Sinfonie Nr. 25 in g-Moll, KV 183
par Wolfgang Amadeus Mozart

Eine enttäuschende Heimkehr nach Salzburg (1773)
Anfang 1773 erlebte der 17-jährige Wolfgang Amadeus Mozart ein Wechselbad aus Triumph und Frustration. Noch wenige Monate zuvor hatte er in Italien einen großen Erfolg gefeiert – seine Oper Lucio Silla wurde in Mailand während der Karnevalsaison erstaunliche 26 Mal aufgeführt.
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Beflügelt von diesem Operntriumph reisten Mozart und sein Vater Leopold weiter nach Wien, in der Hoffnung, dem jungen Genie eine angesehene Anstellung zu verschaffen. Wien erfüllte diese Hoffnungen jedoch nicht. Eine Hofanstellung kam für Mozart trotz seines Ruhms als Wunderkind.
„Wie ich Salzburg verabscheue“, klagte Wolfgang später in einem Brief, „ich habe viel eher die Hoffnung, an jedem anderen Ort angenehm und glücklich zu leben … Salzburg ist kein Ort für mein Talent.“
Im Herbst 1773 kehrten Vater und Sohn „enttäuscht und niedergeschlagen“, wie ein Bericht es beschreibt, nach Salzburg zurück. Der Jugendliche stand erneut im Dienst des Salzburger Fürsterzbischofs Hieronymus Colloredo – ein Posten, den er (zumindest dem Namen nach) seit seinem 15. Lebensjahr bekleidet hatte – und sah sich der Realität gegenüber, dass ihn weder die große Reise noch der Wien-Aufenthalt bislang aus dem, was er später seine „Salzburger Knechtschaft“ nannte, befreit hatten.
Kreatives Wiedererwachen in der Heimat
Zurück in Salzburg stürzte sich Mozart in die Arbeit. Leopold Mozart berichtete, dass sie es in Wien nicht einmal zu einem öffentlichen Konzert gebracht hatten, doch daheim verlor Wolfgang keine Zeit und machte Musik.
Wie es eine biografische Naxos-Einführung formuliert, „verlor sich Mozart in der Musik und ließ seine Wiener Enttäuschung so gut es ging hinter sich. Das Schreiben – seien es musikalische Kompositionen oder Briefe – war für Mozart eine große Therapie, und dementsprechend hielt er sich beschäftigt“.
Tatsächlich kam es im späteren Verlauf des Jahres 1773 zu einem Ausbruch an Kreativität. Während des Sommers in Wien war Mozart den neuesten Strömungen ausgesetzt – er hörte die neueren Wiener Stile und studierte Werke wie Joseph Haydns kühne op. 20 Streichquartette.
Diese Erfahrungen hatten einen „erheblichen Einfluss“ auf den jungen Komponisten. Nach der Rückkehr nach Salzburg im September 1773 schrieb er rasch einen Zyklus von sechs Streichquartetten, die Haydns Einfluss widerspiegeln, und wandte sich anschließend den Sinfonien zu.
Darunter waren zwei Sinfonien, die die Forschung als einen neuen Grad der Meisterschaft beim jugendlichen Mozart ansieht: die Sinfonie in A-Dur, KV 201, sowie ein noch dramatischeres Werk – die Sinfonie Nr. 25 in g-Moll, KV 183.
Die Geburt einer kühnen g-Moll-Sinfonie
Mozart komponierte die Sinfonie Nr. 25 in g-Moll in Salzburg im Oktober 1773. Die autographe Partitur ist auf den 5. Oktober 1773 datiert, und bemerkenswerterweise hatte er nur zwei Tage zuvor bereits eine weitere Sinfonie vollendet (Nr. 24 in B-Dur, KV 182) nur zwei Tage zuvor.
Mit anderen Worten: Innerhalb von 48 Stunden brachte Mozart zwei Sinfonien hervor – ein Zeugnis seiner erstaunlichen Geschwindigkeit und der kreativen Inbrunst jener Zeit.
Die Sinfonie Nr. 25, hingegen, war keineswegs ein Routinewerk; sie sticht als Werk von ungewöhnlicher Intensität innerhalb von Mozarts bis dahin entstandenem Schaffen hervor. Es ist eine von nur zwei Sinfonien, die er überhaupt in einer Molltonart schrieb (die andere ist die berühmte Nr. 40, ebenfalls in g-Moll, 15 Jahre später komponiert).
