K. 168

Streichquartett Nr. 8 F-Dur (K. 168)

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Streichquartett Nr. 8 F-Dur (K. 168) entstand im August 1773 in Wien, als der Komponist siebzehn Jahre alt war. Als erstes der sogenannten „Wiener“ Quartette (K. 168–173) ist es ein konzentriertes Werk in vier SĂ€tzen, dessen Ernsthaftigkeit – besonders im f‑Moll‑Andante und im fugierten Finale – zeigt, wie Mozart sich am neuesten Quartettstil maß, der mit Joseph Haydn verbunden wurde.

Hintergrund und Kontext

Im Sommer und frĂŒhen Herbst 1773 hielt sich Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) in Wien auf und nahm dort eine musikalische Umgebung in sich auf, die weit ĂŒber die höfischen Routinen Salzburgs hinausging. In diese Phase des Hörens, Experimentierens und der Ambition gehören die sechs Quartette K. 168–173, die spĂ€ter den Beinamen „Wiener Quartette“ erhielten: Mozart war kurz zuvor Joseph Haydns neu erschienenen Quartetten begegnet (insbesondere den Opp. 9 und 17) und begann, das Quartett weniger als gefĂ€lliges Divertimento zu behandeln, sondern als Medium fĂŒr Argument, Kontrast und gelehrte Kunst.[2]

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K. 168 wird bisweilen von den reifen „Haydn“-Quartetten der 1780er Jahre ĂŒberschattet, verdient aber gerade deshalb Aufmerksamkeit, weil es Mozarts jugendlichen Sprung in Richtung jener spĂ€teren Meisterschaft dokumentiert. Statt auf den mĂŒhelosen Charme seiner frĂŒheren, italienisch geprĂ€gten Quartette zu setzen, verleiht er dem Kontrapunkt, der Ausdruckskraft im Moll und einem Finale Gewicht, das nicht bloß unterhĂ€lt, sondern etwas beweist.

Komposition und Widmung

Das Quartett ist Mozart sicher zugeschrieben und liegt in der maßgeblichen modernen Forschung in der Neuen Mozart-Ausgabe (New Mozart Edition) vor.[1] In praktischer und dokumentarischer Hinsicht wird das Werk auf August 1773 in Wien datiert, und seine viersĂ€tzige Anlage stellt es in den grĂ¶ĂŸeren Zusammenhang des Zyklus K. 168–173.[3]

Eine Widmung ist fĂŒr K. 168 nicht eindeutig belegt, und – wie beim ĂŒbrigen Zyklus – scheinen diese Quartette zu Mozarts Lebzeiten nicht im Druck erschienen zu sein. Erst postum wurden sie 1801 von Johann Anton AndrĂ© herausgegeben (als Teil von Mozarts Op. 94), was mit erklĂ€rt, warum sie lange Zeit weniger prĂ€sent waren als die spĂ€teren Quartette, die Mozart mit grĂ¶ĂŸerer Sorgfalt fĂŒr die Veröffentlichung vorbereitete.[2][3]

Besetzung

  • Streicher: 2 Violinen, Viola, Violoncello[3]

Form und musikalischer Charakter

Mozart entfaltet einen klassischen Viersatzplan, der im Profil bereits „öffentlicher“ und symphonischer wirkt als viele frĂŒhere Quartette:

  • I. Allegro (F-Dur)
  • II. Andante (f-Moll)
  • III. Menuetto – Trio (Trio in B♭-Dur)
  • IV. Allegro (Fuge)[2]

I. Allegro

Der Kopfsatz steht in Sonatenhauptsatzform; man hört, wie Mozart erprobt, wie viel dramatische Spannung sich mit nur vier Streichstimmen erzeugen lĂ€sst: Thematisches wird rasch zwischen den Stimmen weitergereicht, und Begleitfiguren erhalten – fĂŒr ein so frĂŒhes Quartett – eine ungewöhnliche EigenstĂ€ndigkeit.[2] Selbst wenn die OberflĂ€che in hellem F-Dur glĂ€nzt, weist der musikalische Diskurs bereits auf das spĂ€tere mozartische Quartettideal voraus, in dem die „inneren“ Stimmen nicht bloß FĂŒllwerk, sondern mitspielende Akteure sind.

