and a concise instrumentation listing.