Zu Recht Nr. 25 gilt oft als Mozarts erste vollends reife Sinfonie. Obwohl der Komponist noch nicht ganz 18 war, stellen heutige Kommentatoren fest, dass er bereits 1773 „ein vollendeter Meister“ war.
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In diesem g-Moll-Werk tritt Mozarts eigene kompositorische Stimme – wie es ein moderner Biograf ausdrückte – zum ersten Mal „glasklar“ hervor. Es ist, als markiere diese Sinfonie den Schritt in seine musikalische Eigenständigkeit – den Moment, in dem er die letzten Reste des nachahmenden Stils abstreifte und selbstbewusst einen leidenschaftlichen eigenen Ton formte.
Ein Spiegel des musikalischen Zeitgeists
Warum schrieb Mozart ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt eine derart dramatische, stürmische Sinfonie? Ein Teil der Antwort liegt in den musikalischen Strömungen der Zeit.
Zu Beginn der 1770er-Jahre erfasste die Sturm-und-Drang -Bewegung die europäische Kunst und Musik; sie schätzte extreme Gefühlsäußerungen sowie dunkle, aufgewühlte Stimmungen.
Komponisten wie Haydn hatten in den vorangegangenen Jahren mehrere Moll-Sinfonien geschrieben, die von feuriger Intensität geprägt waren. (Tatsächlich teilt Mozarts Sinfonie Nr. 25 „teilt bestimmte Merkmale mit anderen Sturm-und-Drang -Sinfonien dieser Zeit“ und wurde wahrscheinlich insbesondere von Haydns Sinfonie Nr. 39 in g-Moll.)
Dem jungen Mozart war das gewiss nicht entgangen. In Wien hat er vermutlich avantgardistische Werke in diesem Stil gehört, und auch ihm selbst war das Drama nicht fremd – bis 1773 hatte er bereits sechs Opern vorzuweisen, drei davon für die Bühnen Mailands geschrieben.
In diesem Umfeld und vor eigenem Talent strotzend war Mozart bereit, großes Drama in reine Instrumentalmusik zu gießen.
Sturm und Drang und Mozarts dramatische Stimme
Mozarts Sinfonie Nr. 25 verkörpert die Sturm-und-Drang-Ästhetik.
Sie meldet sich mit einem Ruck zu Wort: Gleich zu Beginn des ersten Satzes erklingt in den Violinen ein pulsierender, synkopierter Rhythmus, gefolgt von einem sprunghaften, weite Intervalle umfassenden Thema, das die Grundtonart g-Moll umreißt.
Diese scharf nach oben strebende Figur ist eine klassische „Mannheimer Rakete“ – eine musikalische Geste, die durch die berühmte Mannheimer Hofkapelle populär wurde, bekannt für ihre dynamischen Effekte und Crescendi.
Die Wirkung ist packend. Hörer zu Mozarts Zeiten, gewöhnt an gefällige Sinfonien in Dur, dürften von dem drängenden, aufgewühlten Ton überrascht gewesen sein. Eine zeitgenössische Beschreibung könnte gut das wiedergeben, was moderne Autoren sagen: „gespannte, gedrängte Musik, geprägt von heftigen Synkopen, beredten Pausen und einer kraftvollen Basslinie“ – all das Sinfonie Nr. 25 bietet gleich auf ihren ersten Seiten.
Innovation und Orchestrierung
Über alle vier Sätze hinweg wahrt die kleine g-Moll-Sinfonie ein Maß an Intensität, das in Mozarts früheren Werken beispiellos war.
Schon die Besetzung steigerte die Wirkung. Mozart verlangte ungewöhnlicherweise vier Hörner (in zwei verschiedenen Stimmungen) statt des üblichen Paars – eine Wahl, die der orchestralen Textur zusätzliches Gewicht und dunkle Fülle verleiht.
(Wie der Musikwissenschaftler Neal Zaslaw anmerkt, ermöglichten die zwei Hörnerpaare in unterschiedlichen Stimmungen Mozart, mehr Töne und chromatische Harmonien als gewöhnlich auszuschöpfen, was die besondere Klangfarbe des Werks noch verstärkt.)
Die vorherrschende Molltonart ist unerbittlich – selbst der Schlusssatz bleibt bis zum Ende in g-Moll, während die Konvention Finali oft für ein sonnigeres Ende in die Durtonart wechseln ließ.
1773 war diese grüblerische Konsequenz kühn und neuartig.
