K. 173

Streichquartett Nr. 13 d-Moll, K. 173

von Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Streichquartett Nr. 13 d-Moll, K. 173 entstand in Wien im August–September 1773, als er erst siebzehn Jahre alt war. Als letztes der sogenannten „Wiener“ Quartette (K. 168–173) ist es zugleich das einzige in Moll innerhalb des Zyklus—kompakt, scharf konturiert und fĂŒr Mozarts frĂŒhes Quartett-Schaffen ungewöhnlich ernst im Ton.

Hintergrund und Kontext

Mozarts sechs „Wiener“ Streichquartette, K. 168–173, gehören zu einem kurzen, konzentrierten Schub kammermusikalischer Arbeit wĂ€hrend seines Wien-Aufenthalts 1773—Monate, in denen der jugendliche Komponist den neuesten Quartettstil aufsog, der vor allem mit Joseph Haydn verbunden war [1]. In diesem Sinne ist K. 173 weniger eine LehrlingsĂŒbung als ein Dokument schnellen Lernens: Es zeigt Mozart, wie er in vier eigenstĂ€ndigen Stimmen denkt, die formale Argumentation strafft und den Kontrapunkt (Imitation zwischen den Stimmen) als Mittel zur Erzeugung von VorwĂ€rtsdrang nutzt—nicht bloß als akademische Zierde.

As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.

Innerhalb von Mozarts Quartettwerk ist d-Moll eine sprechende Wahl. Molltonarten sind in seinen Streichquartetten vergleichsweise selten, und gerade d-Moll signalisiert in seinem ƒuvre andernorts oft gesteigerte Dramatik. K. 173 ist ein frĂŒhes Beispiel dieses Ausdrucksbereichs—noch nicht mit der spĂ€teren „Sturm und Drang“-IntensitĂ€t, sondern mit einer schlanken, wachen Rhetorik, die Spannung und Lösung höher gewichtet als pure lyrische Unbeschwertheit.

Entstehung und Widmung

Das Quartett ist eindeutig authentifiziert und ĂŒberliefert; die Internationale Stiftung Mozarteum datiert es auf Wien, August–September 1773 [2]. Besetzt ist es fĂŒr das Standard-Quartett—zwei Violinen, Viola und Violoncello—ohne zusĂ€tzliche Instrumente [2].

Mit K. 173 ist kein WidmungstrĂ€ger verbunden, wie Mozart spĂ€ter Haydn in dem veröffentlichten Zyklus von sechs ihm gewidmeten Quartetten ehrte (den „Haydn“-Quartetten der 1780er Jahre). Doch der stilistische Dialog ist hier bereits hörbar, und K. 173s Stellung als Abschlusswerk der Wiener Gruppe unterstreicht seine Funktion als eine Art kulminierende Aussage dieses Experiments von 1773 in Haydns Medium [1].

Form und musikalischer Charakter

K. 173 folgt dem inzwischen etablierten Vier-Satz-Plan, wie er mit dem reifen Quartettstil verbunden ist—schneller Satz, langsamer Satz, Menuett und Finale [3]. Im Überblick (Satzbezeichnungen wie ĂŒblich ĂŒberliefert):

  • I. (Allegro moderato) (d-Moll) [3]
  • II. (Andantino grazioso) (oft in D-Dur angegeben) [3]
  • III. Menuetto (mit Trio) [3]
  • IV. (Allegro moderato) (d-Moll) [3]

Besonders hörenswert ist das Quartett durch die Entschiedenheit, mit der Mozart jeden Satz aus minimalem Material heraus prĂ€gt. Das eröffnende Allegro moderato ist straff und argumentativ; es bevorzugt motivische Arbeit—kleine EinfĂ€lle, die gewendet, sequenziert und zwischen den Instrumenten ausgetauscht werden—gegenĂŒber ausgreifender Melodik. Selbst wenn die erste Violine in den Vordergrund tritt, entspannt sich das GefĂŒge nur selten zu „Begleitung und Melodie“; vielmehr beteiligen sich die Mittelstimmen (Viola und zweite Violine) hĂ€ufig an Imitationen, die die musikalische OberflĂ€che in Bewegung halten.

Der Wechsel des langsamen Satzes in die Dur-Tonart dient mehr als bloßem Kontrast. Sein anmutiges cantabile wirkt entlastend, doch Mozart gibt die insgesamt konzentrierte Haltung des Quartetts nicht preis: Der Satz bleibt dialogisch angelegt, und Kadenzen wirken oft „verdient“—vorbereitet durch sanfte Vorhalte und Durchgangsdissonanzen, die subtil an den ernsteren Rahmen des Werks erinnern.

Das Menuetto und das Trio kehren zu einem dunkleren Profil zurĂŒck und erinnern daran, dass dies kein rein divertimentohaftes Quartett ist. Hier zeigt Mozart einen haydnschen Instinkt dafĂŒr, einen Tanzsatz doppelt zu nutzen: Er bewahrt die gesellschaftliche Kontur des Menuetts und schĂ€rft sie zugleich durch harmonische Wendungen und eine straffe Periodik.

Das Finale, wiederum mit Allegro moderato bezeichnet, vollendet den charakteristischen Bogen des Werks: d-Moll wird nicht nur gestreift, sondern bekrĂ€ftigt. Mozarts Kunst besteht darin, den Schlusssatz zugleich unabwendbar und flink-ökonomisch wirken zu lassen—man hört einen jungen Komponisten, der lernt, eine mehrsĂ€tzige Argumentation ohne rhetorischen Überschwang zu schließen.

Rezeption und Nachwirkung

Anders als Mozarts spĂ€tere Quartette—insbesondere die sechs Haydn gewidmeten—war K. 173 nie ein allgemein verbreitetes „EinstiegsstĂŒck“, und seine schlankere, stĂ€rker erkundende Rhetorik kann neben den reifen Meisterwerken bescheiden wirken. Doch genau darin liegt sein Reiz. Als letztes der Wiener Quartette hĂ€lt es Mozart in einem Moment stilistischer Neujustierung fest: Er misst sich an Haydns Modell, erprobt die viersĂ€tzige Architektur und entdeckt, wie viel Ausdrucksgewicht ein Quartett tragen kann, wenn nichts als vier Streichinstrumente zur VerfĂŒgung stehen [1].

As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.

Das Werk hat zudem ein praktisches Nachleben: Partitur und Stimmen sind weithin verbreitet, und heutige Interpretinnen und Interpreten können die Materialien der Neue Mozart-Ausgabe (ĂŒber IMSLP erschlossen) neben anderen historischen Ausgaben heranziehen [3]. In der Konzertprogrammgestaltung lohnt es sich, K. 173 neben frĂŒhen Haydn-Quartetten oder Mozarts spĂ€terem d-Moll-Quartett, K. 421, zu platzieren—dann lĂ€sst sich, innerhalb eines Jahrzehnts, die Verwandlung einer ernsten Moll-Haltung in etwas WeitrĂ€umigeres und psychologisch VerĂ€stelteres hören.

[1] Wikipedia — overview of Mozart’s “Viennese Quartets” (K. 168–173), composed in Vienna in late 1773 and influenced by Haydn.

[2] Köchel Verzeichnis (International Mozarteum Foundation) — KV 173 work page with authentication status, dating (Vienna, 08–09/1773), key, and instrumentation.

[3] IMSLP — String Quartet No. 13 in D minor, K. 173: movements list, composition year/month (September 1773, Vienna), and links to NMA materials.