K. 74b

Arie fĂŒr Sopran „Non curo l’affetto“ in E-Dur (K. 74b)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts „Non curo l’affetto“ (K. 74b) ist eine kurze Sopranarie in E-Dur, entstanden in Norditalien um Ende 1770 bis Anfang 1771, als der Komponist etwa fĂŒnfzehn Jahre alt war. Wahrscheinlich fĂŒr eine AuffĂŒhrung in oder bei Pavia bestimmt (mitunter auch mit Mailand in Verbindung gebracht), vertont sie einen Text von Pietro Metastasio aus Demofoonte und zeigt Mozart bereits souverĂ€n im stilisierten Affektrepertoire der opera seria [1] [2].

Hintergrund und Kontext

Anfang 1771 stand Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) noch ganz im Bann seiner ersten Italienreisen und nahm die praktische Theaterkultur Mailands und der umliegenden StĂ€dte in sich auf. „Non curo l’affetto“ (K. 74b) ist eine eigenstĂ€ndige Arie fĂŒr Sopran und Orchester – eine der vielen Einzelnummern, die fĂŒr Akademien kursierten oder zur EinfĂŒgung in bestehende BĂŒhnenwerke bestimmt waren, statt im modernen Sinn Teil einer fest umrissenen „Mozart-Oper“ zu sein [1].

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Der Text stammt von Pietro Metastasio und ist Demofoonte (1. Akt, Szene 7) entnommen, wo Creusa den „furchtsamen Liebhaber“ abweist, der beim Anblick des Schwertes zittert, aber kĂŒhn von Liebe spricht [2]. Erhaltene Quellenbeschreibungen bringen die Arie mit „il teatro di Pavia“ in Verbindung und datieren sie auf 1771, wĂ€hrend die Katalogisierung sie außerdem allgemein in den MailĂ€nder Zusammenhang zwischen Dezember 1770 und Januar 1771 stellt [1].

Musikalischer Charakter

Mit Allegro ĂŒberschrieben, ist die Arie als opera-seria-„Arie der Verachtung“ (aria di sdegno) angelegt, mit einem hellen, vorwĂ€rtsdrĂ€ngenden E-Dur-Profil, das ihrem Ton von Spott und Trotz entspricht [2]. Die Orchestrierung ist kompakt, aber prĂ€gnant – Sopran mit Streichern sowie zwei Oboen und zwei Hörnern –, typisch fĂŒr die italienische Theaterpalette, die dem jugendlichen Mozart zur VerfĂŒgung stand [1] [2].

Innerhalb dieses konventionellen Rahmens gilt die Gesangspartie als anspruchsvoll: ausgedehnte LĂ€ufe und virtuose Passagen leisten einen Großteil der dramatischen Arbeit, indem sie Verachtung in brillante Energie verwandeln statt in ein ausgedehnt lyrisches Verweilen [2]. Man hört zudem, wie der junge Komponist Kontraste erprobt – Quellen beschreiben einen stĂ€rker nach innen gewendeten Mittelteil in Moll, nur von Streichern begleitet, einen raschen Farbwechsel, der den Sarkasmus der Figur schĂ€rft, bevor die helle OberflĂ€che zurĂŒckkehrt [2].

[1] Internationale Stiftung Mozarteum (Köchel-Verzeichnis): work entry for KV 74b with dating, instrumentation, and source notes (incl. Pavia theatre copy description).

[2] FlaminioOnline listening guide: text source (Metastasio, Demofoonte), tempo, instrumentation, and descriptive musical/affect commentary (Cesare Fertonani).