Ein Rezensent hat das Stück als „ein groß angelegtes Werk, voller Intensität und emotionaler Wucht“ bezeichnet. Eine andere Analyse stellt fest, dass im Vergleich zu Mozarts früheren Symphonien K.183 „einen großen Schritt nach vorn in Form, Handwerk, Orchestrierung und Instrumentation“ darstellt, wobei die Vorliebe des jungen Komponisten für Drama in voller Pracht zutage tritt.
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Kurz: Mozart hatte eine tiefere Ader des Empfindens freigelegt – zornig, ruhelos, nach den Maßstäben der Zeit sogar tragisch.
Kein Wunder, dass diese von einem Teenager geschriebene Symphonie oft als „seine erste vollends reife Symphonie“ und „erstes unbestreitbares Meisterwerk“ hervorgehoben wird.
Künstlerischer Ausdruck, nicht persönliches Leid
Wichtig ist jedoch zu beachten, dass das Drama der Symphonie Nr. 25 nicht notwendigerweise ein direkter Spiegel von Mozarts persönlichem Leid war – schließlich hatte er 1773 die großen Tragödien, die sein Leben später verdüstern sollten, noch nicht erlebt.
Ein Programmheftautor warnt, dass man, da dieses Werk „aus dem Oktober 1773 stammt, lange vor [Mozarts] späteren Jahren der Tragödie und finanziellen Not“, vorsichtig sein sollte, es als Vorboten der Angst seiner viel späteren 40. Symphonie zu lesen.
Der emotionale Sturm von K.183 verdankt sich vermutlich eher Mozarts künstlerischem Umfeld und jugendlichem Wagemut als irgendeiner biografischen Krise.
Dennoch lässt sich Kunst nicht völlig vom Leben trennen. Mozart rieb sich damals tatsächlich an Zwängen – festgehalten in einem provinziellen Hofamt, das ihn nicht erfüllte, und voller Sehnsucht nach den größeren Bühnen Europas.
Seine Briefe aus dieser Zeit strotzen vor Ungeduld. „Salzburg ist kein Ort für mein Talent“, klagte er.
Solche Frustrationen dürften die feurige Energie genährt haben, die aus der Partitur der Symphonie Nr. 25 hervorbricht. Die leidenschaftliche Stimme des Werks deutet auf einen jungen Mann hin, der „sich bewusst war, dass sein Genie nun in voller Blüte stand“ – entschlossen, gehört zu werden.
Uraufführung und frühe Rezeption
Die Symphonie Nr. 25 wurde am 5. Oktober 1773 vollendet – doch wann und wo wurde sie erstmals gespielt?
Leider ist kein eindeutiger Nachweis ihrer Uraufführung erhalten. Wahrscheinlich wurde sie im Herbst 1773 kurz nach ihrer Entstehung in Salzburg aufgeführt.
Mozart, als Konzertmeister (leitender Hofmusiker) des Erzbischofs Colloredo, stellte in Salzburg regelmäßig neue Musik für Hofanlässe und öffentliche Konzerte vor.
Wir wissen, dass er bis 1773 einen Kreis lokaler Bewunderer und Mäzene hatte, die begierig darauf waren, seine neuesten Werke zu hören; daher ist es plausibel anzunehmen, dass die g-Moll-Symphonie bald nach ihrer Entstehung in Salzburgs Sälen ein Publikum fand.
Vielleicht erklang sie bei einem „Academie“-Konzert für die Gäste des Erzbischofs oder bei einem öffentlichen Adventskonzert jenes Jahres – solche Veranstaltungen sind belegt, auch wenn die Programme nicht immer überliefert sind.
Sollten manche Zuhörer die leichten, heiteren Symphonien aus Mozarts Kindheit erwartet haben, dürften sie einen Schock erlebt haben.
Man kann sich das Erstaunen des Salzburger Publikums vorstellen, als es die drängenden Mollrhythmen und kühnen Orchesterwirkungen aus der Feder ihres 17-jährigen Wunderkinds hörte.
Ruf und Vermächtnis
Zeitgenössische schriftliche Reaktionen speziell auf die Symphonie Nr. 25 sind nicht überliefert, doch es gibt Hinweise auf Mozarts wachsenden Ruf in dieser Zeit.
1774, ein Jahr nach der Symphonie, beförderte Mozarts Dienstherr Colloredo ihn auf eine bessere Stelle (Hoforganist) und erhöhte sein Gehalt – vielleicht eine Anerkennung von Mozarts wachsendem Ansehen und der Bandbreite der von ihm gelieferten Musik.
Doch obwohl er Anerkennung gewann, blieb Mozarts Unruhe.
