K. 308

Ariette „Dans un bois solitaire“ (K. 308) in As-Dur

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Mozart with Golden Spur medal, 1777
Mozart wearing the Order of the Golden Spur, 1777 copy

Mozarts französischsprachige Ariette Dans un bois solitaire (K. 308/295b) ist eine kompakte vokale Miniatur aus seiner Mannheimer Zeit (Winter 1777–78), entstanden, als er 21–22 Jahre alt war und die neuesten Stile des Lied- und Klaviersatzes erprobte. Im Umfang bescheiden, in der Stimmung jedoch ungewöhnlich konzentriert, zeigt sie, wie Mozart einen intimen Text in ein szenisch wirkendes Drama fĂŒr eine einzelne Stimme mit Tastenbegleitung verwandeln konnte.

Hintergrund und Kontext

1777–78 verbrachte Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) mehrere Monate in Mannheim, damals eine der gefeiertsten MusikhauptstĂ€dte Europas – berĂŒhmt fĂŒr sein Orchester, seine virtuosen BlĂ€ser und seinen zukunftsgewandten Stil. Neben Konzerten und Kammermusikwerken schrieb Mozart auch eine Handvoll Lieder und Arietten, die etwas abseits seiner bekannteren deutschen Lieder der 1780er Jahre stehen. Dans un bois solitaire (K. 308/295b), eine französische Ariette fĂŒr Stimme und Tasteninstrument, gehört in diese experimentierfreudige Mannheimer Phase und wird unter seinen eigenstĂ€ndigen Liedern gefĂŒhrt, nicht im Zusammenhang mit einem theatralischen Projekt.[1][2]

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Mitunter begegnet das Werk unter seinem deutschen Kontrafaktum-Titel Einsam ging ich jĂŒngst im Haine – ein Hinweis darauf, wie flexibel solche StĂŒcke im spĂ€ten 18. Jahrhundert zirkulierten und sich jenseits von Sprachgrenzen an Interpreten und Publikum anpassten.[2] Diese Beweglichkeit sollte jedoch das deutlich französische Profil des Liedes nicht verdecken: Deklamation und rhetorische Tempogestaltung stehen der Tradition der ariette oder romance nĂ€her als dem strophischen deutschen Lied, das Mozart spĂ€ter verfeinern sollte.

Text und Komposition

Der Text beginnt mit „Dans un bois solitaire et sombre
“, versetzt die sprechende Person in einen dunklen, einsamen Wald und rahmt das Lied als konzentrierte Klage ĂŒber Liebe und Leid. (Moderne SĂ€ngerhilfen schreiben das Gedicht hĂ€ufig „Motte“ zu, wobei die genaue literarische Herkunft in der maßgeblichen Mozart-Forschung nicht immer ausfĂŒhrlich erörtert wird.)[3]

Die EintrĂ€ge im Köchel-Verzeichnis verorten das StĂŒck in Mannheim im Winter 1777–78; es wird weithin als K. 308 gefĂŒhrt, mit der alternativen Köchel-Bezeichnung K. 295b.[1][2] Besetzt ist es fĂŒr Stimme und Tasteninstrument (heute hĂ€ufig mit Klavier; in Mozarts Welt konnte „Tasteninstrument“ Cembalo oder frĂŒhes Fortepiano bedeuten).[2]

Musikalischer Charakter

Obwohl kurz, gewinnt Dans un bois solitaire dadurch an Profil, dass es beharrlich ĂŒber das „einfache Lied“ hinaus in Richtung einer Miniaturszene drĂ€ngt. Der Tastenpart stĂŒtzt nicht nur; er kommentiert und verdichtet – er formt die AtmosphĂ€re der „einsamen“ Landschaft und setzt expressive Wendungen, die die Unruhe des Textes spiegeln. Man hört, wie Mozart einen stĂ€rker durchkomponierten, rhetorisch reagierenden Stil erprobt (weniger vorhersehbar als eine rein strophische Anlage), in dem Gesangslinie und Begleitung gemeinsam das Drama gliedern.

Auch die Wahl von As-Dur trĂ€gt zur Wirkung bei: In der Praxis des spĂ€ten 18. Jahrhunderts wirkt die Tonart oft warm und verschleiert, sie verleiht dem Anfangsbild eine sanfte Dunkelheit statt einer scharf tragischen Kontur. Diese tonale „Farbe“, verbunden mit flexibler Deklamation, erlaubt Mozart, die Klage des Gedichts als lebendige Äußerung zu behandeln – nĂ€her am opernhaften Sprechgesang als an salonhafter GefĂ€lligkeit.

Insgesamt ist K. 308 kein „berĂŒhmtes“ Mozart-Lied, weil es außerhalb der spĂ€teren Wiener BlĂŒte des deutschen Liedes steht; gerade deshalb ist es aufschlussreich. In Mannheim, mit 22 Jahren, nahm Mozart internationale Stile auf und dachte neu darĂŒber nach, wie Stimme und Tasteninstrument eine dramatische Last gemeinsam tragen können. Dans un bois solitaire hĂ€lt dieses Experiment im Kleinen fest: ein kleines, gut zirkulierendes Werk – mit der psychologischen Zuspitzung und dem theatralischen Instinkt einer weit grĂ¶ĂŸeren BĂŒhne.

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[1] Köchel catalogue entry listing K. 308/295b (“Arietta, ‘Dans un bois solitaire’”), with Mannheim dating information.

[2] IMSLP work page for “Dans un bois solitaire, K.308/295b” (instrumentation, language, scores).

[3] IPA Source PDF giving the French text “Dans un bois solitaire” (attributed to Motte in the resource).