5 (6) Menuette (Nr. 6 Fragment), K. 461 (C-Dur)
av Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts 5 (6) Menuette (K. 461) sind ein kompakter Zyklus orchestraler TanzstĂŒcke, 1784 in Wien entstanden; ein sechstes Menuett ist nur fragmentarisch ĂŒberliefert. Oft ĂŒberstrahlt von den groĂen Konzerten und Kammerwerken derselben Saison, zeigen diese Miniaturen Mozart (28-jĂ€hrig), wie er funktionale Ballsaalmusik mit derselben SouverĂ€nitĂ€t, Farbigkeit und formalen Klarheit behandelt, die er auch in den groĂen Gattungen entfaltet.
Hintergrund und Kontext
Wien in der Mitte der 1780er Jahre eröffnete Mozart ein musikalisches Doppelleben: hier der öffentliche Virtuose und Schöpfer ambitionierter Konzerte, dort der vollendete Profi, der die aristokratische Geselligkeit mit Musik versorgteâSerenaden, Gelegenheitswerke und nicht zuletzt TĂ€nze. Gerade Menuette waren in ihrer sozialen Funktion keineswegs âkleinâ: Sie strukturierten Etikette, Rang und das zeremonielle ZeitmaĂ einer Zusammenkunft und boten zugleich Gelegenheit, innerhalb eng gesetzter Proportionen Eleganz und Witz zu zeigen.
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K. 461 gehört in diese praktische Wiener Tanzkultur, steht aber zugleich an einem interessanten Punkt in Mozarts Laufbahn. Der Zyklus ist als sechs Menuette IâVI ĂŒberliefert, doch Nr. VI bricht ab und ist unvollstĂ€ndigâdaher die heute verbreitete PrĂ€sentation als fĂŒnf vollstĂ€ndige Orchester-Menuette (mit dem sechsten als Torso). Die Musik lĂ€dt damit zu zweierlei Aufmerksamkeit ein: als verfeinerte Gebrauchsmusik (Musik zum Gebrauch) und als Einblick in Mozarts Werkstatt, in der selbst ein Tanz in unterschiedlichen Graden der Ausarbeitung ĂŒberdauern kann.[1][2]
Komposition und UrauffĂŒhrung
Die wichtigste Quelle ist Mozarts Autograph, datiert âVienna 1784â. Die Neue Mozart-Ausgabe (NMA) berichtet, dass das Autograph in zwei Teilen erhalten ist: Nr. 1â4 in der Staatsbibliothek zu Berlin sowie Nr. 5 und der Beginn von Nr. 6 in der Library of Congress (Washington, D.C.).[1] Diese geteilte Ăberlieferungsgeschichte erklĂ€rt mit, warum der Zyklus hĂ€ufig als âfĂŒnfâ statt als âsechsâ begegnet.
Bemerkenswert ist, dass Mozart diese Menuette nicht in das persönliche Werkverzeichnis eingetragen hat, das er am 9. Februar 1784 zu fĂŒhren begann. Auf dieser Grundlage vermutet die NMAâvorsichtigâ, dass sie vermutlich vor diesem Datum komponiert wurden (also im Januar oder Anfang Februar 1784), ungeachtet der Autograph-Datierung âVienna 1784â.[1] Wie bei Tanzmusik dieser Zeit sind die UmstĂ€nde der ersten AuffĂŒhrung nicht eindeutig dokumentiert; solche StĂŒcke entstanden in der Regel fĂŒr konkrete AnlĂ€sse und wurden nach Bedarf wiederverwendet, statt im modernen Konzertsinne âuraufgefĂŒhrtâ zu werden.
Besetzung
Die Besetzung entspricht einem kleinen klassisch besetzten Orchester, wie es fĂŒr höfisches Tanzrepertoire typisch ist, in Mozarts HĂ€nden jedoch bemerkenswert farbig wirkt:
- HolzblÀser: 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Fagotte
- BlechblÀser: 2 Hörner
- Streicher: Violinen I & II, Violoncello, Kontrabass (mit dem auffÀlligen Hinweis, dass Bratschen nicht verwendet werden)
Diese âohne Bratschenâ-Texturâwie sie in den verbreiteten Besetzungsangaben vermerkt istâhellt die Mittellage auf und lĂ€sst die harmonische StĂŒtze von Fagotten und Hörnern deutlicher hervortreten: eine subtile Art, Tanzmusik zusĂ€tzliche klangliche Kontur zu geben, ohne das Ensemble zu vergröĂern.[2]
Form und musikalischer Charakter
Jede Nummer folgt dem Grundschema des höfischen Menuetts: Menuett, dann ein kontrastierendes Trio, dann die RĂŒckkehr da capo. Der Reiz liegt darin, wie viel Vielfalt Mozart aus einem stabilen gesellschaftlichen Rhythmus zu ziehen vermag.