Kaum war die Tinte auf der g-Moll-Symphonie getrocknet, begann er, weitere Reisen zu planen, um eine befriedigendere Anstellung zu finden.
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Binnen eines Jahres sollte er in München eine neue Oper herausbringen (La finta giardiniera, 1775), und später erneut auf Entlassung aus Salzburg drängen.
Die Symphonie Nr. 25 gehört somit zu einem Schlüsselkapitel in Mozarts Leben: Sie entstand an der Schwelle seiner Reife, in einer Phase intensiven schöpferischen Wachstums und persönlicher Unzufriedenheit.
Vermächtnis und historische Bedeutung
Rückblickend hat Mozarts Symphonie Nr. 25 in g-Moll beinahe legendären Status als Vorbote seines kühnen Erwachsenseins erlangt.
„Mit gutem Grund“, schreibt ein Analytiker, „gilt Mozarts 25. Symphonie als seine erste vollständig reife Symphonie.“
Moderne Hörer erkennen sie oft aus dem Beginn des Films Amadeus, wo ihre dramatischen Klänge die auf der Leinwand erzählte Mozart-Geschichte begleiten.
Doch selbst ohne spätere Assoziationen ist die historische Bedeutung dieses Werks klar.
Im Herbst 1773 komponiert von einem jugendlichen Maestro, frisch enttäuscht und voller neuer Ideen, hält die kleine g-Moll-Symphonie einen bemerkenswerten Moment fest, in dem Mozart eine neue, leidenschaftliche Stimme fand.
Wie Musikhistoriker übereinstimmend feststellen, war das Stück „nach allgemeinem Konsens sein erstes unbestreitbares Meisterwerk“ – eine stürmische jugendliche Proklamation, dass der junge Mozart vollends erwachsen geworden war.
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Quellen:
Partition
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- Mozart’s letters and contemporary accounts (quoted in text)
- Program notes and musicological analyses by Laurie Shulman, Neal Zaslaw, and others
- https://www.njsymphony.org/program_notes/detail/program-notes-steven-mackey-mozart
- Biographical summaries by Stanley Sadie and Britannica
- https://www.britannica.com/biography/Wolfgang-Amades-Mozart/The-Italian-tours
- Classically Curious: Mozart’s “Salzburg slavery” (ABC Classic)
- https://www.abc.net.au/listen/classic/read-and-watch/music-reads/classically-curious-mozart-in-salzburg/11241880
- Naxos “Life & Works” narration on Mozart
- https://www.naxos.com/lifeandworks/mozart/spokentext/mozart.pdf
- “Mozart’s Seven Saddest Pieces” (Interlude), and other scholarly commentary on Symphony No. 25.
- https://bmcrecords.hu/en/albums/nat-phil-orchcond-z-kocsis-wa-mozart-symph-in-g-minor-k183-k550
- Classically Curious: Mozart’s 'Salzburg slavery' - ABC Classic
- https://www.abc.net.au/listen/classic/read-and-watch/music-reads/classically-curious-mozart-in-salzburg/11241880
- The Letters of Wolfgang Amadeus Mozart. (1769-1791.), by Wolfgang Amadeus Mozart
- https://www.gutenberg.org/files/5307/5307-h/5307-h.htm
- Microsoft Word - Mozart Spoken text 1
- https://www.naxos.com/lifeandworks/mozart/spokentext/mozart.pdf
- Wolfgang Amadeus Mozart - Italian Tours, Music, Composer | Britannica
- https://www.britannica.com/biography/Wolfgang-Amadeus-Mozart/The-Italian-tours
- Symphony No. 25 (Mozart) - Wikipedia
- https://en.wikipedia.org/wiki/Symphony_No._25_(Mozart)
- Program Notes Program Notes | Mozart & Steven Mackey | New Jersey Symphony
- https://www.njsymphony.org/program_notes/detail/program-notes-steven-mackey-mozart
- Symphony No. 25 in G minor, K. 183, Wolfgang Amadeus Mozart
- https://www.laphil.com/musicdb/pieces/3947/symphony-no-25-in-g-minor-k-183
- W.A. Mozart: Symphonies in g minor K.183 & K.550 | BMC Records Official Website
- https://bmcrecords.hu/en/albums/nat-phil-orchcond-z-kocsis-wa-mozart-symph-in-g-minor-k183-k550
- The Mozarts — Skagit Symphony
- https://www.skagitsymphony.com/the-mozarts
- Mozart's Seven Saddest Pieces of Music
- https://interlude.hk/mozarts-seven-saddest-pieces-of-music













