K. 609

5 Contredanses (K. 609)

av Wolfgang Amadeus Mozart

Silverpoint drawing of Mozart by Dora Stock, 1789
Mozart, silverpoint by Dora Stock, 1789 — last authenticated portrait

Mozarts 5 Contredanses (K. 609), 1791 in Wien entstanden, gehören zu seinem spĂ€ten, praxisorientierten Schaffen fĂŒr die blĂŒhende Kultur öffentlicher BĂ€lle und gesellschaftlichen Tanzes der Stadt. So bescheiden der Umfang auch ist, steckt der Zyklus voller Charakter—vor allem durch die augenzwinkernde Wiederverwendung von Figaros Marsch-Arie „Non piĂč andrai“, die von opernhafter Pointe zur gĂ€ngigen Tanzboden-WĂ€hrung wird.

Hintergrund und Kontext

Im Wien des spĂ€ten 18. Jahrhunderts war orchestrale Tanzmusik keine Randerscheinung, sondern ein fester Bestandteil öffentlicher Unterhaltung. In den RedoutensĂ€len (den kaiserlichen BallrĂ€umen) fanden aufwendige saisonale Festlichkeiten statt, und von Komponisten wurde erwartet, unablĂ€ssig kurze, sofort spielbare TĂ€nze zu liefern: Menuette, Deutsche TĂ€nze und Contredanses (KontratĂ€nze) gehörten dazu. Mozart, der in seinen Wiener Jahren Dutzende solcher StĂŒcke schrieb, behandelte das Genre als Feld fĂŒr handwerkliche Sorgfalt, Ökonomie und—wenn es ihm passte—fĂŒr schnelle Blitze theatraler Anspielung.

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Die 5 Contredanses (K. 609) stammen aus Mozarts letztem Jahr 1791, als sich seine KreativitĂ€t auf großformatige und termingebundene Projekte (Die Zauberflöte, La clemenza di Tito, das unvollendete Requiem) ebenso verteilte wie auf kleinere funktionale AuftrĂ€ge. Gerade diese GegenĂŒberstellung macht K. 609 bemerkenswert: Sie zeigt den spĂ€ten Mozart dabei, wie er seine melodischen und formalen Instinkte in Miniaturen verdichtet—nicht fĂŒr den Konzertsaal, sondern fĂŒr Körper in Bewegung.

Entstehung und UrauffĂŒhrung

GĂ€ngige Kataloge verorten den Zyklus in Wien 1791, als Mozart 35 Jahre alt war [2]. Besonders hervorzuheben ist die erste Contredanse, weil sie Figaros berĂŒhmte Arie „Non piĂč andrai“ aus Le nozze di Figaro (1786) zitiert (und verwandelt)—eine Melodie, die in Wien ihre PopularitĂ€t bewahrt hatte und sich fĂŒr die Wiederverwendung in gesellschaftlichem Rahmen geradezu anbot [3].

Genaue Angaben zur ErstauffĂŒhrung von K. 609 sind nicht so verlĂ€sslich ĂŒberliefert wie bei Mozarts Sinfonien oder Konzerten; solche TĂ€nze gelangten hĂ€ufig ĂŒber Programme am Hof oder bei öffentlichen BĂ€llen ohne großes Aufheben in Umlauf. Mit Sicherheit lĂ€sst sich sagen, dass die StĂŒcke als zusammengehörige Gruppe von fĂŒnf kurzen TĂ€nzen ĂŒberliefert sind und in Quellen weitergegeben wurden, die ihre beabsichtigte, utilitaristische IdentitĂ€t als Contredanses bewahren [1].

Instrumentation

K. 609 ist mit auffallender ZurĂŒckhaltung instrumentiert—eher „Ballkapelle“ als „Sinfonieorchester“. Der Zyklus wird meist mit einer Flöte und Streichern beschrieben, wobei in einigen TĂ€nzen eine Trommelstimme hinzutritt [4]. Das Fehlen der ĂŒblichen Mittelstimmen im Streicherklang (insbesondere keine Bratschen in der Grunddisposition) verleiht der Musik ein helles, schlankes Profil, das in lebhafter Akustik gut trĂ€gt und die rhythmische Artikulation prĂ€gnant hĂ€lt.

Eine praktische Zusammenfassung der Kernbesetzung:

  • BlĂ€ser: 1 Flöte
  • Schlagwerk: Trommel (innerhalb des Zyklus selektiv eingesetzt)
  • Streicher: 2 Violinen, Violoncello, Kontrabass (oft ohne eigenstĂ€ndige BratschenfĂŒhrung) [4]

Diese Ökonomie gehört zum Reiz. Mit weniger verfĂŒgbaren Farben setzt Mozart auf klare Phrasenstruktur, federnde rhythmische Signale und scharf konturierte Melodien—genau die Parameter, die eine Contredanse braucht.