- Nr. 1 (C-Dur): Das Menuett in der Grundtonart etabliert die öffentliche Seite des Zyklusâausgewogene Phrasen, klarer harmonischer Rhythmus und ein selbstbewusster orchestraler Glanz. Man hört Mozarts Gabe, selbst âHintergrundâ-Musik zu gliedern: Kadenzen setzen mit der Sicherheit eines TĂ€nzers auf, wĂ€hrend die BlĂ€serfĂŒhrung konversatorischen Funken schlĂ€gt.
- Nr. 2â4 (nach auĂen modulierend): Die folgenden Menuette fĂŒhren in verwandte Tonarten (hĂ€ufig genannt: Es-Dur, G-Dur und B-Dur) und erzeugen so den Eindruck einer kleinen Suite statt fĂŒnf beliebig austauschbarer StĂŒcke.[3] Innerhalb dieses Bogens dienen die Trios oft als lyrischer Innenraum des Zyklus: dĂŒnnere Texturen, sanftere BlĂ€serklĂ€nge und offener gesangliche LinienâAugenblicke, in denen das Zeremonielle des Menuetts in Charme ĂŒbergeht.
- Nr. 5 (F-Dur): Das fĂŒnfte Menuett (in F-Dur) wird in Verzeichnissen und Aufnahmen oft besonders hervorgehoben, vielleicht weil Tonart und Affekt wie eine âEntspannungâ nach dem hellen Glanz von C und der reicheren WĂ€rme der b-Vorzeichen-Tonarten wirken. Die Rhetorik bleibt höfisch, doch Mozarts GespĂŒr fĂŒr federnde, leicht rustikale Wendungen (so typisch fĂŒr seine Wiener Instrumentalmusik) tritt hier stĂ€rker an die OberflĂ€che.[3]
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- Nr. 6 (D-Dur, Fragment): Das sechste Menuett ist nur in seinem Anfang erhalten. Diese UnvollstĂ€ndigkeit ist mehr als eine bibliographische KuriositĂ€t: Sie erinnert daran, wie kontingent die Ăberlieferung von Mozarts sogenannten âkleinenâ Werken sein kannâund wie leicht ein funktionaler Auftrag fĂŒr spĂ€tere Hörer zu einem Torso wird, der Fragen provoziert: Wurde der Zyklus aufgegeben? Verlegt? Oder einfach unvollendet gelassen, weil sich die UmstĂ€nde Ă€nderten? Die NMA behandelt es als teilweise ĂŒberliefertes Werk; der erhaltene Beginn wird zusammen mit dem vollstĂ€ndigen vorhergehenden Menuett ĂŒberliefert.[1]
Was K. 461 heute hörenswert macht, ist gerade diese Mischung aus Funktion und Ausarbeitung. Menuette werden bisweilen als höflich-neutrale Tapete behandelt; Mozart hingegen gestaltet sie eher als Miniaturszenen. Der Wechsel zwischen Menuett und Trio wird zu einer Art sozialer Dramaturgie: öffentlich versus privat, ReprÀsentation versus IntimitÀt, volles Ensemble versus kammermusikalisch gefÀrbte BlÀserfarben.
Rezeption und Nachwirkung
K. 461 hat nie den konzertsaalwĂŒrdigen Sockel von Mozarts Symphonien oder Klavierkonzerten eingenommen, und es ĂŒberrascht nicht, dass viele Hörer diese StĂŒcke zunĂ€chst ĂŒber Aufnahmen oder Sammelausgaben von TĂ€nzen kennenlernen. Doch die Ăberlieferung in Autographquellen und die Aufnahme in moderne kritische Editionen unterstreichen, dass es sich nicht um randstĂ€ndige Ephemera handelt: Es ist gut bezeugter Mozart und dokumentiert, wie geschickt er fĂŒr das Wiener Tanzorchester schreiben konnteânoch bevor seine spĂ€teren, hofamtlich geprĂ€gten SchĂŒbe an Ballsaalmusik in den spĂ€ten 1780er Jahren einsetzten.[1]
Zusammengefasst belohnen die 5 (6) Menuette den Hörer, der Mozarts Kunst in jeder GröĂenordnung schĂ€tzt. Sie bieten eine konzentrierte Studie klassischer Phrasierung, orchestraler Farbe mit bescheidenen Mitteln und der Kunst, gesellschaftliche Musik mit Persönlichkeit sprechen zu lassenâwĂ€hrend das fragmentarische sechste Menuett eine ungewöhnlich direkte Spur der LĂŒcken der historischen Ăberlieferung hinterlĂ€sst, selbst bei einem so gut dokumentierten Komponisten wie Mozart.
[1] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe), editorial foreword for NMA IV/13/1/2 discussing sources and dating of Six Menuetts KV 461 (448a), including autograph locations and the fragmentary No. 6.
[2] IMSLP work page for 6 Minuets, K. 461/448a (basic work data and commonly cited instrumentation, including note that No. 6 is incomplete).
[3] Ecaterina Banciu, "Mozartâs Minuet" (Parlando, PDF): catalogue-style listing giving the keys for the six minuets of K. 461 and contextual discussion of minuets in Mozartâs output.








