K. 422

L’oca del Cairo (K. 422) — Mozarts unvollendetes Fragment einer Opera buffa (1783)

von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozart from family portrait, c. 1780-81
Mozart from the family portrait, c. 1780–81 (attr. della Croce)

L’oca del Cairo (K. 422) ist ein unvollendetes italienisches Fragment einer opera buffa, das Mozart im Juli 1783 begann und noch im selben Jahr beiseitelegte; erhalten sind nur Teile des 1. Akts. Entstanden mit 27 Jahren zwischen Salzburg und Wien, bietet es einen aufschlussreichen Einblick in seine komisch-operative Werkstatt auf dem Weg zu den reifen Da-Ponte-Opern.

Was bekannt ist

Mozart begann L’oca del Cairo (K. 422) im Juli 1783 und gab das Projekt auf, nachdem er fĂŒr den 1. Akt eine betrĂ€chtliche Reihe von Nummern komponiert hatte; die ĂŒberlieferte Musik umfasst etwa drei Viertel dieses Akts (in der AuffĂŒhrung rund 45 Minuten) sowie einige Rezitative und mindestens eine weitere Skizze.[1] Das Libretto ist italienisch und stammt von Giambattista Varesco (auch Mozarts Librettist fĂŒr Idomeneo).[1]

As an Amazon Associate we earn from qualifying purchases.

Die Digitale Mozart-Edition bewahrt den erhaltenen gesungenen Text und bestĂ€tigt, dass der ĂŒberlieferte Teil mit einem klaren „Fine dell’atto primo“ schließt.[2] Heute ist das Fragment hĂ€ufig in KonzertauszĂŒgen zu hören oder innerhalb spĂ€terer VervollstĂ€ndigungen/Bearbeitungen, die fehlende Teile der Handlung ergĂ€nzen.[1]

Musikalischer Gehalt

Was erhalten ist, zeigt vor allem Mozart beim theatralischen Denken in Ensembles. Die ĂŒberlieferten Seiten enthalten rasante komische Schlagabtausche (etwa ein frĂŒhes Allegro assai-Duett fĂŒr Chichibio und Auretta) sowie grĂ¶ĂŸere mehrstimmige Nummern, die das BĂŒhnengeschehen durch ĂŒberlappenden Text vorantreiben, statt durch isolierte SchaustĂŒcke.[2]

In den erhaltenen Szenen des 1. Akts wechselt Mozart zwischen einer buffonesken, an Sprechgesang erinnernden Beweglichkeit und lyrischeren Bitten um „libertà“ (Freiheit), um schließlich die Hauptfiguren in einem konzertierten Schluss zusammenzufĂŒhren – genau jene Finaltechnik, die zum Markenzeichen seiner spĂ€teren Wiener komischen Opern werden sollte.[2] Selbst in fragmentarischer Gestalt zeigt L’oca del Cairo Mozart im Jahr 1783 dabei, auszuloten, wie weit komische Charakterzeichnung durch Ensembletextur und hohes Tempo getragen werden kann – und nicht nur durch einzelne Arien.

[1] Wikipedia: overview of the fragment (dating, librettist, extent of surviving Act I music, manuscript note, later completions).

[2] Digitale Mozart-Edition (Stiftung Mozarteum Salzburg): libretto edition for *L’oca del Cairo* (KV 422), showing the surviving Act I text and musical cues/tempi, ending with “Fine dell’atto primo.”