Form und musikalischer Charakter

Als Zyklus von Contredanses besteht K. 609 aus fĂŒnf kompakten TanzsĂ€tzen, typischerweise in ausgewogenen Teilen mit Wiederholungen gebaut (jene „quadratische“ Periodik, die Figuren und Gruppenformationen trĂ€gt). Selbst wenn das thematische Material einprĂ€gsam ist, gilt die erste Pflicht der Musik ihrer Verwendbarkeit: regelmĂ€ĂŸige Akzente, vorhersehbare Kadenzpunkte und ein Tempuscharakter, der kollektive Bewegung einlĂ€dt.

  • Nr. 1 (C-Dur) ist das AushĂ€ngeschild: Mozart formt „Non piĂč andrai“ in ein Contredanse-Idiom um—eine Verwandlung, die zugleich praktisch und verschmitzt ist. In der Oper fungiert die Melodie als pseudo-militĂ€rischer Abschied; im Ballsaal wird sie gewissermaßen zu einem gemeinschaftlichen Insiderwitz—Opernmelodie, umfunktioniert zum gesellschaftlichen Soundtrack [3]. Das Charakteristische ist nicht nur das Zitat, sondern wie bereitwillig die Melodie den Wechsel mitmacht: Ihre marschierende Klarheit und periodische Anlage machen sie ungewöhnlich tanzbar.
  • Nrn. 2–5 fĂŒhren im selben Geist knapper, kontrastreicher Unterhaltung fort. Die Tonarten können innerhalb des Zyklus wechseln (wie bei zusammengefassten TĂ€nzen ĂŒblich), und der schnelle Wechsel der EinfĂ€lle gehört zum Reiz des Genres: Jeder Tanz setzt eine Stimmung, erfĂŒllt seine Aufgabe und macht den Platz fĂŒr den nĂ€chsten frei.

Hörerinnen und Hörer, die K. 609 heute im Konzert erleben, mögen ĂŒberrascht sein, wie sehr diese Miniaturen trotz ihrer KĂŒrze „mozartisch“ bleiben. Die Kadenzen sind klar, aber nie bloß generisch; melodische Wendungen wirken vokal gedacht; und die Texturen—absichtlich dĂŒnn—werden mit demselben Sinn fĂŒr Balance gefĂŒhrt, den man aus den spĂ€ten Serenaden und Divertimenti kennt, nur auf die BedĂŒrfnisse eines einzigen Festabends herunter skaliert.

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Rezeption und Nachwirkung

K. 609 ist kein Repertoirepfeiler wie die spĂ€ten Sinfonien oder Klavierkonzerte, doch in Katalogen und Ausgaben ist es als Teil von Mozarts umfangreichem Tanzschaffen dauerhaft prĂ€sent geblieben [2]. Sein anhaltender Reiz liegt darin, was es ĂŒber das Wiener Musikleben verrĂ€t: Oper, öffentliche Unterhaltung und funktionale Tanzmusik waren keine hermetisch getrennten Bereiche, und Mozart bewegte sich mĂŒhelos zwischen ihnen.

Im grĂ¶ĂŸeren Bogen von Mozarts Werk unterstreicht der Zyklus zudem einen wichtigen Punkt ĂŒber 1791. Selbst in seinem letzten Jahr—das man oft vor allem ĂŒber Meisterwerke erzĂ€hlt—schrieb Mozart weiterhin fĂŒr den unmittelbaren gesellschaftlichen Gebrauch, blieb aufmerksam fĂŒr das, was das Publikum wiedererkannte, und war weiterhin fĂ€hig, eine vertraute theatralische Melodie in etwas zu verwandeln, das frisch fĂŒr den Ballsaal passt. K. 609 ist in diesem Sinn spĂ€te Mozart-Kunst im Kleinformat: sozial verankert, melodisch lebendig und mit mĂŒheloser PrĂ€zision gearbeitet.

[1] IMSLP work page for *5 Contredanses / 5 ContretÀnze*, K. 609 (score scans, basic work metadata, and notes on autograph/parts).

[2] Wikipedia: Köchel catalogue entry list (includes K. 609 as “5 Contredanses,” dated 1791, Vienna).

[3] Wikipedia: “Mozart and dance” (notes that K. 609 quotes Figaro’s aria “Non piĂč andrai”).

[4] British Library Archives & Manuscripts Catalogue: Zweig MS 59 description for Mozart’s *Five contredanses* (K. 609), giving scoring details (flute, strings, drum).