K. 613

8 Variationen in F ĂŒber „Ein Weib ist das herrlichste Ding“, K. 613

di Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts 8 Variationen in F ĂŒber „Ein Weib ist das herrlichste Ding“ (K. 613) sind ein spĂ€tes Wiener Klavierwerk, entstanden zwischen dem 8. MĂ€rz und dem 12. April 1791, im letzten Lebensjahr des Komponisten.[1] Aufgebaut auf einer populĂ€ren BĂŒhnenmelodie aus dem Umfeld von Emanuel Schikaneders Theaterwelt, zeigen sie Mozart dabei, wie er Alltagsmaterial in souverĂ€nes, pianistisch dankbares Kunsthandwerk verwandelt – an der OberflĂ€che witzig, darunter meisterhaft konstruiert.[2]

Hintergrund und Kontext

1791 hatte Mozart (35-jĂ€hrig) in Wien eine ungewöhnlich dichte Mischung an Projekten zu bewĂ€ltigen: öffentliche AuftrĂ€ge, Unterricht und Auftritte sowie Opernverpflichtungen, zu denen bald auch Die Zauberflöte zĂ€hlen sollte.[1] Neben den grĂ¶ĂŸeren, dramatischeren SpĂ€twerken pflegte er weiterhin eine Gattung, die er seit langem wie eine Art „öffentliches Notizbuch“ nutzte: Klaviervariationen ĂŒber bekannte Melodien – Musik, die sich rasch unter Liebhabern wie Kennern verbreiten konnte.

K. 613 gehört zu dieser praktischen, stĂ€dtischen Tradition. Das Thema „Ein Weib ist das herrlichste Ding“ entstammt dem populĂ€ren komisch-theatralischen Milieu um Schikaneders Truppe im Freihaus-Theater auf der Wieden (dasselbe Wiener Ökosystem, in dem Mozart spĂ€ter fĂŒr Die Zauberflöte zusammenarbeiten sollte).[3] Die Anziehungskraft lag auf der Hand: Das Publikum kannte die Melodie bereits, und Pianisten konnten Mozarts Kunst genießen, wie sie einen eingĂ€ngigen Einfall durch verschiedene Charaktere bricht.

Komposition

Die Acht Variationen entstanden in Wien zwischen dem 8. MĂ€rz und dem 12. April 1791.[1] Ein Autograph-Manuskript ist nicht ĂŒberliefert; doch bereits im Juni 1791 erschien das Werk bei Artaria im Druck – ein Hinweis darauf, dass es nicht als privates Experiment gedacht war, sondern als verkĂ€ufliches, spielbares Repertoire fĂŒr den hĂ€uslichen Gebrauch.[2]

Diese Datierung ist aufschlussreich. Mozarts spĂ€te Klavierschreibweise balanciert hĂ€ufig Ökonomie und Raffinesse: Statt auf bloße Ausdehnung zu zielen, schĂ€rft sie Gestus, Harmonik und Textur. K. 613 ist im Umfang bescheiden, und doch stammt es von einem Komponisten, der mit wenigen Takten eine ganze Theaterszene andeuten – und sie dann fĂŒr das Klavier neu formen kann.

Form und musikalischer Charakter

Die Anlage ist unkompliziert: ein Thema in F-Dur, gefolgt von acht Variationen.[3] Was den Zyklus auszeichnet, ist weniger die Neuheit des Plans als die Feinheit, mit der Mozart Kontraste abstufend gestaltet. Jede Variation verĂ€ndert nur eine begrenzte Zahl von Parametern – Register, Figuration, Begleitmodell, Artikulation –, sodass der Hörer die Silhouette des Themas stets spĂŒrt, selbst wenn es spielerisch maskiert wird.

Mehrere Variationen pflegen das Ideal der „singenden Linie“ (eine cantabile gefĂŒhrte rechte Hand mit stĂŒtzender Textur in der linken), andere hellen sich zu extrovertierterer Passagenarbeit auf. Wie in vielen Variationswerken Mozarts steigen die technischen Anforderungen im Verlauf hĂ€ufig an – jedoch nicht als leere Zurschaustellung: VirtuositĂ€t dient dem Wechsel der Perspektive, als wĂŒrde dasselbe BĂŒhnenlied von unterschiedlichen Figuren neu gedeutet.[1]

FĂŒr heutige Hörer lohnt K. 613 gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es zwischen Welten steht. Es schöpft aus der theatralen PopulĂ€rkultur, doch seine StimmfĂŒhrung und sein harmonisches Timing sind unverkennbar der spĂ€te Mozart. In wenigen Minuten zeigt es, wie die Variationsgattung zugleich zugĂ€nglich sein konnte (verwurzelt in einer Erfolgsnummer) und still anspruchsvoll (sie verlangt die Kontrolle von Balance, Anschlag und Phrasierung).

Rezeption und Nachwirkung

Anders als Mozarts berĂŒhmteste Konzertwerke ist K. 613 ein StĂŒck fĂŒr Kenner geblieben – man begegnet ihm hĂ€ufig eher im Kontext von Gesamtausgaben als als eigenstĂ€ndigem „Dauerbrenner“ im Rezitalprogramm. Doch die Veröffentlichung kurz nach der Fertigstellung deutet auf einen vorhandenen Markt im Jahr 1791 hin; und heute ist es sowohl in maßgeblichen Gesamtausgaben als auch in weithin zugĂ€nglichen Nachdrucken erhalten.[2][4]

In Mozarts ƒuvre lĂ€sst sich das Werk als Teil einer spĂ€ten Klavier-„Miniaturen“-Tradition hören: kompakte Formen, die aufmerksames Zuhören und kultiviertes Spiel belohnen. K. 613 erhebt keinen Anspruch auf das philosophische Gewicht der großen spĂ€ten Kammermusik, bietet jedoch etwas ebenso Typisches – Mozarts FĂ€higkeit, Musik von der Straße und aus dem Theater zu nehmen und sie ohne Herablassung zu Kunst zu veredeln, die klar, humorvoll und elegant proportioniert bleibt.

[1] Mozarteum Köchel Catalogue entry for KV 613 (work title, genre, and composition window/location).

[2] MozartDocuments.org PDF (notes on autograph status, completion dates, and Artaria publication in June 1791).

[3] Wikipedia article summarizing the work, its theme, and theatrical source context.

[4] IMSLP page for K. 613 (public-domain editions and bibliographic overview).