K. 541

Arietta für Bass „Un bacio di mano“ (K. 541)

볼프강 아마데우스 모차르트 작

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts Un bacio di mano (K. 541) ist eine kompakte komische Arietta für Bass und Orchester, komponiert im Mai 1788 in Wien. Als Einlage-Nummer für Pasquale Anfossis Oper Le gelosie fortunate geschrieben, bündelt sie Mozarts Theaterinstinkt auf wenige Minuten – witzig, scharf konturiert und (wie Mozart selbst später zeigte) thematisch einprägsam.

Hintergrund und Kontext

In den späten 1780er-Jahren war Mozart trotz nachlassender „großer“ Aufträge weiterhin eng in das geschäftige Wiener Theaterleben eingebunden und wandte sich zunehmend Gelegenheitsstücken und praktischer Arbeit für Sänger zu. Un bacio di mano (K. 541) gehört genau in diesen Zusammenhang: eine Einlagearie – eine neu komponierte Nummer, die für eine bestimmte Sängerpersönlichkeit und eine lokale Produktion in eine bereits existierende Oper eingeschoben wurde. Ziel war Pasquale Anfossis Le gelosie fortunate (1783 in Turin uraufgeführt), in die Mozarts Arietta für den Wiener Gebrauch eingefügt wurde.[1]

Das Werk ist mit dem Wiener Bass Francesco Albertarelli verbunden, für den Mozart das Stück im Mai 1788 schrieb.[2] Solche Aufträge waren keineswegs bloße „Brotarbeit“: Mozart besaß eine außergewöhnliche Gabe, Musik auf Persona und komisches Timing eines Sängers zuzuschneiden, und gerade Bass-Arietten boten Chancen zur raschen Charakterzeichnung – halbgesprochenes Parlando, übertriebene Höflichkeit und plötzlich aufblitzender melodischer Charme.

Text und Komposition

Mozart komponierte Un bacio di mano in Wien im Mai 1788, im Alter von 32 Jahren.[2] Obwohl das Stück häufig in Anthologien von Konzertarien erscheint, ist es ganz eindeutig für die Bühne gedacht: Der italienische Text ist eine buffoneske Miniaturszene, die sich um das gesellschaftliche Ritual des Handkusses dreht – und um die komischen Spannungen aus Flirt, Eitelkeit und Etikette, die die Situation mit sich bringt.[2]

Zur Klarstellung sei ausdrücklich gesagt: Obwohl die vorliegenden Katalogdaten Es-Dur nennen, führen die maßgeblichen wissenschaftlichen und praktischen Referenzen die Arie in F-Dur.[2][1] (Der Kammerton kann sich in manchen historischen Kontexten verschieben, doch der moderne Standard für K. 541 ist F-Dur.)

Die Instrumentation ist in der üblichen Überlieferung klassisch und schlank – ideal für den Orchestergraben:

  • Holzbläser: 1 Flöte, 2 Oboen, 2 Fagotte[1]
  • Blechbläser: 2 Hörner (in F)[1]
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass[1]
  • Stimme: Bass solo[1]

Musikalischer Charakter

Der besondere Reiz der Arietta liegt darin, wie schnell sie ein komisches Profil zeichnet. Statt auf den ausgreifenden, emotional „ernsten“ Bogen einer Konzertarie zu zielen, hält Mozart das musikalische Argument beweglich: kurze Phrasen, federnde orchestrale Akzente und eine Gesangslinie, die zwischen einschmeichelnder Kantabilität und sprechnahem Deklamieren umschlagen kann – genau jene Mischung, die buffoneske Basspartien auf der Bühne lebendig macht.

Besonders bemerkenswert innerhalb von Mozarts Schaffen des Jahres 1788 ist die Nachwirkung von Un bacio di mano in einem sehr viel berühmteren Werk: Die melodische Idee, die mit dem Vers „Voi siete un po’ tondo, mio caro Pompeo“ verbunden ist, zitiert Mozart im Schluss des Expositionsteils des ersten Satzes der Jupiter-Sinfonie (Sinfonie Nr. 41 in C-Dur, K. 551).[3] Diese Geste ist aufschlussreich. In einem Jahr, das zugleich Mozarts letzte symphonische Trilogie hervorbrachte, behandelte er Bühnenminiaturen nicht als Wegwerfware; er konnte eine buffoneske Wendung als Material für eine Sinfonie auf höchstem Niveau wiederverwenden – im Vertrauen auf ihr rhythmisches Profil und ihre Einprägsamkeit.

Insgesamt ist K. 541 ein kleines, aber aufschlussreiches Fenster auf Mozarts Wiener Professionalität: sängerzentriert, theaterpraktisch und mit demselben Instinkt für Charakterzeichnung und thematische Ökonomie gearbeitet, der auch seine größten dramatischen Partituren beseelt.

[1] IMSLP work page with basic data and instrumentation details for K. 541 (including origin as an insertion for Anfossi’s *Le gelosie fortunate*).

[2] Mozarteum Köchel Catalogue entry for KV 541 (date/place and key; work classification).

[3] Reference noting Mozart’s quotation of *Un bacio di mano* in the first movement of *Symphony No. 41* (K. 551).