II. Andante (f-Moll)

Der langsame Satz ist das emotionale Zentrum des Quartetts: eine seltene, konzentrierte Wendung nach f-Moll, die den Ausdrucksraum des Werks sofort vertieft. Mozart gestaltet ihn als Kanon im Dreiertakt – eine unmissverstĂ€ndliche Geste gelehrten Schreibens.[2] Das Ergebnis ist jedoch keine akademische Trockenheit, sondern eine ernste, suchende Lyrik, die umso eindringlicher wirkt, als hier ein jugendlicher Komponist ZurĂŒckhaltung dem Effekt vorzieht.

III. Menuetto – Trio

Das Menuett kehrt zu einem höfischeren Ton zurĂŒck, doch es setzt das StĂŒck nicht einfach „auf Null“. Das Trio in B♭-Dur bringt eine wĂ€rmere, pastoralere Farbe, und seine klare Periodik kann wie ein kurzer Blick zurĂŒck auf die gesellschaftlichen TanzursprĂŒnge der Gattung wirken.[2]

IV. Allegro (Fuge)

Am markantesten ist das Finale: Mozart wĂ€hlt eine Fuge statt eines unbeschwerten Rondos. Damit schließt er sich einer zeitgenössischen Faszination fĂŒr kontrapunktische SchlusssĂ€tze an – auch in Haydns Quartetten jener Jahre zu finden – und zeigt, wie schnell er den „gelehrten“ Stil in bewegliche Kammermusik zu ĂŒbersetzen vermochte.[2] Der VorwĂ€rtsdrang des Satzes entsteht weniger aus orchestraler Wucht als aus der straffen Logik von EinsĂ€tzen und Imitationen, wodurch das Quartett im Kleinen wie eine kompositorische Visitenkarte wirkt.

Rezeption und Nachwirkung

Da die Wiener Quartette erst nach Mozarts Tod veröffentlicht wurden, prĂ€gte K. 168 das öffentliche Bild von Mozarts Quartettkunst nicht in dem Maße, wie es die spĂ€teren Zyklen taten.[2] Dennoch schĂ€tzen heutige Interpretinnen, Interpreten und Hörende diese Werke zunehmend als entscheidende „Laborphase“: In K. 168 erprobt Mozart drei Merkmale, die fĂŒr seine reife Quartett-Sprache zentral werden – motivisch waches Schreiben im Sonatensatz, einen langsamen Satz von ungewöhnlicher Moll-Tiefe und ein Finale, das Kontrapunkt als Quelle theatralischer Energie begreift und nicht als bloß scholastische Zier.

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Kurz: Streichquartett Nr. 8 F-Dur, K. 168 ist nicht einfach ein LehrlingsstĂŒck. Es zeichnet Mozart mit siebzehn, wie er das Quartett als ernsthafte Kunstform erprobt – und bereits in erstaunlichem Tempo entdeckt, wie viel Ausdrucksgewicht vier Streichinstrumente tragen können.

[1] New Mozart Edition (NMA), String Quartets volume (includes facsimile reference for KV 168 and editorial framework).

[2] Wikipedia: “Viennese Quartets (Mozart)” — overview of K. 168–173, context of Haydn’s influence, movement list for K. 168, and notes on slow-movement canon and fugal finale; publication information (AndrĂ©, 1801).

[3] IMSLP work page: String Quartet No. 8 in F major, K. 168 — date/place (August 1773, Vienna), instrumentation, movement headings, and first publication details (AndrĂ©, 1800/1801).