K. 79

Rezitativ und Arie für Sopran „O temerario Arbace… Per quel paterno amplesso“ (K. 79)

ヴォルフガング・アマデウス・モーツァルト作

Portrait of Mozart aged 13 in Verona, 1770
Mozart aged 13 at the keyboard in Verona, 1770

Mozarts Rezitativ und Arie für Sopran „O temerario Arbace… Per quel paterno amplesso“ (K. 79) ist eine kompakte italienische Opernszene, verbunden mit Metastasios Artaserse und überliefert im Mailänder Umfeld des jungen Komponisten. Heute nur selten zu hören, bietet sie dennoch einen eindrucksvollen frühen Einblick in Mozarts Gespür für die Rhetorik der opera seria—vor allem im accompagnato-Rezitativ—und dafür, Charakter durch scharf kontrastierende Tempi und Affekte zu formen.

Hintergrund und Kontext

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) begegnete der italienischen opera seria aus nächster Nähe während seiner ersten Italienreise 1769–1771, einer Phase, die in seiner ersten abendfüllenden Oper für Mailand gipfelte, Mitridate, re di Ponto (1770). In denselben italienischen Zusammenhang gehört die kurze Szene „O temerario Arbace… Per quel paterno amplesso“ (K. 79), für Sopran und Orchester konzipiert und in Quellen überliefert, die später in die Neue Mozart-Ausgabe (New Mozart Edition) eingegangen sind. Die NMA ordnet sie Mozarts frühen konzertanten Arien und Orchesterszenen zu—Werken, die als Einlagenummern, Vorsingen oder eigenständige dramatische Ausschnitte dienen konnten, statt Teil einer vollständigen Mozart-Oper zu sein.[1]

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Moderne Kataloge zeigen, warum K. 79 in Zusammenfassungen nach „Jahr und Ort“ etwas sperrig wirkt: Die Digital Mozart Edition (NMA) führt das Stück als K. 79 (ältere Zählung) und K. 73d (sechste Auflage), und das Online-Köchelverzeichnis vermerkt abweichende Angaben zu Tonart sowie Anlage der Abschnitte—ein Spiegel der fortlaufenden Katalogarbeit und der komplizierten frühen Überlieferung mancher Jugendwerke für die Bühne.[2] Klar bleibt das Profil des Werks: eine zweiteilige Szene (Rezitativ plus Arie) für Sopran mit klassischem Orchester, nur wenige Minuten lang, aber mit echtem Anspruch an szenisches Können von Sängerin und Ensemble.[3]

Text und Komposition

Der Text stammt von Pietro Metastasio (1698–1782) und ist konkret mit Artaserse verbunden—einem der am häufigsten neu vertonten opera seria-Libretti des Jahrhunderts.[3] Arbace (Arbaces) ist eine typische Figur des metastasianischen Dramas: edel, von Pflicht bedrängt und zu abrupten rhetorischen Wendungen gezwungen—ideale Voraussetzungen für ein accompagnato-Rezitativ, das ebenso sehr „spielt“ wie es singt.

In der Darstellung der NMA ist die Szene ausdrücklich zweiteilig: Oh, temerario Arbace! (Rezitativ, Allegro assai), gefolgt ohne Unterbrechung von Per quel paterno amplesso (Arie, Moderato).[1] Noch vor Mozarts reifen Wiener Konzertarien ist dies die Grundarchitektur der Konzertszene: zunächst sprechähnliche Dringlichkeit, dann eine ruhigere, formal geformte Arie, die das emotionale Argument bündelt.

Musikalischer Charakter

K. 79 ist weniger durch melodisches „Hit“-Material auffällig als durch die Art, wie es Mechanik der opera seria in Miniaturform verdichtet. Das begleitete Rezitativ (recitativo strumentato) signalisiert Ernst: Das Orchester setzt nicht bloß harmonische Pfeiler, sondern beteiligt sich an Erregung und rhetorischer Zuspitzung der Figur.[2] Die folgende Arie, in einem ruhigeren Grundtempo, lädt die Sopranistin ein, von der Deklamation zur Linie zu wechseln—und prüft Atemführung, Legato sowie die Fähigkeit, einen langen dramatischen Gedanken zu tragen, ohne die Textdeutlichkeit zu verlieren.

Instrumentation (wie in einer weit verbreiteten, mit der NMA verknüpften Partiturtradition überliefert):

  • Holzbläser: 2 Oboen, 2 Fagotte
  • Blechbläser: 2 Hörner
  • Streicher: Violinen I & II, Viola, Violoncello, Kontrabass
  • Stimme: Sopran[3]

Warum verdient diese kleine Szene innerhalb von Mozarts Œuvre Beachtung? Gerade weil sie in ungewöhnlich frühem Stadium zeigt, wie selbstverständlich er die italienische dramatische Syntax übernimmt: das flirrende Wechselspiel zwischen gesteigerter Rede und lyrischer Reflexion, und das Gespür dafür, dass orchestrale Farbe bereits ein Mittel der Charakterzeichnung ist und nicht bloß Begleitung. Neben späteren Meisterwerken—etwa den großen Wiener Konzertarien oder den scharf psychologischen accompagnato-Rezitativen in Idomeneo und La clemenza di Tito—kann K. 79 wie eine Skizzenbuchseite wirken. Doch es ist eine aufschlussreiche: ein junger Komponist, der die metastasianische Bühne in sich aufnimmt und mit jener Sprache des musikalischen Dramas experimentiert, die ihm später zur zweiten Natur werden sollte.

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[1] Digital Mozart Edition (Neue Mozart-Ausgabe), Table of Contents for NMA II/7/1 listing K. 79 (73d) with movement titles and tempos.

[2] Köchel Catalogue Online (Internationale Stiftung Mozarteum), entry for KV 79 recitativo strumentato “Oh, temerario Arbace” with work relationships and instrumentation coding.

[3] IMSLP work page for “O temerario Arbace, K.79/73d,” giving key, scoring, Metastasio as librettist, and basic work metadata.