5 Contredanses (K. 609)
볼프강 아마데우스 모차르트 작

Mozarts 5 Contredanses (K. 609), 1791 in Wien entstanden, gehören zu seinem späten, praxisorientierten Schaffen für die blühende Kultur öffentlicher Bälle und gesellschaftlichen Tanzes der Stadt. So bescheiden der Umfang auch ist, steckt der Zyklus voller Charakter—vor allem durch die augenzwinkernde Wiederverwendung von Figaros Marsch-Arie „Non più andrai“, die von opernhafter Pointe zur gängigen Tanzboden-Währung wird.
Hintergrund und Kontext
Im Wien des späten 18. Jahrhunderts war orchestrale Tanzmusik keine Randerscheinung, sondern ein fester Bestandteil öffentlicher Unterhaltung. In den Redoutensälen (den kaiserlichen Ballräumen) fanden aufwendige saisonale Festlichkeiten statt, und von Komponisten wurde erwartet, unablässig kurze, sofort spielbare Tänze zu liefern: Menuette, Deutsche Tänze und Contredanses (Kontratänze) gehörten dazu. Mozart, der in seinen Wiener Jahren Dutzende solcher Stücke schrieb, behandelte das Genre als Feld für handwerkliche Sorgfalt, Ökonomie und—wenn es ihm passte—für schnelle Blitze theatraler Anspielung.
Die 5 Contredanses (K. 609) stammen aus Mozarts letztem Jahr 1791, als sich seine Kreativität auf großformatige und termingebundene Projekte (Die Zauberflöte, La clemenza di Tito, das unvollendete Requiem) ebenso verteilte wie auf kleinere funktionale Aufträge. Gerade diese Gegenüberstellung macht K. 609 bemerkenswert: Sie zeigt den späten Mozart dabei, wie er seine melodischen und formalen Instinkte in Miniaturen verdichtet—nicht für den Konzertsaal, sondern für Körper in Bewegung.
Entstehung und Uraufführung
Gängige Kataloge verorten den Zyklus in Wien 1791, als Mozart 35 Jahre alt war [2]. Besonders hervorzuheben ist die erste Contredanse, weil sie Figaros berühmte Arie „Non più andrai“ aus Le nozze di Figaro (1786) zitiert (und verwandelt)—eine Melodie, die in Wien ihre Popularität bewahrt hatte und sich für die Wiederverwendung in gesellschaftlichem Rahmen geradezu anbot [3].
Genaue Angaben zur Erstaufführung von K. 609 sind nicht so verlässlich überliefert wie bei Mozarts Sinfonien oder Konzerten; solche Tänze gelangten häufig über Programme am Hof oder bei öffentlichen Bällen ohne großes Aufheben in Umlauf. Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass die Stücke als zusammengehörige Gruppe von fünf kurzen Tänzen überliefert sind und in Quellen weitergegeben wurden, die ihre beabsichtigte, utilitaristische Identität als Contredanses bewahren [1].
Instrumentation
K. 609 ist mit auffallender Zurückhaltung instrumentiert—eher „Ballkapelle“ als „Sinfonieorchester“. Der Zyklus wird meist mit einer Flöte und Streichern beschrieben, wobei in einigen Tänzen eine Trommelstimme hinzutritt [4]. Das Fehlen der üblichen Mittelstimmen im Streicherklang (insbesondere keine Bratschen in der Grunddisposition) verleiht der Musik ein helles, schlankes Profil, das in lebhafter Akustik gut trägt und die rhythmische Artikulation prägnant hält.
Eine praktische Zusammenfassung der Kernbesetzung:
- Bläser: 1 Flöte
- Schlagwerk: Trommel (innerhalb des Zyklus selektiv eingesetzt)
- Streicher: 2 Violinen, Violoncello, Kontrabass (oft ohne eigenständige Bratschenführung) [4]
Diese Ökonomie gehört zum Reiz. Mit weniger verfügbaren Farben setzt Mozart auf klare Phrasenstruktur, federnde rhythmische Signale und scharf konturierte Melodien—genau die Parameter, die eine Contredanse braucht.
