K. 358

Sonate in B-Dur fĂŒr Klavier zu vier HĂ€nden, K. 358

di Wolfgang Amadeus Mozart

Miniature portrait of Mozart, 1773
Mozart aged 17, miniature c. 1773 (attr. Knoller)

Mozarts Sonate in B-Dur fĂŒr Klavier zu vier HĂ€nden (K. 358) gehört in die Salzburger Jahre (1773–1774), in denen der 17-jĂ€hrige Komponist einen öffentlichen, brillanten Klavierstil ausbildete—fĂŒr das hĂ€usliche Musizieren ebenso wie fĂŒr den glanzvollen Auftritt.[1] In drei knappen SĂ€tzen (Allegro–Adagio–Molto presto) zeigt sie, wie einfallsreich Mozart das Medium „ein Klavier, zwei Spieler“ in etwas von orchestraler Weite und zugleich dialogischer Detailarbeit verwandeln konnte.[2]

Hintergrund und Kontext

Klavierduette—zwei AusfĂŒhrende an einem Instrument—waren in Salzburg eine SpezialitĂ€t der Mozarts. Die Internationale Stiftung Mozarteum vermerkt, dass Wolfgang AmadĂ© Mozart und seine Schwester Maria Anna („Nannerl“) bereits ab 1764 gemeinsam öffentlich auftraten und dass Mozart zu den ersten in Europa gehörte, die ausdrĂŒcklich StĂŒcke fĂŒr Klavier zu vier HĂ€nden schrieben.[1] In dieser Tradition ist K. 358 eine der ersten voll ausgefĂŒhrten, groß angelegten Sonaten der Gattung: kein pĂ€dagogisches MiniaturstĂŒck, sondern ein Werk, in dem Primo und Secondo abwechselnd fĂŒhren, begleiten und einander gleichsam „orchestrieren“.

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Die Sonate steht zudem an einem interessanten Schnittpunkt in Mozarts Schaffen. Anfang der 1770er Jahre war er in Salzburg intensiv mit Sinfonien und Serenaden befasst, und die VierhĂ€ndigkeits-Textur bot eine Möglichkeit, am Klavier orchestrales Gewicht anzudeuten—Basslinien und Innenstimmen lassen sich, auf zwei Spieler verteilt, fester verankern. Dieser sonorere Klang ist ein Grund, warum K. 358 heute Aufmerksamkeit verdient: Es ist frĂŒher Mozart, doch es klingt selten „klein“.

Entstehung

K. 358 ist im Köchel-Verzeichnis Online zuverlĂ€ssig authentifiziert und auf Salzburg, 1773–1774, datiert.[1] (Manche Quellen sprechen von „spĂ€tes 1773–frĂŒhes 1774“ und meinen damit denselben groben Zeitraum.)[3] Das Werk ist in Autographquellen ĂŒberliefert—KV Online nennt ein Autograph mit der Datierung 1774—und es erschien relativ frĂŒh im Druck: Ein „Erstdruck“ kam 1783 in Wien bei Artaria als Teil einer Ausgabe mit dem Titel Deux Sonates Ă  quatre mains heraus (gekoppelt mit K. 381).[1]

FĂŒr einen Salzburger Teenager ist diese spĂ€tere Wiener Veröffentlichung bemerkenswert. Sie deutet darauf hin, dass das StĂŒck ĂŒber den unmittelbaren Gebrauch im Familienkreis hinaus Bestand hatte: Es gab einen Markt fĂŒr anspruchsvolle Duosonaten, die in bĂŒrgerlichen Salons auf Cembalo oder Fortepiano gespielt werden konnten—wie auch das Artaria-Titelblatt selbst nahelegt.[1]

Form und musikalischer Charakter

K. 358 folgt dem klassischen dreisÀtzigen Schema, das man aus Soloklavier- und Kammermusiksontaten kennt:[2]

  • I. Allegro
  • II. Adagio
  • III. Molto presto

I. Allegro

Der Kopfsatz wirkt extrovertiert und „öffentlich“—mit lebhaftem thematischem Austausch, klarer Kadenzgliederung und energiegeladenen Passagen, die rasch zwischen den Spielern wandern können. Das Spezifische der VierhĂ€ndigkeit ist dabei Mozarts FĂ€higkeit, „orchestrale“ Rollen zu verteilen: Secondo kann die Harmonik mit festem Bass und Innenstimmen tragen, wĂ€hrend Primo eine eher solistische Linie ĂŒbernimmt, doch die Aufgaben bleiben beweglich statt fest zugeordnet. Das Ergebnis steht der Kammermusik nĂ€her als einer Solosonate mit Begleitung.

II. Adagio

Der langsame Satz ist das lyrische Zentrum der Sonate und zeigt, weshalb vierhĂ€ndiges Schreiben nicht bloß eine Frage der LautstĂ€rke ist. Mit zwei Spielern kann Mozart eine singende Melodie tragen lassen und darunter zugleich warme harmonische FĂŒllung und sanfte Gegenlinien fĂŒhren—Texturen, die fĂŒr einen einzelnen Spieler auf einem Instrument des 18. Jahrhunderts schwer auszubalancieren sein können. Die Haltung des Satzes weist zudem schon auf das weit atmende Cantabile voraus, das zu einem Kennzeichen von Mozarts reifem Klavierstil werden sollte.

III. Molto presto

Das Finale ist hell und quecksilbrig—eine Erinnerung daran, dass vierhĂ€ndige Sonaten oft Gesellschaftsmusik waren, deren Reiz aus Koordination und Glanz entstand. Hier nutzt Mozart die natĂŒrliche VirtuositĂ€t des Mediums: rasche Figurationen lassen sich teilen, imitieren und beantworten, wodurch die Musik einen beinahe theatralischen Zug bekommt—zwei Charaktere auf einer BĂŒhne.

Rezeption und Nachwirkung

K. 358 hat nie den Rang eines „Flaggschiffs“ unter Mozarts spĂ€teren vierhĂ€ndigen Sonaten erreicht (insbesondere der Wiener Werke K. 497 und K. 521), ist jedoch seit dem 18. Jahrhundert im Umlauf geblieben. Die frĂŒhe Artaria-Ausgabe von 1783 stellte das Werk in das grundlegende gedruckte Repertoire des hĂ€uslichen Klavierduett-Spiels.[1]

Heute ist die Bedeutung des Werks teils historisch—als Beleg dafĂŒr, wie frĂŒh Mozart Klavier zu vier HĂ€nden als ernstzunehmendes Sonatenmedium behandelte—und teils praktisch. FĂŒr AusfĂŒhrende bietet es einen idealen Einstieg in Mozarts Duettstil: klare klassische Rhetorik, ein Adagio von echter vokaler Schönheit und ein Finale, dessen Brillanz weniger von solistischer Bravour als vom aufmerksamen Zusammenspiel lebt. In diesem Sinn trifft K. 358 etwas Wesentliches bei Mozart: Musik, die von Anlage her gesellig ist und dennoch mit einer unangestrengten kompositorischen Sophistikation gestaltet wurde.

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[1] Internationale Stiftung Mozarteum (KV Online) — work entry for K. 358 with dating (Salzburg 1773–1774), authenticity, autograph note, and first edition (Artaria, 1783).

[2] IMSLP — general information for Sonata for Piano Four-Hands in B♭ major, K. 358/186c (movement list and basic catalog data).

[3] Fundación Mozarteum del Uruguay — catalog list entry indicating late 1773–early 1774 and Salzburg for K. 358/186c.