Form und musikalischer Charakter
Als Zyklus von Contredanses besteht K. 609 aus fünf kompakten Tanzsätzen, typischerweise in ausgewogenen Teilen mit Wiederholungen gebaut (jene „quadratische“ Periodik, die Figuren und Gruppenformationen trägt). Selbst wenn das thematische Material einprägsam ist, gilt die erste Pflicht der Musik ihrer Verwendbarkeit: regelmäßige Akzente, vorhersehbare Kadenzpunkte und ein Tempuscharakter, der kollektive Bewegung einlädt.
- Nr. 1 (C-Dur) ist das Aushängeschild: Mozart formt „Non più andrai“ in ein Contredanse-Idiom um—eine Verwandlung, die zugleich praktisch und verschmitzt ist. In der Oper fungiert die Melodie als pseudo-militärischer Abschied; im Ballsaal wird sie gewissermaßen zu einem gemeinschaftlichen Insiderwitz—Opernmelodie, umfunktioniert zum gesellschaftlichen Soundtrack [3]. Das Charakteristische ist nicht nur das Zitat, sondern wie bereitwillig die Melodie den Wechsel mitmacht: Ihre marschierende Klarheit und periodische Anlage machen sie ungewöhnlich tanzbar.
- Nrn. 2–5 führen im selben Geist knapper, kontrastreicher Unterhaltung fort. Die Tonarten können innerhalb des Zyklus wechseln (wie bei zusammengefassten Tänzen üblich), und der schnelle Wechsel der Einfälle gehört zum Reiz des Genres: Jeder Tanz setzt eine Stimmung, erfüllt seine Aufgabe und macht den Platz für den nächsten frei.
Hörerinnen und Hörer, die K. 609 heute im Konzert erleben, mögen überrascht sein, wie sehr diese Miniaturen trotz ihrer Kürze „mozartisch“ bleiben. Die Kadenzen sind klar, aber nie bloß generisch; melodische Wendungen wirken vokal gedacht; und die Texturen—absichtlich dünn—werden mit demselben Sinn für Balance geführt, den man aus den späten Serenaden und Divertimenti kennt, nur auf die Bedürfnisse eines einzigen Festabends herunter skaliert.
Rezeption und Nachwirkung
K. 609 ist kein Repertoirepfeiler wie die späten Sinfonien oder Klavierkonzerte, doch in Katalogen und Ausgaben ist es als Teil von Mozarts umfangreichem Tanzschaffen dauerhaft präsent geblieben [2]. Sein anhaltender Reiz liegt darin, was es über das Wiener Musikleben verrät: Oper, öffentliche Unterhaltung und funktionale Tanzmusik waren keine hermetisch getrennten Bereiche, und Mozart bewegte sich mühelos zwischen ihnen.
Im größeren Bogen von Mozarts Werk unterstreicht der Zyklus zudem einen wichtigen Punkt über 1791. Selbst in seinem letzten Jahr—das man oft vor allem über Meisterwerke erzählt—schrieb Mozart weiterhin für den unmittelbaren gesellschaftlichen Gebrauch, blieb aufmerksam für das, was das Publikum wiedererkannte, und war weiterhin fähig, eine vertraute theatralische Melodie in etwas zu verwandeln, das frisch für den Ballsaal passt. K. 609 ist in diesem Sinn späte Mozart-Kunst im Kleinformat: sozial verankert, melodisch lebendig und mit müheloser Präzision gearbeitet.
[1] IMSLP work page for *5 Contredanses / 5 Contretänze*, K. 609 (score scans, basic work metadata, and notes on autograph/parts).
[2] Wikipedia: Köchel catalogue entry list (includes K. 609 as “5 Contredanses,” dated 1791, Vienna).
[3] Wikipedia: “Mozart and dance” (notes that K. 609 quotes Figaro’s aria “Non più andrai”).
[4] British Library Archives & Manuscripts Catalogue: Zweig MS 59 description for Mozart’s *Five contredanses* (K. 609), giving scoring details (flute, strings, drum).